Essen
Noch zehn Tage Crowdfunding: Das Geschäft mit dem Gemüse zweiter Klasse läuft

Zwischen 700 und 800 Kilogramm: So viel Gemüse zweiter Klasse verkauft Dominik Wasser vom Verein Grassrooted wöchentlich am Markt im Zürcher Hauptbahnhof.

Lina Giusto
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Zwar nicht perfekt in Form, Grösse und Aussehen, dafür aber im Geschmack einwandfrei: Gemüse, das der Verein Grassrooted zwei Mal wöchentlich auf dem Markt vertreibt und damit vor der Biogasanlage rettet.

Zwar nicht perfekt in Form, Grösse und Aussehen, dafür aber im Geschmack einwandfrei: Gemüse, das der Verein Grassrooted zwei Mal wöchentlich auf dem Markt vertreibt und damit vor der Biogasanlage rettet.

ZVG

Mit Gemüse zweiter Klasse sind jene Lebensmittel gemeint, die es aufgrund ihres unförmigen Aussehens, ihrer Grösse und Farbe nicht ins Regal der Lebensmittelhändler schaffen, sondern in der Biogastonne landen. Was nach einem Markttag nicht wegkommt, übernimmt das nachhaltige Gastro-Catering «Zum guten Heinrich».

«Meist handelt es sich um kleine Mengen, etwa 10 Kilogramm Karotten oder so», sagt Waser. Dass der Verein das Gemüse am Ende des Tages weitergeben kann sei wichtig, da sie noch keinen geeigneten Lagerraum finden konnten.

Der Verein hat es sich zum Ziel gesetzt zweitklassiges aber qualitativ einwandfreies Essen zu retten und in den Lebensmittelkreislauf zurückzubringen. Für Schlagzeilen sorgten die Köpfe hinter Grassrooted Ende Juni, als sie insgesamt 28 Tonnen Biorispentomaten innerhalb von wenigen Tagen in Bern und Zürich verkauften.

Eine weitere Foodsaving-Aktion folgte sogleich. Ende Juli hat der Verein einem Bauern aus der Region Zürich Hunderte von Kilogramm Brom- und Himbeeren abgenommen. «Daraus wurden unzählige Gläser Konfitüre und vieles mehr gemacht», sagt Waser.

Weil die Aktionen auf solch grosse Resonanz stiessen, nahmen die Permakultur-Vertreter gleich das nächste Projekt in Angriff. «Permanente Kultur heisst für uns ein Zusammenleben in einer sozial, ökonomisch und ökologisch nachhaltigen Gesellschaft», so Waser. Und weil es ohne soziales Engagement nicht geht, hat der Verein neben dem am Donnerstag und Freitag geöffneten Marktstand im Zürcher Hauptbahnhof auf der Plattform

100-days.net Mitte August ein Crowdfunding angestossen. Benötigt werden insgesamt 38 000 Franken, damit sich Grassrooted einen Lieferwagen für den Transport des Gemüses sowie eine Lagerhalle für dessen Kühlung leisten und den Betrieb einer Verarbeitungsküche finanzieren kann.

Für den Winter rüsten

Die Spendenaktion läuft nun noch acht Tage. Etwas über 75 Prozent des benötigten Geldes sind bereits zusammengekommen. Waser war von der Resonanz aus der Bevölkerung überwältigt: «Die erste Finanzierungsetappe haben wir in einem Tag erreicht.» Mit den ersten 10 000 Franken habe man dann sogleich einen Lieferwagen angeschafft.

Nicht ganz so einfach läuft die Suche einer geeigneten Lagerhalle, obwohl auch die zweite Etappe der Spendenaktion bereits erreicht wurde. «Es ist schwierig, etwas Geeignetes an halbwegs zentraler Lage zu finden», sagt Waser. Der Verein befinde sich im Austausch mit den Leuten vom Bachsermärt im Kreis 3 und vom Foifi, einem Lebensmittelgeschäft aus dem gleichnamigen Stadtkreis, das gänzlich auf Verpackungsmaterial verzichtet. «Einen Raum teilen zu können, wäre natürlich ideal», so Waser.

Die zeitliche Kapazität für die Raumsuche sei aber beschränkt: «Wir benötigen viel Zeit für das Transportieren und Verarbeiten des Gemüses», sagt Waser. Denn neben frischem Gemüse und Obst fange man nun an, sich für den bevorstehenden Weihnachtsmarkt zu rüsten. Für das Einkochen und Einmachen kann der Verein die Küche eines Restaurants während seinen Ruhetagen nutzen.

Dass die Resonanz der Bevölkerung auf das Projekt so gross ist, liegt laut Waser nicht nur am prominenten Platz des Marktes, an dem täglich Tausende vorbeigehen: «Die Leute sind bereit, auf unnötige Lebensmittelverschwendung zu verzichten.»Dies zeige sich auch darin, dass sie keine Verpackung für das verkaufte Gemüse anböten: «Die meisten Kunden haben bereits eine Stofftasche oder eine Plastiktüte für den Einkauf dabei und stören sich nicht daran», so Wasers Erfahrung.

Auch deshalb wird der Verein seine Vision von einer Schweiz, in der die gesamte Ernte verwertet respektive haltbar gemacht werden kann, weiter verfolgen.