Rotlicht-Milieu
Obergericht verurteilt zwei Prostituierte wegen Wuchers

Das Zürcher Obergericht hat am Mittwoch zwei Prostituierte wegen Wuchers schuldig gesprochen. Die Frauen hatten im Rotlicht-Milieu einen britischen Finanzberater mit Kokain gefügig gemacht und ihm in einer einzigen Nacht 20'000 Franken abgenommen.

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Prostituierte bieten sich auf dem Strassenstrich am Sihlquai in Zürich an (Archiv)

Prostituierte bieten sich auf dem Strassenstrich am Sihlquai in Zürich an (Archiv)

Keystone

Das Zürcher Obergericht hat am Mittwoch zwei Prostituierte wegen Wuchers schuldig gesprochen. Die beiden Frauen hatten im Zürcher Rotlicht-Milieu einen britischen Finanzberater mit Kokain gefügig gemacht und ihm in einer einzigen Nacht 20'000 Franken abgenommen.

Der heute 72-jährige Manager aus England hatte sich im Dezember 2010 während einer Geschäftsreise in Zürich aufgehalten und wollte die Nacht in Damenbegleitung verbringen. Er sprach deshalb im Kreis 4 zwei Prostituierte an und einigte sich mit ihnen auf einen Preis von 1000 Franken.

In einem Zimmer gaben die Frauen laut Anklageschrift dem reichen Kunden zwischen den Sexspielen wiederholt Freebase-Pfeifen (konzentriertes Kokain) zum Rauchen ab. Dieser verlor zusehends den Realitätsbezug, was die beiden Prostituierten gezielt ausnutzten.

So brachten sie den Engländer dazu, ihnen immer mehr Geld auszuhändigen. Mehrfach suchten sie mit dem benebelten Opfer einen Bankautomaten auf, um neue Summen abzuheben.

Als die Polizei am nächsten Morgen nach einem anonymen Hinweis die Runde aushob, fanden sie einen völlig verwirrten Geschädigten vor. Er hatte inzwischen den beiden Frauen über 20'000 Franken übergeben.

Tagessätze reduziert

Das Bezirksgericht Zürich hatte die beiden Marokkanerinnen im März 2012 zu bedingten Geldstrafen von je 270 Tagessätzen zu 30 und 40 Franken verurteilt. Zudem stellte es Bussen von 1500 Franken und 1300 Franken aus.

Das Obergericht bestätigte den Schuldspruch wegen Wuchers, reduzierte die Geldstrafe jedoch auf 120 Tagessätze zu 35 und 30 Franken. Zudem verhängte es Bussen von 1500 und 1000 Franken.

Das Gericht ging von einer klaren Einschränkung der Urteilsfähigkeit des Managers aus. Dieser habe am Schluss nicht einmal mehr seinen PIN-Code gewusst und bei der Polizei einen verwirrten Eindruck gemacht.

Die Frauen hätten jedoch unverfroren gehandelt. Nicht nachweisbar sei hingegen die Drogenabgabe. Es sei nicht auszuschliessen, dass der Finanzberater das Kokain selber besorgt habe.