Zürich
Onlineportale versprechen: Per Klick zu mehr Pep im Bett

Schweizer Onlineportale wagen sich in den qualitativ hochstehenden Erotikspielzeugmarkt vor. Nach dem Motto «Raus aus der Schmuddelecke» wollen sie im Stile von «50 Shades of Grey» wieder mehr Pep ins Schlafzimmer bringen.

David Torcasso
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Speziell für Paare entworfene Erotikspielzeuge sollen frischen Wind ins Schlafzimmer bringen.

Speziell für Paare entworfene Erotikspielzeuge sollen frischen Wind ins Schlafzimmer bringen.

Themenbild / bab.ch

Der tägliche Stress und die immer höheren Anforderungen in der Berufswelt beeinträchtigen auch das Beziehungsleben. Die Gefahr, dass dadurch die Erotik zu kurz kommt und es an lustvollen Nächten zu zweit mangelt, ist nicht neu. Den erotischen Kick sucht man aber heute auch gerne mit einem Klick: Liebespielzeuge und Erotik-Fashion aus dem Netz können frischen Wind bringen. In Deutschland sind im letzten Jahr mehrere «Lifestyle-Erotik»-Portale online gegangen, die Nachfrage scheint da zu sein.

Nun wagen sich auch Schweizer Anbieter wie etwa das neue Onlineportal Amorana in den Erotikmarkt im Internet vor. Vor einigen Tagen hat das Zürcher Startup seinen offiziellen Launch gefeiert mit einer Party im «Gainsbourg» im Zürcher Seefeld. «Raus aus der Schmuddelecke» lautet das Motto von Amorana. «Wir fokussieren uns stark auf den Bereich Lifestyle-Erotik – und tun das mit einer passenden und stilvollen Ästhetik». In seinem Onlineshop gäbe es keine Billigware, sondern hochqualitative Produkte für Anfänger und Fortgeschrittene, sagt Amorana-CEO Lukas Speiser. Dabei möchte der Anbieter einen neuen Weg beim Vertrieb von erotischen Spielzeugen und Fashion einschlagen. «Unser Auftritt erinnert an ein Fashion-Onlineportal. Wir wollen ganz klar einen neuen Lifestyle kommunizieren. Erotik-Toys sind für alle gedacht und können vom Design her auf genauso hohem Niveau wie etwa Möbel sein», sagt Speiser. Ziel des stilvollen und ansprechenden Einkaufserlebnisses ist es, auch Kunden zu gewinnen, die sonst nie einen Sexshop betreten würden.

In die Erotikläden am Bahnhof – mit Vorhang an der Eingangstür, Wänden voller Pornofilme und stillosen Negligés – haben die wenigsten Paare je einen Schritt hinein gewagt, um ihr Liebesleben aufzupeppen. Der verstaubte Sexshop mit Dildos in grossen Plastikverpackungen und fraglichen Krankenschwestern-Outfits ist definitiv von gestern.

Dank dem Boom erotischer Literatur und Filme, hat sich die Branche für Liebesspielzeug ebenfalls aus der Schmuddelecke in gut sortierte Geschäfte und Einkaufsviertel bewegt. Auch die Konsumenten scheinen für einen frischen Wind in das verloren geglaubte Liebesleben gerne tiefer ins Portemonnaie zu greifen. Für schöne Klamotten legen viele auch gerne ordentliche Summen auf den Ladentresen, wieso folglich nicht auch in das Liebesvergnügen investieren? Kunden legen Wert auf gut verarbeitete Produkte und möchten hochwertige Liebesspielzeuge kaufen, die frei von chemischen Rückständen und Geruchsstoffen sind, meint Speiser und ergänzt: «Viele Produkte in unserem Onlineshop stammen nicht aus China, sondern aus Deutschland oder den USA. Einige haben sogar schon Design-Awards gewonnen».

Ein entscheidender Vorteil von Onlineanbietern ist das diskrete Einkaufserlebnis. Auch schüchterne Kunden können so in der Privatsphäre ihrer eigenen vier Wände in aller Ruhe im Sortiment stöbern. Ausserdem ist die Produktauswahl oft viel grösser als etwa in den wenigen noch verbliebenen Erotikshops an der Langstrasse. Auf Amorana kann man neben diversen Spielzeugen für Paare, Frauen und Männer auch erotische Drogerieartikel wie Öle und Pflegeprodukte bestellen. Ausserdem bietet die Plattform «Erotik-Fashion» an. Der noch recht neue Begriff illustriert den Wandel der Branche.

Onlinehändler können sich neuen Trends in der Erotikspielzeug-Branche meist schneller und flexibler anpassen. Viele Produkte zielen nicht mehr nur auf die Frau ab, sondern wurden spezifisch für Paare entworfen. Die Nachfrage dafür wächst im gesamten Erotikmarkt. Auch die Pornofilm-Industrie setzt vermehrt auf ästhetischere und gefühlvollere Sexfilme für den gemeinsamen Konsum. «Die Entwicklung geht weg von billigen No-Name Produkten und hin zu etablierten Marken. Diese bieten qualitativ hochstehende Designprodukte für Singles und Paare an», erzählt Speiser. Einer der meistverkauften Artikel auf seinem Portal ist ein spezieller Vibrator, der Mann und Frau beim Geschlechtsverkehr gleichzeitig stimuliert und per Fernbedienung gesteuert wird.

Kunden können sich bei Amorana auch ein Lovebox-Abo (siehe Bild) bestellen und erhalten dann regelmässig Packages mit wohlklingenden Namen wie «Rekrutenbox» oder «Fifty Shades of Grey» zugeschickt – ähnlich wie bei einem Socken- oder einem Blumenabo. «Paare haben oft Hemmungen, dem Partner zu sagen, was sie sich sexuell wünschen», stellt Speiser fest. Bei einem solchen Abo erhalten die Beziehungspartner beide jeden Monat drei bis vier Spielzeuge mit einer Anleitung dazu, wie man sich gegenseitig Freude bereitet. Speiser erklärt die Idee: «Weil beide gleichzeitig von neuen Spielzeugen und Ideen überrascht werden, sinkt die Hemmschwelle, etwas Neues auszuprobieren.»