Immobilien
Nur an den Zürcher Bahnhöfen sind die Ladenflächen voll

Die Mietpreise in der Stadt Zürich für Verkaufsflächen sind unter Druck, denn es gibt mehr leerstehende Ladenflächen. Allerdings variieren die Preise je nach Standort stark: An den besten Lagen läuft das Geschäft nach wie vor gut.

Philipp Lenherr
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Obschon die Mietpreise für Ladenflächen zurückgegangen sind, bleibt Zürich einer der teuersten Standorte des Landes.

Obschon die Mietpreise für Ladenflächen zurückgegangen sind, bleibt Zürich einer der teuersten Standorte des Landes.

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Während langer Zeit gingen die Mietpreise für Ladenflächen in der Stadt Zürich steil nach oben. Um knapp 47 Prozent sind die Preise in den vergangenen zehn Jahren gestiegen, heisst es im aktuellen «Immo-Monitoring» von Wüest Partner. Doch der Trend scheint gebrochen: Von Mitte 2016 bis Mitte 2017 verzeichnet der Bericht ein Minus von über fünf Prozent. Ein ebenso deutliches Signal enthält eine aktuelle Statistik der Stadt Zürich: Sie hält die Zunahme der leerstehenden Verkaufsflächen von 3000 auf 10'000 Quadratmeter innert Jahresfrist für «bemerkenswert».

Es gibt eine Einschränkung: «Innerhalb der Stadt ist die lokale Situation sehr unterschiedlich», sagt Robert Weinert, Leiter Immo-Monitoring bei Wüest Partner. An besten Lagen wie dem Hauptbahnhof sowie in der Nähe der Bahnhöfe Stadelhofen und Oerlikon sorge anhaltend hohe Nachfrage für hohe Preise und verhindere Leerstände. «Die Leute kaufen vermehrt auf dem Arbeitsweg ein, das sorgt an solchen Lagen für sehr hohe Kundenfrequenzen.» Umgekehrt formuliert: Je weiter die Ladenflächen von solchen Hotspots entfernt liegen, desto eher geraten sie unter Druck, und desto mehr leiden die dort situierten Geschäfte unter den bekannten Problemen des Detailhandels. Weinert: «Die grössten Herausforderungen für den Detailhandel bleiben E-Commerce und der mit der Frankenstärke verbundene Einkaufstourismus». Innerhalb der Stadt komme die Konkurrenz dazu, die durch neue Ladenflächen an bester Lage entstehe, beispielsweise an der Europaallee.

Pessimistische Prognose

Weinerts Prognose fällt dementsprechend pessimistisch aus: Die Angebotsmieten für Ladenflächen in der Stadt Zürich würden im kommenden Jahr um weitere 2,5 Prozent sinken. Im Schweizer Durchschnitt werde ein noch deutlicheres Minus von 3,1 Prozent erwartet. Diese rückläufige Tendenz kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Zürich einer der teuersten Standorte der Schweiz ist und wahrscheinlich auch bleibt: Der Spitzenmietpreis pro Quadratmeter Verkaufsfläche und Jahr liegt bei 8800 Franken. Auf Platz 2 folgt Genf mit 5200 Franken. Auch die durchschnittlichen Mietpreise für Geschäftsflächen in Zürich sind hoch.

Büropreise bleiben stabil

Besser als bei den Verkaufsflächen zeigt sich die Entwicklung bei den Büroräumlichkeiten. Laut Immo-Monitoring waren im zweiten Quartal 2017 rund ein Prozent mehr Büroflächen zur Vermietung ausgeschrieben als vor einem Jahr. «Die Entwicklung ist jedoch nicht dramatisch, wenn man davon ausgeht, dass das Beschäftigungswachstum etwa gleich hoch bleibt», sagt Weinert. Auch bei den Büros gibt es ähnlich grosse lokale Unterschiede wie bei den Ladenflächen, aber nicht unbedingt dort, wo man sie erwarten würde. Auffällig ist beispielsweise, dass die Spitzenmieten für Büroflächen in der Zürcher Innenstadt in den vergangenen zehn Jahren um über 17 Prozent gesunken sind. «Das hat unter anderem mit der Verlagerung von Arbeitsplätzen der Banken aus der Innenstadt an etwas weniger zentrale Standorte wie Altstetten oder Oerlikon zu tun», sagt Weinert.

In der Agglomeration ist der Büroflächenmarkt aufgrund reger Bautätigkeit ebenfalls in Bewegung: Im Glattal und im Furttal beispielsweise gibt es laut Weinert sehr hohe Angebotsquoten. Auch in der Flughafenregion würden etwas höhere Leerstände verzeichnet. An den besten Adressen der Innenstadt bleiben auch die Büropreise hoch: Ein Preiszerfall im Gebiet Bahnhofstrasse und Paradeplatz sei nicht zu erwarten.