O-Bike ist der neue mobile Veloverleiher in der Stadt Zürich. Quasi über Nacht hat das singapurische Startup vergangenen Freitag 350 orange-graue Fahrräder auf öffentlichen Plätzen installiert. Des einen Leid ist nun des anderen Freud. Das städtische Tiefbauamt ist über die Aktion «not amused». Dagegen beglückwünscht die Stadtsektion der Unabhängigkeitspartei Up die Aktion als «Überlegenheit privater Lösungen». Aber der Reihe nach.

Erst Ende Juni konnte das Tiefbauamt der Stadt Zürich nach einem über zweijährigen Rechtsstreit die Lancierung des Veloverleihs «Züri-Velo» bekannt geben. Im Frühling 2018 sollen rund 150 Stationen von Publibike, einem Tochterunternehmen von Postauto Schweiz, ihren Betrieb aufnehmen. Über den neuen asiatischen Konkurrenten auf dem städtischen Veloverleihmarkt ist man bei der Stadt nun nicht erfreut, weil die Velos ohne Absprache mit der Stadt aufgestellt wurden. Als O-Bike vorgängig wegen einer Partnerschaft bei der Stadt anfragte, ging die Stadt nicht darauf ein. «Darauf konnten wir nicht eingehen, weil wir keine Partner sind, sondern Anbieter des öffentlichen Raumes», sagt Filippo Leutenegger, Stadtrat und Vorsteher des Tiefbauamtes der Stadt Zürich.

Veloverleiher, die ortsunabhängig operieren und die Infrastruktur nicht übermässig beanspruchen, seien sogar willkommen. Aber: «O-Bike beansprucht einige Orte übermässig. Für solchen sogenannten ‹gesteigerten Gemeingebrauch› muss jedes Unternehmen eine Bewilligung beantragen», so Leutenegger weiter. Deshalb sucht die Stadt derzeit das Gespräch mit den Verantwortlichen von O-Bike. Leutenegger sagt: «Trotz mehrmaliger Aufforderung per E-Mail dauerte es fast eine Woche, bis wir erstmals mit Vertretern von O-Bike telefonieren konnten.» Der Stadtrat zeigt sich zuversichtlich, eine gemeinsame Lösung zu finden.

Dagegen sorgt das Angebot von O-Bike bei der Up-Stadtsektion für Lob. «Was bei der Stadt noch Monate dauert, schafft ein Unternehmen innert kürzester Zeit – und erst noch mit innovativeren Ideen», so ihr Kommentar. Als innovativ bezeichnet die Partei, dass das O-Bike-Angebot überall verfügbar sei.

Mobile gegen feste Standorte

Während mit «Züri-Velo» markierte Ausleihstandorte installiert werden, können die Velos von O-Bike mittels App geortet, reserviert und aufgeschlossen werden. Das Startup ist seit Anfang Jahr in Singapur tätig und hat seither Standorte in Taiwan, Australien und Europa eröffnet. Angefangen in Rotterdam, kam die Jungfirma vergangene Woche nach Zürich und hat in der Nacht auf Mittwoch einen weiteren Standort in London eröffnet, wie eine Sprecherin von O-Bike auf Anfrage sagt.

Auch Publibike hat vom singapurischen Anbieter Wind bekommen. Die neue Konkurrenz nimmt sie sportlich. «An unserer Lancierung kommenden Frühling ändert sich nichts», so Katharina Merkle, Sprecherin von Publibike. «Wir haben sehr stabile Velos und E-Bikes und ein feinmaschiges Netz von 150 Stationen. Zudem haben wir vor Ort Mitarbeiter, die sich um die Fahrräder kümmern und dafür sorgen, dass die Velos immer gleichmässig auf die Stationen verteilt sind», so Merkle. Ein weiterer Vorteil sei zudem, dass die Miete eines «Züri-Velos» auch ganz einfach über den Swiss-Pass der SBB abgewickelt werden könne.

Für Abobesitzer ist ein Velo von «Züri-Velo» die erste halbe Stunde gratis. Pro Tag bezahlt man für ein «Züri-Velo» 20 Franken. Etwas höher ist der Preis für ein E-Bike: Das kostet täglich 40 Franken. O-Bike verlangt für eine halbstündigen Miete 1.50 Franken. Ein VIP-Abo ist für 39 Franken erhältlich. Jedoch fordert sie für das Benutzen der Fahrräder eine Kaution von 129 Franken. Diese ist bei «Züri-Velo» hinfällig.