Hinter den Kulissen
Nur mittels Fingerabdruck kommt man ins Fifa-Reich

Die goldene Tafel mit dem Emblem des Weltfussballverbandes Fifa in der Mitte des Raumes erstrahlt in herrschaftlichem Glanz. Die az Limmattaler Zeitung hat einen Blick ins «Herz der Fifa» geworfen.

Dean Fuss
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01 Ein riesiger Schriftzug schmückt das Home of Fifa vor dem Eingang
9 Bilder
02 Die Ländernamen aller Mitglieder zieren den Fussweg zum Home of Fifa
03 In der Lobby des Home of Fifa gibt es sogar zwei Wasserbecken
04 Eine Replik des Weltmeisterpokals darf in der Lobby natürlich nicht fehlen
05 Im Auditorium finden die Medienkonferenzen der Fifa statt
Die az Limmattaler Zeitung hat einen Blick ins «Herz der Fifa» geworfen.
07 Die Dolmetscher haben aus ihrer Kabine im Konferenzraum gute Sicht auf die Verhandlungen des Exekutivkomitees im Konferenzraum
08 Das Home of Fifa von aussen
09 Ein Brunnen zu Ehren des Fifa-Präsidenten Joseph Blatter findet sich im Garten des Home of Fifa

01 Ein riesiger Schriftzug schmückt das Home of Fifa vor dem Eingang

Heike Grasser

Es liegt eine andächtige Stille über dem edel ausgestatteten Konferenzraum im «Home of Fifa» (Haus der Fifa) am Zürichberg.

In diesem Raum fällte das Exekutivkomitee des Weltfussballverbandes Anfang Woche den Reformentscheid zur Bekämpfung der Korruption. «Der Konferenzraum ist schon so etwas wie das Herzstück des ‹Home of Fifa›», sagt Pressesprecherin Monika Huser. Sie führt gewandt durch die der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Räumlichkeiten im Fifa-Hauptsitz.

Das von der Schweizer Architektin Tilla Theus entworfene Gebäude ist eine Mischung aus besucherfreundlicher Offenheit und einem geschlossenen Gebäudeteil à la James-Bond-Film. Während die Lobby und der riesige Garten jedermann offen stehen, gibt es bei den Sitzungszimmern und Büroräumen eine Zutrittskontrolle. Diese besteht aus einem Fingerabdruck-Scanner. Entsprechend finden sich Touristen nur in den frei zugänglichen Bereichen. In der Lobby können sich Fussballbegeisterte an einer Nachbildung des WM-Pokals oder an den WM-Ballmodellen seit 1970 ergötzen. Auch der sorgfältig gepflegte Garten hat einiges zu bieten und ist thematisch nach den «Fussballkontinenten» bepflanzt. Ein Blütenhain symbolisiert Asien und eine Savannenlandschaft Afrika, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Luxussessel für Pressekonferenzen

Die Führung startet im Auditorium, das sich über der Lobby befindet. Gähnende Leere herrscht dort, wo sonst rund 180 Journalistinnen und Journalisten aus aller Welt Platz finden. Für sie ist darin bestens gesorgt, sie können sich während der Medienkonferenzen von Fifa-Präsident Joseph Blatter und seinen Kollegen in den luxuriösen und gepolsterten Ledersesseln zurücklehnen.

Obwohl wegen baurechtlicher Auflagen der Stadt Zürich zwei Drittel des «Home of Fifa» - vor allem Garage und Lagerräume - unter der Erdoberfläche liegen, befinden sich alle Büroräume oberirdisch. Dieser Bereich unterscheide sich kaum von einem gewöhnlichen Bürotrakt, wobei das Tageslicht und die Aussicht auf den Garten ein sehr angenehmes Klima schaffen würden, so Huser.

Die Führung geht deshalb unterirdisch weiter. Ein riesiger Lichtschacht vor dem Haupteingang versorgt den Vorraum des Konferenzraums mit Tageslicht. Obwohl man sich gut und gerne zehn Meter unter dem Boden befindet, fühlt man sich nicht eingeengt. Vor dem Eingang des Sitzungszimmers folgt das mittlerweile bereits gewohnte Prozedere: Monika Huser lässt ihren Fingerabdruck scannen - mit einem Klicken öffnet sich das Türschloss.

Als Erstes sticht dem Betrachter der imposante Kristallleuchter ins Auge. Er ist in seiner Form einer Fussballarena nachempfunden und taucht den gesamten Raum in ein angenehmes Licht. In der Mitte der quadratisch angeordneten Sitzplätze bedeckt die goldene Fifa-Tafel den Grundstein des «Home of Fifa». Dieser war 2004 zum 100-Jahr-Jubiläum des Weltfussballverbandes gelegt worden. Der Betonkubus beinhaltet einen überdimensionierten Fussball, in dem Säcke mit Erde aus den Ländern aller Fifa-Verbände lagern. Damit betont die Fifa den Bau am Zürichberg auch symbolisch als «Heimat» des internationalen Fussballs.

Die Kathedrale «Home of Fifa»

Dass die Fifa höchste Ansprüche an den rund 240 Millionen Franken teuren Bau stellte, zeigt unter anderem ein Satz aus der Dokumentation auf der Website der Organisation: Statt Handwerksarbeit sei beim Bau des «Home of Fifa» Handwerkskunst geleistet worden. «So wie früher an den Kathedralen und anderen grossen Bauwerken.» Zum Vergleich mit historischen Kathedralen passt auch, dass im Grundstein neben der Erde aller Fifa-Verbände auch noch weitere Andenken mit fussballerischem Hintergrund «für die Nachwelt» enthalten sind.