In Kampfmontur schwebt der Spieler an einem Drahtseil über das Gelände, saust dann an einer Rutschstange hinunter und duckt sich hinter der nächsten Mauer, den Helm auf, das Druckluftgewehr im Anschlag.

Die Szene, die an den Einsatz eines Sonderkommandos erinnert, ist keine Computeranimation. Auf der Anlage der Firma Cobalt Project im waadtländischen Lutry bei Lausanne ist die virtuelle Welt real geworden. Eine Art Cowboy und Indianer wird hier gespielt. Nur dass die Teams mit modernster Technik ausgerüstet sind und sich auf einer vier Fussballfelder grossen Fläche austoben: in einer Kampfarena mit Festungen und Containern, Tunnels und Brücken sowie Busstation und Campingplatz. Selbst ein Kirchturm (für Scharfschützen) darf auf der früheren Minigolf- und Freizeit-Anlage einer Bank nicht fehlen.

Körperliche Fitness ist beim Cobalt Project von Vorteil.

Körperliche Fitness ist beim Cobalt Project von Vorteil.

Für die Einen tumbe Ballerei und Verherrlichung von Gewalt, für die Anderen Sport, Nervenkitzel und Kampf um die beste Strategie: Sascha Smolokovski kennt die verschiedenen Meinungen über Cobalt Project. Der 30-jährige Rümlanger hat schon zahlreiche Stunden auf dem Abenteuerspielplatz verbracht. Als Partner der Firma sucht er nun in Zürich und Umgebung nach einem weiteren Standort.

Die Kasse stimmt

Cobalt Project sei keine Bühne für Rambos, wehrt Smolokovski kritische Fragen ab. Und ebensowenig ein Hotspot für Ballerspiel-Junkies, die sich für einmal in der realen Welt den Adrenalin-Kick geben wollen: Weg vom Computer, rein in die Action, wo einen Nervenkitzel, Schweiss und allenfalls Muskelkater und blaue Flecken erwarten. Die Zielgruppe sei breit, sagt Smolokovski: von der 16-jährigen Outdoorsportlerin zum 60-jährigen Banker, vom Polizei-Ausbilder zum IT-Unternehmen, das seine Führungskräfte auf die Probe stellen will.
12  000 Eintritte hat Cobalt Projekt seit der Eröffnung Mitte 2012 gezählt. Die Kasse stimmte von Beginn an. Und mit dem finanziellen Erfolg wuchsen die Expansionsgelüste. Zumal die Besucher aus der ganzen Deutschschweiz nach Lutry anreisen.

Die Standortsuche erweist sich jedoch als schwierig. «Wir benötigen ein grosses Gelände, auf dem sich möglichst lebensechte Situationen nachempfinden lassen», sagt Smolokovski. In Frage kämen Flächen in der Bauzone «Gewerbe und Industrie», idealerweise mit Anschluss an den Öffentlichen Verkehr, aber dennoch abseits von Wohngegenden.

Die Emissionen seien allerdings gering, sagt Smolokovski. Der Lärmpegel der abgefeuerten Farbpatronen sei mit dem Ballwechsel eines Tennismatches zu vergleichen. Und die Fahrzeuge, die für gewisse Spielzüge zum Einsatz kommen, würden langsam fahren. Abgegrenzt wird das Spielfeld mit einem drei Meter hohen Sichtschutz-Zaun. Geöffnet sein soll es von 10 bis 22 Uhr, an 365 Tagen im Jahr.

Ziel ist globale Community

An der Man’s World vor drei Wochen, der ersten Männermesse in Zürich, hat Sascha Smolokovski das Konzept für einen Zürcher Standort präsentiert. «Das Interesse an Cobalt Project war gross. Wir haben rund 400 neue Kunden gewonnen. Schwieriger ist es, die Behörden zu überzeugen.» Jedenfalls stiess die Idee bei den angefragten Gemeinden auf wenig Gegenliebe. «Viele haben Vorurteile und denken, es gehe um Gewalt.» Aufgegeben hat Smolokovski, der hauptberuflich bei einem Konzertveranstalter als Produktionsleiter arbeitet, seine Suche aber noch nicht. «Auch in Lutry war man anfangs skeptisch. Mittlerweile ist dort Cobalt Project akzeptiert.»

Das Unternehmen hat Grosses vor. In Polen steht ein Projekt in der Planungsphase. Weitere Standorte im Ausland sollen als Franchise aufgebaut und betrieben werden. Ziel ist eine Spielgemeinschaft, die auf der ganzen Welt aktiv ist.