Eine Studie brachte es schon vor zehn Jahren an den Tag: Zum Teil fehlt es Maturanden an grundlegenden Kompetenzen in Mathematik und der Erstsprache, die für ein Studium nötig wären. In der Folge empfahl die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren den Kantonen im März 2016, Massnahmen zum verbesserten Erwerb dieser Kompetenzen zu treffen. Ein entsprechendes Projekt des Kantons Zürich startet 2019. Der Regierungsrat hat dafür 2,4 Millionen Franken bewilligt, wie er kürzlich mitteilte.

Wie will der Kanton Zürich die Studierfähigkeit seiner Maturanden nun sicherstellen? Eine wichtige Rolle spielt dabei die vom Kanton St. Gallen lancierte Online-Plattform lernnavi.ch. Mit ihr sollen Gymnasiasten künftig selbst abklären, an welchen der sogenannten basalen Kompetenzen es ihnen fehlt.

«Das System schlägt der Schülerin oder dem Schüler danach automatisch Aufgaben der Lernplattform vor», heisst es auf lernnavi.ch. Zum Einsatz kommen soll das Onlinetool ab dem zweiten Schuljahr des Kurzzeitgymnasiums.

Noch ist die Online-Plattform in der Pilotphase. Ab kommendem Jahr wird sie bezüglich Einsatz im Kanton Zürich getestet, wie Hans Jörg Höhener, stellvertretender Chef des kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamts, gestern auf Anfrage mitteilte.

Ein Jahr später würden dann die Schülerinnen und Schüler das Lernnavi kennenlernen und ausprobieren – und auch die Lehrkräfte der Fächer Deutsch und Mathematik damit vertraut gemacht.

Der Mittelschullehrerverband Zürich (MVZ) hält dazu in einem Positionspapier fest: «Die geplante Lernplattform ist ein prüfenswerter Ansatz.» Sie biete den Schülerinnen und Schülern eine Möglichkeit, ihre grundlegenden Kompetenzen zu vertiefen, «ohne die Lehrpersonen zusätzlich zu belasten.»

Gerangel um Ressourcen

Im gleichen Positionspapier schreibt der MVZ aber auch: «Das Kernproblem der basalen fachlichen Studierkompetenzen ist ein Mangel an Zeit.» MVZ-Präsident Silvio Stucki bekräftigte dies gestern auf Anfrage. An Zeit fehle es, da die Gymnasialzeit in den letzten Jahren mehrfach verkürzt wurde. Verschärft wird die Situation noch durch die Einführung des Grundlagenfachs Informatik an den Gymnasien. Folglich brauche es zusätzliche finanzielle und zeitliche Ressourcen, um die fürs Studium grundlegenden Kompetenzen in Deutsch und Mathematik zu stärken.

Wie weit diese dereinst zur Verfügung stehen werden, ist fraglich. Der Regierungsrat bezeichnet die fürs nun anlaufende, auf vier Jahre befristete Projekt bewilligten 2,4 Millionen Franken in seinem Beschluss zwar als «neue Ausgabe». Er hält aber auch fest, sie sei weder im Budget 2019 noch im regierungsrätlichen Finanzplan 2019 bis 2022 enthalten. Die Ausgaben seien innerhalb des bestehenden Budgets für die Mittelschulen kompensierbar.

Andernorts Abstriche müssen deshalb gemäss Höhener aber nicht gemacht werden. Es stünden für die Mittelschulen noch Rücklagen im Umfang von 7 Millionen Franken zur Verfügung, falls das bestehende Budget aufgebraucht würde, so der stellvertretende Mittelschulamtschef.

Doch es geht nicht nur um Geld, sondern auch um neue Unterrichtskonzepte. Innerhalb der ersten Projektphase werden laut Höhener «Materialien und Handreichungen» erarbeitet, die das Arbeiten an den Schulen erleichtern sollen. Zuständig dafür ist das Mittelschulamt, in engem Austausch mit den Schulen.

In der zweiten Phase sollen die Fachschaften der Schulen von 2020 bis 2022 Konzepte erarbeiten und dafür anderweitig entlastet werden. Gleichzeitig startet die Pilotphase des Onlinetools «Lernnavi».

Für die Arbeiten an den Schulen ist gemäss Projektbeschrieb der Hauptteil der finanziellen Mittel reserviert. Doch auch das Onlinetool ist nicht gratis: In der Pilotphase kostet es insgesamt 200 000 Franken. Sollte es danach definitiv eingeführt werden, entstünden gemäss Regierungsrat jährlich Folgekosten von 100 000 Franken.

Hinzu kämen jährlich wiederkehrende Folgekosten für Förderkurse. Wie hoch diese ausfielen, sei noch nicht bezifferbar, da noch nicht bekannt sei, wie viele Schulen solche Förderkurse anbieten werden, schreibt der Regierungsrat. Er nennt aber schon mal einen Höchstbetrag für die Förderkurse: 670 000 Franken pro Jahr.