Zirkus
Ohlala, dieser Zirkus ist sinnlich und betörend

Die Feuertaufe ist bestanden, «Ohlala - der Liebeszirkus» kam beim Publikum an der Vorpremiere sehr gut an. Das neue Konzept überzeugt mit sinnlicher und leidenschaftlicher Kunst.

Elena Ibello
Merken
Drucken
Teilen
«Ohlala - der Liebeszirkus» kam beim Publikum an
6 Bilder
«Ohlala - der Liebeszirkus» kam beim Publikum an
«Ohlala - der Liebeszirkus» kam beim Publikum an
«Ohlala - der Liebeszirkus» kam beim Publikum an
«Ohlala - der Liebeszirkus» kam beim Publikum an
«Ohlala - der Liebeszirkus» kam beim Publikum an

«Ohlala - der Liebeszirkus» kam beim Publikum an

Limmattaler Zeitung

Einen «anderen Zirkus» hatten Gregory und Rolf Knie angekündigt. Es müsse nicht immer nur um sportliche Höchstleistungen gehen, sondern «Circus darf sich auch einmal an den Versen des Verlangens inspirieren», schreiben sie in ihrem Programm zum neuen Zirkus «Ohlala». Und sie haben genau dies getan. Ihr neues Konzept wurde schon viel im Voraus gelobt und ebensoviel misstrauisch kommentiert. Erotik im Zirkus. Ob das gut kommt?

Ja. Bei den Knies kommt das gut. Auch wenn der ganze Zirkus um den Zirkus zuweilen etwas übertrieben anmutet. Die alte Geschichte der Liebe ganz neu erzählen, wollen die alten Zirkushasen mit «Ohlala» - und daneben kann man auch noch selber die eigene Liebesgeschichte zelebrieren. Mit Specials wie dem «Love Package», bei dem man den Abend in einer «stilvollen und intimen Love-Lounge» einstimmen kann und dazu einen Apéro serviert bekommt, mit einem Ju 52-Rundflug vor der Vorstellung oder einem Limousinen-Service wird der Zirkus zum Rundum-Erlebnis ausgebaut.
Man könnte sich ausserdem fragen, ob Zirkuskunst nicht seit eh und je auch zumindest ein klein wenig mit Erotik zu tun hatte. Die Zelebration der Körper, die knappen Kleider und die allgegenwärtigen Elemente Vertrauen und Vereinigung gehörten zu einer klassisch-guten Zirkusnummer vermutlich schon immer.

Balanceakt geschafft

Doch zum Wesentlichen: «Ohlala - der Liebeszirkus» ist sinnlich, erotisch, ästhetisch und unterhaltsam. Das Sinnliche beginnt bereits beim Eintreten in das Zirkuszelt. Ein grosses Bild einer nackten, sitzenden Frau ziert den Eingang. Sie hat die Beine angewinkelt gespreizt und den Kopf so gesenkt, dass ihre langen Haare vor ihr bis zum Boden reichen. Man tritt quasi durch ihre Mitte direkt in den Liebeszirkus. Und spürt gleich eine Veränderung in der sinnlichen Wahrnehmung: Ein flauschiger Teppich macht das Gehen geschmeidig, gemütlich rot-schummerndes Licht verbreitet eine warme Atmosphäre und die einnehmenden Platzanweiserinnen sind üppig-bunt und erotisch gekleidet. Die Kostüme - entworfen von der Moldavierin Stela Verebceanu - beeindrucken auch insgesamt.

Die Show ist vielfältig und schafft den Balanceakt zwischen Erotik und Indiskretion, zwischen Ernst und Lächerlichkeit. Der Liebeszirkus vereint viele erwähnenswerte Nummern wie die der beiden Luftakrobatinnen «Les soeurs d'amour» aus Holland und Frankreich oder von Susannah Hart mit einer Strip-Zaubernummer, die vielleicht nicht immer sinnlich, aber sicher überraschend und fleischlich ist. Wunderschön bewegen sich Ludivine und Martin aus Frankreich in der Manege. Die Turnakrobaten zeigen eine Art Paartanz in weisser Unterwäsche zum Song «Je t'aime», der raffinierte Figuren mit viel Körperkontakt einschliesst.

Begeistertes Publikum

Ein Höhepunkt sind die «Rohlala-Bohlala-Artists» aus Finnland, Lotta Paavilainen und Stina Maria Kopra. Die beiden Frauen auf Rolle und Brett zeigen eine Nummer, die nicht nur beeindruckende artistische Figuren beinhaltet, sondern auch eine schöne, aussagekräftige Dramaturgie hat, die mit schauspielerischen Fähigkeiten mitreissend dargestellt wird.
Alles in allem wird es nie eintönig und die Vorfreude auf die nächste Nummer kommt bereits mit dem Applaus für die letzte. Nur wenn der Clown Steve Rawlings zwischen den Akten auftritt, droht die erotische Stimmung jeweils im Nu weggeblasen zu werden. Seine Sketches und Kunststücke sind zwar (meistens) durchaus beeindruckend und amüsant, doch mit Erotik oder Sinnlichkeit haben sie nichts zu tun (denkt man einmal ein paar wenige schmutzige Witze weg).

Der insgesamt gelungene Balanceakt der Zirkuscrew beeindruckt die Zuschauer. Am Ende gibt es trotz anfänglich verhaltenem Publikum eine Standing Ovation. Der 17-jährige Sebastien Ferrari ist begeistert. «Mir hat der Zirkus sehr gut gefallen, weil das Programm etwas ganz Neues ist. Ich gehe oft in den Zirkus, aber so etwas habe ich noch nicht gesehen, das war super», sagt er. Auch den 36-jährigen Elmar Bento überzeugt die Show. «Es war eine sehr schöne Verbindung von Erotik und Entertainment. Schon am Eingang wird man in eine völlig andere Welt entführt.»