Elf unterschiedliche Risiken hat die Zürcher Kantonspolizei im Auftrag der Amtschefs Bevölkerungsschutz analysiert. Bewertet wurden in dem 2015 erstellten Bericht unter anderem die geschätzte Häufigkeit und das Schadenspotenzial der unterschiedlichen Ereignisse. Zu den untersuchten Katastrophen und Notlagen gehören etwa Pandemien, Hochwasser, der Absturz eines Grossraumflugzeugs sowie Terroranschläge.

Pandemie gilt als wahrscheinlich

In der Risikoabschätzung auf dem ersten Platz landete eine Pandemie. Die Häufigkeit einer schwerwiegenden Pandemie wird gemäss dem gestern veröffentlichten Bericht auf einmal in 40 bis 80 Jahren geschätzt. Mit geschätzten 800 bis 2000 Toten im Kanton Zürich ist das Schadensausmass sehr hoch. Als Referenzszenario dient ein hochansteckendes Grippevirus, welches rund einen Viertel der Bevölkerung infiziert und 0,4 Prozent der erkrankten Personen tötet.

Ebenfalls als relativ wahrscheinlich gelten Stürme, die mindestens so stark sind wie «Lothar», der 1999 schwere Schäden hinterliess. Auch hochansteckende Tierseuchen, die auf den Menschen übertragbar sein könnten, sowie grossflächige, langandauernde Stromausfälle werden aufgrund der geschätzten Häufigkeit als sehr gefährlich eingestuft.

Als weniger wahrscheinlich gelten beispielsweise die Entgleisung eines Güterzuges mit Freisetzung von Chlorgas oder ein schwerwiegender Unfall in einem Schweizer Atomkraftwerk. Die geschätzte Häufigkeit einer schweren Terrorattacke liegt im Mittelfeld. Als Szenario werden Bombenanschläge in vollbesetzten Zügen genannt. Diese Risikoschätzungen decken sich weitgehend mit denjenigen in anderen Kantonen – mit einer Ausnahme: Die Wahrscheinlichkeit des Absturzes eines grossen Passagierflugzeuges ist im Kanton Zürich aufgrund des Flughafens höher als anderswo.

Verbesserungsvorschläge

Im Rahmen der Risikoanalyse wurden zudem allfällige Lücken in den bestehenden Konzepten zum Umgang mit den einzelnen Szenarien ermittelt. So gibt es beispielsweise am Flughafen nicht genügend Räumlichkeiten, um mehrere tausend gestrandete Passagiere unterzubringen, falls der Flugbetrieb wegen eines Ereignisses vorübergehend eingestellt werden muss.

Beim Absturz eines Flugzeuges, bei dem nicht nur Passagiere, sondern zusätzlich zahlreiche Personen am Boden getötet würden, gäbe es ein gravierendes Problem: «Die Lagermöglichkeiten für Todesopfer sind auf 600 begrenzt, es besteht kein Konzept zum Umgang mit mehr Todesopfern», heisst es in dem Bericht.

Auch das benötigte Material zum Transport von Todesopfern, also etwa gekühlte Anhänger, sei knapp. Eine Übersicht, wo zusätzliche Anhänger angefordert werden könnten, bestehe nicht.

Als nicht ausreichend eingeschätzt wird auch die Planung für den Fall eines Hochwassers beim Zürcher Hauptbahnhof. Ein 300-jährliches Hochwasser könnte dazu führen, dass die Sihl den Hauptbahnhof überflutet. Eine umfassende Notfallplanung für den gesamten Bahnhof inklusive Betrieb der Durchmesserlinie fehlt laut dem Bericht.