Pandemie
Zürcher Bildungsdirektion empfiehlt den Schulen dringend mehr Corona-Massentests

Zum Start ins neue Schuljahr setzt Bildungsdirektorin Silvia Steiner auf repetitives Testen in den Schulen und eine Maskenempfehlung für die Mittel- und Berufsschulen. Flächendeckende Vorgaben des Kantons bleiben jedoch aus – trotz steigender Fallzahlen.

Matthias Scharrer
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Die Bildungsdirektion hat entschieden: Massentests an den Zürcher Schulen sollen ausgeweitet, aber nicht flächendeckend vorgeschrieben werden.

Die Bildungsdirektion hat entschieden: Massentests an den Zürcher Schulen sollen ausgeweitet, aber nicht flächendeckend vorgeschrieben werden.

Keystone

Jetzt hat die Zürcher Bildungsdirektion bekanntgegeben, mit welchen Coronamassnahmen am Montag das neue Schuljahr starten soll: Bildungsdirektorin Silvia Steiner (Mitte) hält die Schulen dazu an, das repetitive Testen auszuweiten, wie sie am Mittwoch per Communiqué mitteilte. Mit anderen Worten: Sie setzt auf Massentests in den Schulen, ohne diese verbindlich und flächendeckend vorzugeben. Weiter heisst es in der Mitteilung:

«Das repetitive Testen wird von der Bildungsdirektion dringend empfohlen und die Schulen wurden bereits vor den Sommerferien gebeten, sich darauf vorzubereiten.»

Schulen, die sich an den Massentests beteiligten, erhalten Vorteile: Für sie gelten erleichterte Quarantänevorgaben. Und sie können auch vermehrt klassenübergreifende Aktivitäten durchführen. Vor den Sommerferien waren kantonsweit 270 Schulen für das repetitive Testen registriert, wie die Bildungsdirektion auf Anfrage mitteilte – wobei der Begriff Schule von einzelnen Klasseneinheiten bis hin zu ganzen Schulgemeinden reiche.

«Vorsichtswoche» an den Mittel- und Berufsfachschulen

Als weitere Massnahme soll an den Zürcher Mittel- und Berufsfachschulen in der ersten Woche nach den Schulferien eine sogenannte Vorsichtswoche gelten. Während dieser Zeit sei das Maskentragen «dringend empfohlen», so die Bildungsdirektion. So könnten Quarantänen zum Schulbeginn verhindert werden.

Auf eine dringende Maskenempfehlung für die Volksschulen verzichtet die Bildungsdirektion nun hingegen. Sie käme einer Maskenpflicht faktisch sehr nahe, gibt Steiner zu bedenken. Und fügt an: «Für eine Maskenpflicht an den Volksschulen müssten wir eine Verordnung des Gesamtregierungsrats haben.» Das Zürcher Verwaltungsgericht hatte die Maskenpflicht für Primarschüler mit diesem Argument Anfang Juni aufgehoben.

Neu stehen den Schulen auch Impfmobile der Zürcher Gesundheitsdirektion zur Verfügung, für die sie sich anmelden können. Laut Bildungsdirektion sind im Kanton Zürich aktuell 40 Prozent aller 16- bis 19-Jährigen vollständig gegen Corona geimpft, 47 Prozent haben eine erste Impfdosis erhalten. Massiv tiefer ist die Impfquote bei den Jüngeren: Von den 12- bis 15-Jährigen sind laut Gesundheitsdirektion 14 Prozent doppelt und 21 Prozent mindestens einmal geimpft.

Fallzahlen sind so hoch wie zuletzt Anfang Januar

Als Grund für die nun leicht forcierten Corona-Schutzmassnahmen nennt die Bildungsdirektion die steigenden Fallzahlen. Sie kamen diesen Dienstag mit kantonsweit 748 Infizierten in eine Dimension, wie sie zuletzt Anfang Januar erreicht wurde. Auch die Zahl der Hospitalisierten ist laut Gesundheitsdirektion seit Mitte Juli stark steigend. Aktuell behandeln die Zürcher Spitäler 121 Coronapatienten.

In den Schulen gelten neben den nun bekanntgegebenen Massnahmen zum Schulstart weiterhin die bisherigen Schutzkonzepte. Dazu zählen Vorgaben zur Hygiene oder zum Lüften, zum schulspezifischen Contact-Tracing und zu bereits etablierten Coronatests.

Lehrerverband wollte mehr

Weitergehende Forderungen des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands (ZLV) setzt Steiner nicht um. ZLV-Präsident Christian Hugi hatte im Interview mit der «Limmattaler Zeitung» zum Schuljahresstart für flächendeckende Massentests in den Schulen plädiert. Ausserdem fordert er CO2-Messgeräte in allen Klassenzimmern, um mit gezieltem Lüften Corona-Ansteckungen vermeiden zu können.

Zu diesen Forderungen erklärt Bildungsdirektorin Steiner: Der Kanton könnte lediglich die Schulen verpflichten, Massentests anzubieten. Die Teilnahme der Schülerinnen und Schüler bliebe aber freiwillig. Daher sei es besser, auf Überzeugungsarbeit statt auf Zwang zu setzen. Steiner weiter:

«Wenn wir die Schulen zu Massentests verknurren, ohne dass sie von der Massnahme überzeugt sind, hilft das nicht viel.»

Und was die Forderung nach CO2-Messgeräten für alle Klassenzimmer betrifft, hält sie fest, die Ausrüstung der Schulen sei Sache der Gemeinden. Es gebe im Kanton Zürich sowohl weit über hundertjährige Schulhäuser als auch moderne Schulbauten mit leistungsfähigen Lüftungssystemen. Angesichts dieser Vielfalt könne es nicht eine technische Lösung für alle Schulen geben.

Schulleiter-Präsidentin: «Im Moment ist das genügend»

Sarah Knüsel, Präsidentin des Verbands der Schulleiterinnen und Schulleiter des Kantons Zürich, erklärte auf Anfrage zu den Massnahmen der Bildungsdirektion: «Im Moment ist das genügend. Aber man muss beobachten, wie sich die Situation entwickelt.» Und weiter: «Die Testerei ist im Moment noch sehr aufwendig für die Schulen. Es ist sinnvoll, das auszuprobieren.»

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