Auf der Glastür prangt der Schriftzug «Tashi Delek». Es handelt sich dabei um einen tibetischen Gruss, der so viel bedeutet wie «Möge es dir wohl ergehen». Die Tür ist der Eingang zur Firma Padma in Wetzikon.

Der Name steht für die Lotusblume. Seit 49 Jahren stellt das Unternehmen Arzneien und Nahrungsergänzungsmittel aus der Tibetischen Medizin her. Damit ist die Firma weltweit einzigartig. Vor allem aber, weil sie nach westlichen pharmazeutischen Standards produziert. Und weil sie dies zu 100 Prozent in der Schweiz tut.

Die tibetische Medizin basiert auf Pflanzen, Kräutern und Gewürzen. Deshalb wird sich auch als Vielstoffmedizin bezeichnet. Arzneien, die auf der Basis der tibetischen Medizin beruhen, beinhalten mindestens drei, oft mehrere dieser natürlichen Wirkstoffe. Jeder einzelne Rohstoff ist jeweils in einer relativ geringen Menge in einer Arznei vertreten, wodurch der tibetischen Medizin eine gute Verträglichkeit nachgesagt wird. Eingesetzt werden die Arzneien vor allem bei Magen-Darm- oder Herzkreislaufbeschwerden.

«Bei chronischen Krankheiten sowie lebensbegleitend», sagt Herbert Schwabl, Padma-Geschäftsführer. Mit lebensbegleitend meint der studierte Biophysiker chronische Beschwerden wie Arteriosklerose, die als Krankheit altersbedingt zum Teil des Alltags der Betroffenen wird. «Unsere Arzneien kommen dann als ergänzende Therapie zum Einsatz», so Schwabl.

Seit fast 50 Jahren im Westen

Das erste von der Wetziker Firma produzierte Arzneimittel ist das Abführmittel «Padma Lax». Es kam 1969 auf den Schweizer Markt. Noch etwas bekannter dürfte die zweite Arznei des Unternehmens sein. «Padma 28» wird bei Durchblutungsstörungen eingesetzt. Gemäss der tibetischen Tradition aber handelt es sich bei diesem pflanzlichen Gemisch um ein Basismittel.

Es konnte wissenschaftlich belegt werden, dass es nicht nur durchblutungsfördernd, sondern auch entzündungshemmend und bei Atemwegsinfektionen eine antibakterielle Wirkungen entfaltet. Der Inhaltsstoff basiert auf 22 unterschiedlichen Pflanzen und Mineralien, welche bei der Verarbeitung getrocknet und vermahlen werden. Die Pflanzen werden möglichst naturbelassen verwendet. Auf Konservierungsmittel, Aromastoffe, Geschmacksverstärker oder Farbstoffe wird verzichtet.

Zugelassen wurde die Rezeptur in der Schweiz 1977. In Tibet ist sie seit Jahrhunderten bekannt. In dortigen Schriften wird sie erstmals im 8. Jahrhundert erwähnt. In der Padma-Geschichte aber handelt es sich um die 28. Formel der Rezeptursammlung, die der einstige Firmengründer, Karl Lutz, von einem tibetischen Arzt erhalten hat.

Ein Vielstoffgemisch

Schwabl selber ist seit 25 Jahren dabei. Bereits nach einem Jahr bei der Firma übergab der Gründer die Geschäftsleitung an den gebürtigen Wiener. Über seine heutige Firma sagt er: «Padma ist ein Vielstoffgemisch.» Damit meint Schwabl die DNA der Firma. Die rund 35 Mitarbeitenden sind die unterschiedlichen Wirkstoffe der Firma, ähnlich wie sie in einer tibetischen Arzneirezeptur zusammengemischt werden. «Jeder einzelne ist auf seinem Gebiet ein Experte», so Schwabl.

Sei dies bei der Übersetzung von tibetischen Rezepturen, der Kenntnis über die tibetische Kultur oder im Bereich Marketing und den pharmazeutischen Regulatorien. Schwabl verweist auf ein Gestell. Zu sehen sind unzählige Ordner. «Diese Unterlagen umfassen mehrere Jahre Arbeit für die Zulassung einer Arznei», wie er sagt. Gearbeitet wird bei Padma Hand in Hand, vor allem aber interdisziplinär. Nur so gelingt es laut Schwabl, dass am Ende ihre Arzneimittel in bester Qualität in der Apotheke und in der Drogerie erhältlich sind.

Der Facettenreichtum der Firma liegt zum einen in der Komplexität, auf welcher die tibetischen Rezepturen basieren und zum anderen an den hiesigen Anforderungen, denen moderne Arzneimittel genügen müssen. Jeder noch so kleine Arbeitsschritt wird in der Produktionsstätte protokolliert. Keine zwei Türen dürfen gleichzeitig geöffnet sein, kein Haar darf unter der Haube hervorschauen und keine noch so kleine Unreinheit darf in den Kapseln enthalten sein.

«Bevor ein Produkt die Padma verlässt, werden bis zu 300 verschiedene Qualitäts- und Reinheitstest gemacht», sagt Schwabl. Die Qualität beginnt bereits beim Einkauf der Rohstoffe. «Sie kommen aus der ganzen Welt, aber leider nicht aus Tibet», sagt Schwabl zwei Mal. Auf Transparenz legt der Wiener wert. «Es ist nach wie vor schwierig, mit Tibet zusammenzuarbeiten», wie er weiter sagt.

Die meisten Pflanzen und Mineralien würden heute aus Indien stammen, die Gewürze können in hervorragender Qualität vom Welthandelsmarkt in Hamburg eingekauft werden. Das Mischen der pulverisierten Kräuter bis hin zum Verpacken und Ausliefern liegt aber in den Händen von Schwabls Angestellten.

Ganzheitlich denken

Es wird deutlich: Padma spannt ein Netz über ein breites Themenfeld. Dass in den Räumen der Firma nicht nur produziert wird, sondern eine Brücke zwischen Tradition und Gegenwart sowie kultureller tibetischer Überlieferung und Wissenschaft geschlagen wird, zeigen die Raumtrenner im Büro.

Es ist eine durchgehende Bibliothek mit Wälzern über europäische Arznei, Literatur aus und über Tibet und seine jahrhundertealte Medizin. Es finden sich auch Bücher mit philosophisch anmutenden Titeln wie «Krankheit auf Rezept» oder Lesematerial über die Zukunft der Medizin.

Auch Schwabl ist mit seiner Firma auf dem Weg in die Zukunft. Denn ab
1. Januar 2019 gilt in der Schweiz ein neues Heilmittelgesetz. Die Möglichkeiten, Naturheilmittel zuzulassen, werden damit vereinfacht. Die neue Verordnung beinhaltet sogar eine spezielle Regelung für tibetische Medizin.

«Die Schweiz ist damit das erste Land in Europa, welches über ein entsprechendes Gesetz verfügt», sagt Schwabl. Bislang sind von Padma in der Schweiz drei Rezepturen als Arzneien zugelassen. Schwabls Vision ist klar: «In 50 Jahren soll Padma zur Standard-Medizin eines Schweizer Haushaltes gehören.»

Bis dahin werde die Firma weiterhin am Fortschritt der integrativen Medizin arbeiten. Moderne Forschung sowie Therapien aus der Schul- und Komplementärmedizin sollen sich mit einer ganzheitlichen Sichtweise des Menschen vereinen. Oder wie Schwabl sagt: «Wir gehören zum Heilmittelschatz der Schweiz.»

Ziel der integrativen Medizin ist eine nebenwirkungsarme Behandlung von Krankheiten, die auf den einzelnen Patienten zugeschnitten ist und ihn gesund machen soll. Eben ganz im Sinne der tibetischen Grussformel «Tashi Delek».