Frauenmesse

«Oft limitieren wir Frauen uns selber»

Messemacherin Lisa Chuma: Schon als Kind erlebte sie die Bedeutung weiblicher Netzwerke.

Messemacherin Lisa Chuma: Schon als Kind erlebte sie die Bedeutung weiblicher Netzwerke.

Lisa Chuma aus Simbabwe will anderen Frauen helfen. Deshalb möchte sie Zürich zu einer Plattform machen, die Geschäftsfrauen in Europa verbindet.

Lisa Chuma hat früh gelernt, was es heisst, wenn Frauen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen: Sie war vier, als ihre Mutter sich von ihrem gewalttätigen Mann trennte. Chuma erlebte als Kind, wie die Mutter, die als Krankenschwester arbeitete, sich ein Netzwerk von Freundinnen aufbaute. Nur so habe sie als Alleinerziehende in Simbabwe über die Runden kommen können.

Heute ist Lisa Chuma selbst zweifache Mutter und schwanger mit einem dritten Kind. Die Erfahrungen aus ihrer Kindheit haben viel damit zu tun, warum sie letztes Jahr in Zürich die Frauenmesse lancierte, die am kommenden Sonntag zum zweiten Mal stattfindet: «Ich wurde von einer Mutter aufgezogen, der andere Frauen halfen. Nun will ich auch fähig sein, Frauen zu helfen», sagt die 29-Jährige. Und fügt an: «Ich helfe ihnen, ihren Traum zu verwirklichen und Brotverdiener der Familie zu werden.»

Die Frauenmesse gestaltet sie als Anlass, an dem Geschäftsfrauen untereinander und mit potenziellen Kunden in Kontakt kommen. «Persönliches Marketing ist das beste Marketing», sagt sie. Gerade in Zeiten des Internets sei dies wichtig.

178 weiblich geführte Firmen

Ihr Angebot ist gefragt: Bei der Erstausgabe der eintägigen Frauenmesse vor einem Jahr machten 85 Ausstellerinnen mit. Gut 1000 Besucherinnen und Besucher – grösstenteils Frauen – strömten ins Kongresshaus. Die Zweitausgabe findet nun in der Messe Zürich statt, da dort mehr Stände Platz haben.

Geplant sind 154 Stände, an denen sich 178 weiblich geführte Firmen präsentieren. Bei den meisten handelt es ich um kleine Firmen, die aus ein bis zwei Frauen bestehen. Das Spektrum reicht von Sprachschulen über Rechtsanwältinnen bis hin zu Catering-Services, Designerinnen und Anbieterinnen von Kosmetik. Die Ausstellerinnen kommen aus der ganzen Schweiz. Auch einige Organisationen und Verbände, die sich weiblichem Unternehmertum widmen, sind an der Messe präsent.

Doch was ist eigentlich weibliches Unternehmertum? Und warum braucht es eine Messe speziell für Frauen? Chuma nippt an ihrem Latte macchiato und sagt: «Frauen fühlen sich in der Geschäftswelt manchmal eingeschüchtert von Männern. Wir machen Geschäfte anders: emotionaler.» In einem kompetitiven Umfeld mit Männern sei es daher wichtig, dass Geschäftsfrauen einen Ort hätten, an dem sie Erfahrungen austauschen können. «Wir müssen einfach wir selber sein und uns gegenseitig als Frauen verstehen», fährt Chuma fort. «Oft limitieren wir Frauen uns selber.» Grund dafür sei häufig die Angst davor, dass eine Aufgabe zu gross werde. «Wir sind gut darin, zu rechtfertigen, warum wir etwas nicht tun», so Chuma weiter.

Daher sei es gerade für Geschäftsfrauen wichtig, mit wem sie sich umgeben: «Es liegt so viel Kraft in der Zusammenarbeit. Nicht als Konkurrentinnen, sondern um Werte zu addieren treffen sich Geschäftsfrauen an der Frauenmesse.»

Chumas Vision ist, dass aus der Frauenmesse in Zürich allmählich eine Plattform wird, die Frauen in ganz Europa verbindet.

Arbeiten, wenn die Kinder schlafen

Die Betriebswirtin führt das Unternehmen Frauenmesse als Einpersonenbetrieb. Vor allem nachts, wenn die Kinder im Bett sind, geht sie ihrer Arbeit nach. Die Tatsache, dass ihr Mann, der in der IT-Branche tätig ist, zu Hause arbeite, erleichtere die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Auch Lisa Chuma arbeitet oft zu Hause – nicht nur wenn die Kinder schlafen.

Manchmal nimmt sie ihre knapp fünfjährige Tochter mit an geschäftliche Treffen, wenn diese nicht zu formell sind. «Die Kinder erleben zu Hause, was Arbeit und Konzentration ist. Ich bin froh, ihnen diese Erfahrung geben zu können», sagt Chuma.

Die «Women’s Expo 2014» findet am Sonntag, 25. Mai, von 10 bis 16 Uhr in Halle 9 der Messe Zürich statt. Für Besucher ist der Eintritt frei. Weiter Informationen unter www.womenexpo.ch.

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