Kindsmisshandlung
Noch nie so viele Fälle von Kindsmisshandlung

Noch nie hat das Kinderspital Zürich so viele Fälle von Kindsmisshandlung registriert, seit es 1969 mit der Datenerhebung begann. 487 Fälle wurden 2010 gemeldet. Bei 348 bestätigte sich der Verdacht. Nun gibt es einen Ärzte-Leitfaden zu Früherfassung und Vorgehen.

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Kindmisshandlungen nehmen zu. (Symbolbild)

Kindmisshandlungen nehmen zu. (Symbolbild)

Keystone

Die Gesamtzahl von 487 Fällen von Kindsmisshandlung beziehungsweise Verdacht darauf lag um 16 Prozent höher als jene von 2009, wie die Kinderschutzgruppe und Opferberatungsstelle des Kinderspitals Zürich am Donnerstag mitteilte. Sicher als Misshandlung erkannt wurden 348 gemeldete Fälle - eine Zunahme um 24 Prozent.

Am grössten war der Anstieg in Bezug auf sexuell ausgebeutete Mädchen. Waren der Kinderschutzgruppe 2009 57 Fälle bekannt geworden, so stieg diese Zahl im Berichtsjahr auf 87 an - eine Zunahme um 52 Prozent. Minderjährige machten 33 Prozent der Täter aus (2009: 35 Prozent).

Von 24 auf 45 stark zugenommen haben auch die Risiko-Fälle, also jene Familien, wo eine Kindsmisshandlung in naher Zukunft absehbar ist. Dies etwa bei Schreibabys, mit denen die Eltern nicht zurecht kommen und die Kontrolle zu verlieren drohen. Aber auch bei Eltern, die selbst aufgrund von Krankheit und/oder Sucht mit ihren Kindern überfordert sind.

In jedem dritten Fall sexuelle Ausbeutung

Die Statistik der Kinderschutzgruppe zeigt, dass es in jedem dritten Fall um sexuelle Ausbeutung geht (33 Prozent). Annähernd den gleich grossen Anteil nehmen mit 30 Prozent körperliche Misshandlungen ein. 17 Prozent machen psychische Misshandlungen aus, 10 Prozent sind als Vernachlässigung eingestuft. Bei 9,5 Prozent wurde ein Risiko erkannt.

Die seltene Erkrankung eines Elternteils mit dem so genannten Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom macht zwar nur 0,5 Prozent aus. Diese seltene Form der Misshandlung ist schwer zu erkennen und nachzuweisen. Die Betroffenen fügen ihren Kindern heimlich Schaden zu, um sie dann fürsorglich und aufopfernd zu umsorgen und so Aufmerksamkeit und Anerkennung zu erlangen.

Um Prävention und Früherfassung von Kindsmisshandlungen zu fördern, hat der Leiter der Kinderschutzgruppe, Ulrich Lips, nun einen Leitfaden für Ärzte zusammengestellt. Er zeigt, wie ein Arzt oder eine Ärztin bei einem Verdacht am besten vorgehen soll. Verteilt wird der von der Stiftung Kinderschutz herausgegebene Leitfaden laut Mitteilung in der ersten Hälfte 2011.

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