Das Technologieunternehmen Trapeze und dessen Tochtergesellschaft Amotech präsentierten gestern das «öV-Lab», in dem an Lösungen für autonome Fahrzeuge im ÖV getüftelt wird. Zu den Partnern gehören neben den Verkehrsbetrieben Schaffhausen (VBSH) auch die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ). Anders als bei den VBSH gibt es bei den VBZ noch keine konkreten Einsatzpläne für autonome Fahrzeuge. «Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass solche Fahrzeuge irgendwann auch in Zürich fahren», sagte VBZ-Direktor Guido Schoch. Dies allerdings eher in einem Aussenquartier als auf den stark frequentierten Bus- und Tramlinien in der Innenstadt.

Der Fokus von Trapeze liegt nicht auf der Entwicklung von eigenen autonomen Fahrzeugen. Der Bus, der in Neuhausen verkehrt, wurde vom Hersteller Navya gekauft. Es handelt sich um das selbe Modell, das Postauto Schweiz testweise in Sion einsetzt. «Wir wollen das Fahrzeug aber nicht einfach von A nach B und zurück pendeln lassen», sagte Trapeze-CEO Peter Schneck. Trapeze entwickelt Leitsysteme für den öffentlichen Verkehr. Im Einsatz sind diese beispielsweise in London, Berlin, Winterthur und Zürich. Die Systeme stellen unter anderem die Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Zentrale sicher.

Genau in diese Systeme sollen die autonomen Busse im Linienverkehr integriert werden, was laut Schneck «weltweit einmalig» wäre. Bis es soweit ist, müssen noch etliche Hürden überwunden werden. Die Anforderungen der Bundesämter für Verkehr (BAV) und Strassen (Astra) sind streng. Unter anderem deshalb wurde das Projekt in verschiedene Phasen aufgeteilt. Um die Sicherheit zu gewährleisten, wird bis auf weiteres immer eine Person mitfahren, die bei Bedarf eingreifen kann.

Während die Entwicklung hierzulande in beschaulichem Tempo vorangehen dürfte, muss Trapeze andernorts Gas geben. Bis 2020 sollen in Singapur 40 autonome Busse unterwegs sein.

Mit dem selbstfahrenden Bus zum Rheinfall

Mit dem selbstfahrenden Bus zum Rheinfall

Noch in diesem Jahr sollen Touristen vom Ortskern in Neuhausen am Rheinfall SH mit einem selbstfahrenden Bus zum berühmten Wasserfall hinunter fahren können. Die Schaffhauser Verkehrsbetriebe wollen das Gefährt später auch in das ÖV-Leitsystem integrieren. Am Dienstag wurde der Bus der Öffentlichkeit präsentiert.

Neue Angebote möglich

Müssen sich also Buschauffeure auch in der Schweiz bald Sorgen um ihren Job machen? «Nein, es geht nicht darum, die Fahrer arbeitslos zu machen», sagte VBSH-Direktor Bruno Schwager. Es gehe viel mehr darum, Orte und Strecken zu erschliessen, bei denen das mit heutigen Mitteln nicht rentabel möglich sei. Heute würden alle Verkehrsbetriebe versuchen, möglichst grosse Fahrzeuge möglichst gut auszulasten. Braucht ein Bus jedoch keinen Chauffeur mehr, kann er auch mit deutlich weniger Passagieren rentabel betrieben werden.

Die technologische Entwicklung im Bereich der selbstfahrenden Fahrzeuge hat in den vergangenen Jahren grosse Fortschritte gemacht. Selbst die Assistenzsysteme, die in aktuellen Autos eingebaut sind, nehmen der Person hinter dem Lenkrad schon so einiges ab: Sie halten den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und die Spur, sie warnen beim Überholen auf der Autobahn vor Fahrzeugen im toten Winkel oder machen selbstständig eine Notbremsung, wenn plötzlich ein Fussgänger auf der Fahrbahn auftaucht. Gefahren wird das Auto letztlich aber nach wie vor einem Menschen.