Insgesamt hätten sich 75 Mitarbeitende der Stadt Winterthur bei der Ombudsstelle gemeldet, weil sie Beratung bei einem Problem an ihrer Arbeitsstelle wünschten, schreibt Ombudsfrau Viviane Sobotich in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Jahresbericht 2015. Sie vermutet, dass die Arbeitnehmer vermehrt Rat suchten, weil sie Angst um ihre Arbeitsstelle hätten.

Dass der Grosse Gemeinderat und der Stadtrat begonnen haben, die angekündigten intensiven Sparprogramme umzusetzen, verschärfe die Grundangst um den Verlust des Arbeitsplatzes. "Damit einhergehend wird der Eindruck vermittelt, dass es der Stadt Winterthur schlecht gehe", schreibt die Ombudsfrau.

Probleme im zwischenmenschlichen Umgang

Die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung wollten sich häufig bei Konflikten im Arbeitsverhältnis beraten lassen. Meist seien es Probleme im zwischenmenschlichen Umgang, die zu Stolpersteinen würden, schreibt Sobotich.

Dabei sind nicht alle Fragen juristisch komplex. Bei einigen geht es nur um gegenseitigen Anstand oder menschlich korrekten Umgang. "Zum Beispiel dann, wenn ein Mitarbeiter mit kleinem Pensum nicht ans Weihnachtsessen seiner Abteilung eingeladen wird." Auch Arbeitszeugnisse oder die jährlichen Mitarbeiterbeurteilung führen immer wieder zu Konflikten.

Zudem stellt Sobotich fest, dass es heute "emotional einfacher zu sein scheint, Mitarbeitende zu entlassen". Vorgesetzte könnten sich leichter damit rechtfertigen, dass sie damit ein "von oben erwünschtes Ziel" anstreben.

Die Ombudsfrau ist der Meinung, dass es dringend nötig wäre, Einsatzplätze für Mitarbeitende mit schwächeren Leistungen zu erhalten oder auszubauen. Eine 60-jährige Pflegedienstmitarbeiterin solle ihren Beruf beispielsweise auch dann noch ausüben können, wenn sie aufgrund ihrer abgenützten Schulter Patienten nicht mehr allein vom Bett hochheben könne. "Sie braucht jedoch eine angepasste Arbeitsstelle."

Sie stelle jedoch bei vielen Vorgesetzten eine sinkende Bereitschaft fest, Hand für adäquate Lösungen zu bieten, schreibt Sobotich. Zudem werde ihr Auftreten als Ombudsfrau oft als lästig empfunden. "Zunehmend stellen Behörden oder Verwaltungseinheiten in Frage, ob sie der Ombudsstelle überhaupt Rechenschaft schulden."

184 Fälle erledigt

Insgesamt konnte die Ombudsfrau im vergangenen Jahr 184 Fälle erledigen, 14 waren Ende Jahr noch pendent. In einem Fall scheiterte die Vermittlung, 13 Fälle wurden zurückgezogen. Die übrigen 170 Fälle konnten durch Vermittlung, mit einem Schlussbericht oder dank Informationen und Beratung erledigt werden.

Mit 91 Beschwerden betrafen die meisten das Sozialdepartement, weil man beispielsweise befürchtete, seine Wohnung zu verlieren, zu wenig Geld zu bekomme oder vermutete, dass die Verwaltung ineffizient arbeite.