Sportlereltern
Ohne Eltern gibt es keine Medaillen – Kanton bietet Unterstützung

Mehr als vom Trainer hängt eine Sportkarriere vom Einfluss der Eltern ab. Ihnen liefert der Kanton Zürich nun einen Ratgeber.

Heinz Zürcher
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Läuft hier ein Sporttalent? Eltern haben laut Bundesamt für Sport den grössten Einfluss auf die Sportkarriere der Kinder.

Läuft hier ein Sporttalent? Eltern haben laut Bundesamt für Sport den grössten Einfluss auf die Sportkarriere der Kinder.

Keystone

Roger Federer, Nicola Spirig, Lara Gut: Drei Schweizer Spitzensportler, die es ohne ihre Eltern nie so weit gebracht hätten. «Eltern spielen insbesondere im Nachwuchsleistungssport eine zentrale Rolle», sagt der Zürcher Sportminister Mario Fehr (SP). Sein Sportamt hat deshalb das Projekt sporteltern.zh lanciert und gestern das erste Produkt vorgestellt: Die «Sporteltern-Toolbox», ein Ratgeber für alle Eltern, deren Kinder Sport treiben – aber speziell für jene, deren Nachwuchs zu den Medaillengewinnerinnen und -gewinnern von morgen gehören könnten.

Die Toolbox deckt sieben Themenfelder ab. 19 Faktenblätter behandeln kurz und übersichtlich wichtige Fragen rund um die Sportkarriere, von den Risiken der sozialen Medien über Ausbildung, Ernährung, Leistungsfähigkeit bis zu Finanzen und Ethik. Eltern erfahren in diesem Nachschlagewerk, wie ein Talent erkannt wird und wie es beispielsweise von der Schule dispensiert werden kann. Aber auch, dass ohne Geld aus dem Elternhaus niemand weit kommt und in den meisten Sportarten als Faustregel mindestens 10'000 Trainingsstunden erforderlich sind, um es an die Weltspitze zu schaffen.

Sponsor, Fan, Butler

Exakt 2632 Zürcherinnen und Zürcher sind derzeit offiziell von Swiss Olympic als Sporttalent anerkannt. Sie betreiben 42 verschiedene Sportarten. In 76 Leistungszentren und fünf Sportschulen mit 800 Ausbildungsplätzen werden sie gefördert. Doch trotz dieser Strukturen: Ohne die Unterstützung der Eltern geht gar nichts.

2632

Sporttalente zählt Swiss Olympic derzeit im Kanton Zürich.

Das sagt auch Fabio Schwarz, der im Nachwuchsbereich der ZSC Lions arbeitet und es mit 720 jungen Eishockeyspielern zu tun hat, von den Unter-8-Jährigen bis zu den Unter-20-Jährigen. Ob Erholung, Verpflegung, Transport oder Spielbetrieb: In all diesen Bereichen ist der Club auf die Eltern angewiesen. «Sie bedienen die Matchuhr, fungieren als Speaker oder fahren mit der U8 ins Prättigau für zwei Stunden Eishockey», sagt Schwarz: «Ohne Eltern findet kein einziges Spiel statt.»

Gemäss einer vom Bundesamt für Sport in Auftrag gegebenen Studie hatten aus Sicht der Kaderathleten die Eltern den grössten Einfluss auf ihre Sportkarriere noch vor den Trainern und Vereinen. «Sie sind nicht nur Mutter und Vater, sie sind Vorbild, Förderer, Sponsoren, Kritiker, Fan, Animateur, Psychologe, Butler, Fahrer, Koch oder Ernährungsberater», sagt Cornel Hollenstein, Vizedirektor von Swiss Olympic.

1,55 Millionen für Talente

Manche Eltern seien sportaffin, hätten allenfalls eine eigene Sportkarriere hinter sich und wüssten, worauf es ankomme. Ein Grossteil aber werde mit vielen Fragen und Herausforderungen konfrontiert. «Die Toolbox ist gerade für sie sehr hilfreich.» Das Zürcher Handbuch ist einmalig in der Schweiz und von Swiss Olympic anerkannt. Angeregt wurde es von den Leistungszentren, aber auch von Eltern. Mitgewirkt haben Fachleute aus Sportschulen sowie Sportärzte, Psychologen, Berufsberater und Ernährungswissenschaftler.

Laut Sascha Korner Schoch vom Sportamt Zürich haben bereits 1100 Eltern den Ordner bestellt. Der kostenlose Ratgeber ist online auf sporteltern.zh.ch verfügbar. Korner Schoch koordiniert die Nachwuchsförderung im Kanton Zürich. Dieser investiert selber in die lokalen und regionalen Talente, mit jährlich 1,55 Millionen Franken aus dem Lotteriefonds. Zwei Drittel der Gelder gehen an die Leistungszentren, ein Drittel wird direkt Athleten ausbezahlt oder für Projekte wie die Eltern-Toolbox verwendet.