Digitalisierung
Open Government Data: Kanton Zürich stellt seine Geodaten online frei zur Verfügung

Die kantonale Verwaltung erfasst und verarbeitet zahlreiche raumbezogenen Daten. Diese Geodaten können ab 2018 gratis und ohne Einschränkung genutzt werden. Über den GIS-Browser sind jetzt schon zahlreiche Datensätze einsehbar.

Philipp Lenherr
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Geodaten Kanton Zürich
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Baustellen auf Kantonsgebiet.
Winterthur um 1850.

Geodaten Kanton Zürich

Screenshots maps.zh.ch

Der Kanton Zürich setzt bei seinen Geodatenbeständen künftig auf Open Government Data (ODG). Ab 2018 können die Datenbestände also frei genutzt und in eigene Anwendungen integriert werden. So wird es beispielsweise möglich, Smartphone-Apps zu programmieren, welche auf kantonalen Daten basieren. Rund 200 Geobasisdatensätze des Kantons und der Gemeinden stehen ab Januar in maschinenlesbarer Form zur Verfügung – kostenlos.

«Die Datensätze wurden mit Steuergeldern finanziert, deshalb sollen Sie der Öffentlichkeit auch zur Verfügung stehen», sagte Christian Kaul, Abteilungsleiter Geoinformation bei der kantonalen Baudirektion, an der gestrigen Medieninformation. Einige Einschränkungen gibt es natürlich trotzdem: Es stehen nur Daten zur Verfügung, die keine Datenschutz-, Urheberrechts- oder Informationsschutzbestimmungen verletzen. Das bedeutet beispielsweise den Ausschluss von Datensätzen mit personenbezogenen Angaben.

Nicht nur für Fachleute

Einen direkten Nutzen haben die Daten laut Kaul für Fachleute wie beispielsweise Architekten. Die breite Öffentlichkeit soll aber indirekt von konkreten Anwendungen und Apps profitieren, die Private künftig entwickeln können.

Ein grosser Teil der Daten ist über den Browser für das Geoinformationssystem (GIS) des Kantons Zürich schon seit einiger Zeit zugänglich. Zu den wichtigsten Daten gehört der Grunddatensatz der amtlichen Vermessungen. Dieser enthält beispielsweise Grundstücksgrenzen, Gebäudestandorte, Gewässerläufe und Waldränder.

In den Tiefen des GIS-Browsers finden sich aber auch Daten zu spezifischen Themen, die für Privatnutzer interessant, teilweise auch einfach nur unterhaltsam sein können:

Bienenstände: In der Kategorie Flora und Fauna findet sich eine Karte, welche die Standorte von mehreren hundert Bienenständen im Kanton Zürich enthält. Angezeigt werden die jeweiligen Koordinaten des Standorts sowie die Höhe in Metern über Meer.

Veloparkierungsanlagen: Unter diesem Titel wurde fast jeder Veloständer im Kanton erfasst, der zu einer öffentlichen Einrichtung gehört. Der Detaillierungsgrad der Informationen ist deutlich höher als bei den Bienenhäuschen. Zur Veloparkierungsanlage Nr. 2011 in Marthalen beispielsweise erfährt man, dass sie zu einer Bildungsstätte gehört und über 71 gedeckte Veloparkplätze mit Wandhalter und Aufhänger verfügt. Allerdings lässt sich der Velorahmen dort nicht anketten.

Baustellen Kantonsstrassen: Die vor allem zur Sommersaison wie Pilze aus dem Boden schiessenden Strassenbaustellen ärgern viele Autofahrer. Im GIS-Browser sind nicht nur aktuelle Baustellen, sondern auch erst geplante ersichtlich – ein nützliches Angebot für ambitionierte Routenplaner. Auch hier sind die zusätzlich gebotenen Informationen umfangreich: Bauanfang- und -ende, Beschreibung der Arbeiten und Verkehrsführung. Wer es noch genauer wissen will, findet sogar die Telefonnummer eines zuständigen Mitarbeiters.

Historische Daten: In den GIS-Daten ist nicht nur die Gegenwart abgebildet, auch ein Blick zurück ist teilweise möglich. Die um 1850 entstandene Karte von Johannes Wild beispielsweise zeigt Winterthur – seit bald zehn Jahren offiziell eine Grossstadt – als beschauliches Städtchen. Bahnlinien und Bahnhof existierten noch nicht. In der Kategorie «Gebäudealter» lässt sich zudem das Baujahr von einem Grossteil der Liegenschaften im Kanton Zürich in Erfahrung bringen.

Alle Zebrastreifen

Der Geoinformatiker Stefan Keller, der als Dozent an der Hochschule für Technik Rapperswil tätig ist, erläuterte einige Anwendungsbeispiele, die mit bereits zugänglichen Datensätzen realisiert wurden. So gibt es etwa eine Nebelkarte (www.nebelkarte.ch), die zeigt, welche Hügel aktuell oberhalb der Nebelgrenze liegen, und wie man sie mit dem öV erreicht. Das Projekt Zebrastreifen-Safari (zebrastreifen-safari.osm.ch) wiederum erfasst alle vorhandenen Zebrastreifen, um die Sicherheit und Navigationsmöglichkeiten für Fussgänger zu erhöhen.