Am Montag steht der bekennende Pädophile Beat Meier vor dem Zürcher Obergericht. Der 70-jährige Berner, der seit 1998 verwahrt ist und auch nach seiner Verurteilung immer wieder in die Medien gelangte, muss sich wegen des Besitzes von harter Pornografie verantworten. Das Bezirksgericht Dielsdorf hatte ihn dafür in erster Instanz zu einer unbedingten Geldstrafe verurteilt. Meier zog das Urteil weiter ans Obergericht. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, im Juli 2012 in seiner Zelle pornografische Manga-Comics konsumiert zu haben. Die Bilder zeigen unter anderem Erwachsene in sexuellen Handlungen mit Kindern.

Modem in Tastatur versteckt

Wie konnte der verwahrte Häftling an das Material gelangen? Laut der Anklageschrift war es einem seiner Freunde gelungen, ein Modem und eine SIM-Karte in die Justizvollzugsanstalt (JVA) zu schmuggeln. Das Modem hatte Meier in der Tastatur versteckt. Erst als die Gefängnisaufsicht Mobilfunksignale in der Zelle ortete, schöpfte sie Verdacht. Bei einer Kontrolle entdeckte sie die illegalen Bilder auf einer Speicherkarte.

Gemäss Jessica Maise vom Amt für Justizvollzug kommt es selten vor, dass Ware unentdeckt in die Anstalt gelangt. Doch sei es unter Umständen möglich, dass eine SIM-Karte oder ein Modem von einem Komplizen über die Mauer geworfen oder von einem Besucher ins Gefängnis geschmuggelt werde.

Zwar würden abgesehen vom Personal alle Personen, welche die Anstalt betreten, ähnlich wie am Flughafen kontrolliert – auch mit einem Mobilfunk-Detektionsgerät. Angesichts der vielen Bewegungen bleibe jedoch ein Restrisiko, sagt Maise. Jährlich gehen in der JVA Pöschwies fast 30 000 Personen ein und aus: 20 000 Besucher, 6500 Mitarbeitende, Handwerker und Rechtsanwälte sowie 2800 Gefangene, die ein- oder austreten oder den vorgeschriebenen Ausgang antreten. Hinzu kommen mehrere Dutzend Warenlieferungen und jährlich etwa 6 Tonnen Pakete für Insassen, die kontrolliert werden müssen.

Leibesvisitation zu aufwendig

Einmal innerhalb der Gefängnismauern, sei es nicht auszuschliessen, dass der Gegenstand in der Hosen- oder Jackentasche in die Zelle geschmuggelt werde, sagt Maise. «Die Gefangenen werden nach der Arbeit, beim Einrücken in den Wohnpavillon, nicht jedesmal einer Leibesvisitation unterzogen.» Aus Gründen der dafür notwendigen Ressourcen und der Verhältnismässigkeit verzichte die JVA darauf. Die Zellen würden aber regelmässig und stichprobenartig kontrolliert.

Bekannter Pädophiler

Beat Meier ist kein Unbekannter. Er hatte zwei seiner Stiefsöhne missbraucht, zudem soll er sich an weiteren Kindern vergangen haben. 17 Untersuchungen wurden jedoch wegen Verjährung eingestellt. Meier bestreitet die Taten und kämpft seit längerem gegen seine Verwahrung. Dazu hat er die IG «Fair-Wahrt» gegründet. Erneut in die Medien gelangte Meier, als er 2012 einen Arbeitseinsatz im Pöschwies verweigerte. Er sei pensioniert, argumentierte der damals 66-Jährige bis vor Bundesgericht – allerdings erfolglos.