Erst drei Tage ist es her, als die Zürcher Staatsanwaltschaft Anklage gegen Iris Ritzmann, der entlassenen Titularprofessorin der Universität Zürich, erhob. Während das Verfahren gegen Ehemann Eberhard Wolff eingestellt wurde, wird der Medizinhistorikerin vorgeworfen, vertrauliche Informationen einem Journalisten des „Tages-Anzeiger" zugespielt und damit das Amtsgeheimnis mehrfach verletzt zu haben.

Nun reagiert Franz Ritzmann, der Vater der Angeklagten, mit einem offenen Schreiben, das er an rund 25 Medienunternehmen zur Publikation versendet hat, wie er auf Anfrage der „Nordwestschweiz" mitteilt. Darin kritisiert er die „billige Entsorgung" der Äffäre Mörgeli als „universitären Skandal" und verzichtet aus Protest gegen die Anklage seiner Tochter auf seinen Titel als Honorarprofessor an der Universität Zürich. Es sei ihm „unerträglich, weiterhin Kollege eines Mörgeli sein zu müssen".

Strafanzeigen gegen acht Akteure

Mit seinem Protestschreiben verfolgt der emeritierte Wirtschaftsprofessor auch die Erfüllung einer Reihe von Forderungen, die er in seinem Blog veröffentlicht hat. So fordert Ritzmann den sofortigen Freispruch für seine Tochter und ihre Wiederanstellung am Universitätsbetrieb. Auch erneuert er Strafanzeigen gegen acht Akteure in der „Causa Mörgeli", die er im November letzten Jahres zurückgezogen hatte. Neben Christoph Mörgeli unter anderem auch gegen den ehemaligen Rektor Andreas Fischer wegen Amtsmissbrauch, Beihilfe zur Nötigung von Iris Ritzmann und deren „illegalen Kündigung" sowie gegen Staatsanwalt Andrej Gnehm wegen „grausamer Verhaftung" der Eheleute Ritzmann/Wolff, Erpressung und Verschleppung des Verfahrens.

Dass sein Protestschreiben Wirkung zeigt, bezweifelt Franz Ritzmann: „Ich denke nicht, dass meine Forderungen erfüllt werden. Ich hoffe aber, die öffentliche Diskussion anzuregen und einen Einfluss auf den Prozess gegen meine Tochter auszuüben." Diese ist indes alles andere als begeistert von der öffentlichen Polemik ihres Vaters, wie der emeritierte Professor zugibt: „Das alles ist nicht im Sinne meiner Tochter. Ich handle nach eigenem Ermessen."