PISA
Nur die Tessiner Kinder lesen noch schlechter als die Zürcher

20 Prozent der Zürcher Neuntklässler haben Mühe mit Lesen und Rechnen. Das zeigt die vorgestellte kantonsbezogene Auswertung der PISA-Studie von 2009. Vor allem Kinder mit Migrationshintergrund und schlechten Deutschkenntnissen haben Probleme.

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Der Kanton Zürich schneidet damit in der kantonsbezogenen Auswertung der Bildungsstudie schlechter ab als alle anderen beteiligten Deutschschweizer Kantone. Er liege aber immer noch im schweizerischen Durchschnitt, hiess es am Montag bei der Vorstellung der Auswertung durch die Erziehungsdirektion.

Mehr fremdsprachige Jugendliche

Die schlechten Ergebnisse seien vor allem darauf zurückzuführen, dass 29 Prozent der Schülerinnen und Schüler im Kanton Zürich aus sozial benachteiligten Familien oder solchen mit Migrationshintergrund stammten. Das seien mehr als in jedem anderen Deutschweizer Kanton, sagte Erziehungsdirektorin Regine Aeppli.

Der Anteil fremdsprachiger Jugendlicher in den Zürcher Schulen sei seit der ersten PISA-Studie im Jahr 2000 um 4,3 auf 29,1 Prozent gestiegen. Gleichzeitig erhöhte sich der Anteil der fremdsprachigen Kinder in den Sekundarschulklassen der (leistungsschwächeren) Niveaus B und C um 9,5 auf 43,5 Prozent.

Bei den Ergebnissen in Mathematik und Naturwissenschaften liegen die beteiligten französischsprachigen Kantone (GE, JU, NE, VD) sowie das Tessin noch hinter Zürich. Vor Zürich liegen die Kantone Aargau, Appenzell Ausserrhoden, St. Gallen, Schaffhausen und die deutschsprachigen Teile von Bern, Freiburg und des Wallis. Im Lesen allerdings sind nur noch die Tessiner Schulkinder am Ende der obligatorischen Schulzeit schlechter als ihre die Zürcher Kolleginnen und Kollegen. Die Unterschiede zwischen dem jeweils besten Kanton und Zürich betragen 30 bis 47 Punkte.

Allerdings bleibt Zürich bei allen drei getesteten Bereich nahe am Schweizer Durchschnitt - hier betragen die Unterschiede nur zwischen 10 und 16 Punkten. Auffallend ist laut Urs Moser vom Institut für Bildungsevaluation der Uni Zürich, dass sich die Anteile der schlechten Schülerinnen und Schüler im Kanton Zürich im Lesen und Rechnen in den letzten Jahren erhöht haben.

Neue Massnahmen gefordert

Aus den Ergebnissen, liessen sich zwar keine Rezepte ableiten, aber sie zeigten, «dass die bisherigen Massnahmen längst nicht ausreichend sind», sagte Moser. Dem stimmte Aeppli zu und präsentierte mögliche Massnahmen, um die Abwärtsentwicklung aufzuhalten. So soll geprüft werden, ob Schulassistenzen eingeführt werden könnten. Damit sind Personen gemeint, die bei den Hausaufgaben helfen und die Schulkinder betreuen und begleiten.

Geprüft werden soll auch, ob fremdsprachige Kinder noch zusätzlichen Deutschunterricht bekommen könnten. Dafür müssten sie aber von anderen Fächern dispensiert werden. Die Erziehungsdirektion will auch abklären, ob Schulen mit einem hohen Ausländeranteil nicht vermehrt als Tagesschulen geführt werden könnten, um den Kindern ein besseres Lernumfeld zu geben. (sda)