Zürich
Ohne Arbeitsmigranten ist die Stimmung in Pfarrer Siebers «Pfuusbus» besser

Die Stimmung in Pfarrer Siebers «Pfuusbus» ist im vergangenen Winter viel besser gewesen als im Jahr zuvor. Der Grund: Die Arbeitsmigranten aus der EU wurden an einem anderen Ort untergebracht.

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Pfarrer Ernst Sieber vor seinem «Pfuusbus» (Archiv).

Pfarrer Ernst Sieber vor seinem «Pfuusbus» (Archiv).

Keystone

Die «richtigen» Obdachlosen, die häufig psychisch und physisch angeschlagen sind, waren wieder unter sich.
Im Vorjahreswinter mussten die Zürcher Sozialwerke Pfarrer Sieber (SWS) mehrmals Sicherheitsdienste und Polizei aufbieten, weil Arbeitsmigranten und «normale» Obdachlose aneinandergeraten waren. Die Spannungen und Konflikte seien teilweise massiv gewesen, teilten die SWS am Mittwoch mit.
Die beiden Gruppen seien für ein Zusammenleben zu unterschiedlich. Während es sich bei den einheimischen Obdachlosen überwiegend um sozial desintegrierte Menschen handle, hätten die meisten Arbeitsmigranten zuhause tragfähige Familienstrukturen.
Als Folge dieser Spannungen hätten viele Obdachlose im Vorjahreswinter den «Pfuusbus» gemieden. Sie suchten Unterschlupf am Flughafen und an anderen Orten in der Stadt und am Stadtrand.

Arbeitsmigranten schliefen im «Iglu»

In diesem Winter wurden die Wanderarbeiter nun ausquartiert - in das so genannte «Iglu» eine Notschlafstelle ausschliesslich für Arbeitsmigranten. Dies habe es den «richtigen» Obdachlosen erlaubt, wieder in den «Pfuusbus» zurückzukehren.
Einheimische Obdachlose hätten nun wieder jene Unterstützung und Gemeinschaft gefunden, welche den «Pfuusbus» auszeichneten, schreiben die SWS. Insgesamt verzeichnete der «Pfuusbus» im Winter 2013/2014 3626 Übernachtungen, rund 100 mehr als im Vorjahr.
Im «Iglu» in Seebach wurden 1086 Übernachtungen registriert. Rund 160 Personen aus dem EU-Raum schliefen in in diesem Massenlager. Die meisten kamen aus Rumänien, Spanien, Polen und Bulgarien. Pro Nacht schliefen zwischen 5 und 20 Personen dort.
In ihrer Mitteilung wehren sich die SWS zudem gegen den Vorwurf, eine Unterkunft für Wanderarbeiter ziehe diese Menschen an. Das «Iglu» habe keine Magnetwirkung gehabt, denn sonst hätten die Belegungszahlen kontinuierlich steigen müssen. Dies sei aber nicht der Fall gewesen, schreiben die SWS. (sda)