Auf dem heutigen Areal der Kantonsschulen Enge und Freudenberg lag das Zentrum des einstigen Villenquartiers von Zürich-Enge. Das Gelände am Parkring 50 ist im Inventar schützenswerter Gärten und Anlagen von kommunaler Bedeutung der Stadt enthalten. Es bildet mit der Villa dem Schönen am Parkring 30 und der Pergola auf dem Parkgelände eine ruhige Grünfläche in der Grossstadt. Die 25 Meter lange und 12 Meter breite Eisenpergola ist eines der grössten im Kanton Zürich noch erhaltenen Exemplare dieser Art. Und wie sich zeigt, ist über ihre Geschichte nur wenig bekannt.

Die Pergola am Parkring 50 wird als Zeitzeuge der Gartenkunst aus dem 19. Jahrhundert bezeichnet. Mehr noch bezeichnet das Zürcherische Amt für Städtebau die Eisenkonstruktion als «wichtigen Bestandteil des Villenbaus im vorletzten Jahrhundert». Eine Besonderheit stellt der als Rechteck ausgebildete Laubengang dar. Die rechteckige Form bildet um einen Innenhof eine Art Kreuzgang aus.

Über das genaue Baujahr, sowie den verantwortlichen Architekten sind keine gesicherten Angaben vorliegend. Nach Angaben des Zürcherischen Amtes für Städtebau könnte sie im Jahr 1894 geplant worden sein. Zumindest tauchte sie damals als Lokalisierung in einer Wegführung des Situationsplans des Parkrings im Enge Quartier erstmals auf. Es ist das Jahr als der Zürcher Industrielle Arthur Schoeller-Ziesing die damals noch existierende Villa Kann mitsamt dem Nebengebäude erwarb und von den Architekten Chiodera und Tschudy, die auch die Villa Patumbha im Zürcher Kreis 8 konstruierten, umbauen liess.

Auch die Weinreben erhalten

Ebendiese Architekten bauten 1880 die heute verschwundene Villa am Parkring 50 für den Frankfurter Astronomen Ludwig Kann. In den folgenden Jahren erweiterten sie diese um ein Gärtnerhaus im Westen des Areals. 1882 folgte dann der Bau eines Gewächshauses in der Form einer lang gestreckten Glaskonstruktion im östlichen Parkteil. Und 1884 wurde ein kleines Stallgebäude nordwestliche der Villa Kann erbaut. Mit dem Umbau 1894 verlor sie ihren bisherigen Namen und war fortan als Villa Schoeller oder Schoellergut bekannt. Rund zehn Jahre später erfolgten ein weiterer Umbau und die Errichtung eines neuen Wagenschuppens. Der Sohn von Schoeller-Ziesing, späterer Präsident der Eidgenössischen Bank, liess den ursprünglichen Bau dann 1934 für die Neuerrichtung der Villa Schoeller abbrechen. Jedoch folgte auf den bisherigen Villenbau ein eher herrschaftliches Einfamilienhaus. Konstruiert wurde dies vom Architekten Richard von Muralt.

Im vergangenen Jahr nun wurde die rechteckige Eisenkonstruktion vom kantonalen Hochbaudepartement vollständig restauriert. Wegen ihrem Denkmalwert war der Kanton verpflichtet die über 100 Jahre alte Pergola als Inventarobjekt zu unter- und weitestgehend ungeschmälert zu erhalten.

Für die Restaurierung war die vollständige Demontage der Eisenpergola erforderlich. Insgesamt mussten 20 durchgerostete Stützen und Traversen, wie auch die halbrunden Geländerprofile ersetzt werden. Teilweise nicht mehr vorhandene Pergolateile wurden neu angefertigt. Der bestehende Pflanzenbestand aus den ursprünglichen Weinreben wurde ebenfalls ersetzt. Lediglich artfremde Gewächse, wie die im Zentrum gewachsene Eibe, wurde entfernt. Gemäss Angaben des kantonalen Hochbauamtes kostete die Restauration rund 440 000 Franken. Die Pergola ist während der Öffnungszeiten der beiden Kantonsschulen für die Öffentlichkeit zugänglich.

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