Spielpark
Paintball für Strategen: In Kampfmontur auf Punktejagd

Die Firma Cobalt Project hat die umstrittene Sportart Paintball weiterentwickelt. In Lausanne betreibt sie mit Erfolg eine Anlage. Nun will sie im Grossraum Zürich expandieren. Die Standortsuche ist allerdings schwierig.

Heinz Zürcher
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Wie ein Sonderkommando: Die Lagebesprechung vor dem spielerischen Kampf.

Wie ein Sonderkommando: Die Lagebesprechung vor dem spielerischen Kampf.

zvg

In Kampfmontur schwebt der Spieler an einem Drahtseil über das Gelände, saust dann an einer Rutschstange hinunter und duckt sich hinter der nächsten Mauer, den Helm auf, das Druckluftgewehr im Anschlag.

Die Szene, die an den Einsatz eines Sonderkommandos erinnert, ist keine Computeranimation. Auf der Anlage der Firma Cobalt Project im waadtländischen Lutry bei Lausanne ist die virtuelle Welt real geworden. Eine Art Cowboy und Indianer wird hier gespielt. Nur dass die Teams mit modernster Technik ausgerüstet sind und sich auf einer vier Fussballfelder grossen Fläche austoben: in einer Kampfarena mit Festungen und Containern, Tunnels und Brücken sowie Busstation und Campingplatz. Selbst ein Kirchturm (für Scharfschützen) darf auf der früheren Minigolf- und Freizeit-Anlage einer Bank nicht fehlen.

Körperliche Fitness ist beim Cobalt Project von Vorteil.

Körperliche Fitness ist beim Cobalt Project von Vorteil.

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Für die Einen tumbe Ballerei und Verherrlichung von Gewalt, für die Anderen Sport, Nervenkitzel und Kampf um die beste Strategie: Sascha Smolokovski kennt die verschiedenen Meinungen über Cobalt Project. Der 30-jährige Rümlanger hat schon zahlreiche Stunden auf dem Abenteuerspielplatz verbracht. Als Partner der Firma sucht er nun in Zürich und Umgebung nach einem weiteren Standort.

Die Kasse stimmt

Cobalt Project: Spielregeln und Versionen

Gründer und Erfinder von Cobalt Project ist der Romand Adrien de Meyer. Inspiriert von Paintball, hat er eine eigene Soft- und Hardware entwickelt und in Lutry bei Lausanne ein Spielfeld für die Umsetzung seines Konzepts gefunden. Die Spieler bewegen sich auf einer 28 000 Quadratmeter grossen Fläche mit zahlreichen Infrastrukturen und müssen sich mit Instinkt und der Unterstützung von GPS orientieren, um eine Mission zu erfüllen. Auf der Jagd nach etwa zehn Stationen, an denen sie Punkte sammeln können, dringen die Teams unter der Leitung eines Coaches ins Gelände vor. Wird ein Spieler von einer Farbpatrone getroffen (oder markiert, wie es die Betreiber nennen), muss er sich in die Sicherheitszone zurückziehen. Zudem verliert seine Mannschaft Punkte. Alle Handlungen werden von einer Software aufgezeichnet und führen zu direkten Konsequenzen für den weiteren Spielverlauf. Für gesammelte Punkte erhalten die Spieler diverse Trümpfe: taktische Informationen, Rauchgranaten, Abwehrschilder, Sturmfahrzeuge und mehr. Cobalt Project gibt es in verschiedenen Versionen. «Sons of Cobalt» richtet sich an Kinder ab 9 Jahren. Für die übrigen Varianten gilt das Mindestalter 16 Jahre. Gespielt wird in Teams zu je 7 bis 20 Spielern. Für die Spielzeit von zwei Stunden beträgt der Preis 105 Franken pro Person. Inbegriffen sind Ausrüstung sowie je ein Briefing über Sicherheit und Spielmodus.

Die Standortsuche erweist sich jedoch als schwierig. «Wir benötigen ein grosses Gelände, auf dem sich möglichst lebensechte Situationen nachempfinden lassen», sagt Smolokovski. In Frage kämen Flächen in der Bauzone «Gewerbe und Industrie», idealerweise mit Anschluss an den Öffentlichen Verkehr, aber dennoch abseits von Wohngegenden.

Die Emissionen seien allerdings gering, sagt Smolokovski. Der Lärmpegel der abgefeuerten Farbpatronen sei mit dem Ballwechsel eines Tennismatches zu vergleichen. Und die Fahrzeuge, die für gewisse Spielzüge zum Einsatz kommen, würden langsam fahren. Abgegrenzt wird das Spielfeld mit einem drei Meter hohen Sichtschutz-Zaun. Geöffnet sein soll es von 10 bis 22 Uhr, an 365 Tagen im Jahr.

Ziel ist globale Community

An der Man’s World vor drei Wochen, der ersten Männermesse in Zürich, hat Sascha Smolokovski das Konzept für einen Zürcher Standort präsentiert. «Das Interesse an Cobalt Project war gross. Wir haben rund 400 neue Kunden gewonnen. Schwieriger ist es, die Behörden zu überzeugen.» Jedenfalls stiess die Idee bei den angefragten Gemeinden auf wenig Gegenliebe. «Viele haben Vorurteile und denken, es gehe um Gewalt.» Aufgegeben hat Smolokovski, der hauptberuflich bei einem Konzertveranstalter als Produktionsleiter arbeitet, seine Suche aber noch nicht. «Auch in Lutry war man anfangs skeptisch. Mittlerweile ist dort Cobalt Project akzeptiert.»

Das Unternehmen hat Grosses vor. In Polen steht ein Projekt in der Planungsphase. Weitere Standorte im Ausland sollen als Franchise aufgebaut und betrieben werden. Ziel ist eine Spielgemeinschaft, die auf der ganzen Welt aktiv ist.