Zürich-Schwamendingen
Noch immer gibt es keine Baubewilligung für den Ueberlandpark

Seit fast 30 Jahren sind in Zürich-Schwamendingen Bemühungen im Gange, das durch eine Stadtautobahn geteilte Quartier durch eine Strassenüberdeckung wieder zu verbinden. Bis die Bagger auffahren, könnten nochmals Jahre vergehen.

Andreas Heer, sda
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Projekt-Skizze der Einhausung Schwamendingen.

Projekt-Skizze der Einhausung Schwamendingen.

Zur Verfügung gestellt

"Ich glaube nicht mehr daran, dass die Einhausung überhaupt kommt", sagt Statthalter Hartmuth Attenhofer, der sich als SP-Kantonsrat im letzten Jahrzehnt für das Projekt engagiert hat.

"Wir sind bereit", betont dagegen Karin Unkrig, Sprecherin des Bundesamtes für Strassen (ASTRA). Dieses soll das knapp 400 Millionen Franken teure Projekt als Bauherr realisieren. Es fehle nur noch eine rechtsgültige Plangenehmigungsverfügung des eidgenössischen Verkehrsdepartements UVEK.

Fertiggestellt wird das 940 Meter lange, 30 Meter breite und 7 Meter hohe Bauwerk zwischen dem Autobahnkreuz Aubrugg und dem Schöneichtunnel frühestens 2022.

Laut ASTRA ist es "ein in der Schweiz einzigartiger Nutzbau", auf dessen Dach ein durchgehender Grün- und Freiraum für die Quartierbevölkerung entstehen soll.

Er soll nicht nur die zwei Teile des dichtbesiedelten Quartiers verbinden, sondern auch die Bevölkerung vom Lärm und Gestank von täglich durchschnttlich 110'000 Autos entlasten. Etwa 5000 Personen sind entlang des Autobahnabschnitts vom Verkehrslärm betroffen.

Ursprünglich Glashülle vorgesehen

Im Laufe der Jahre hat sich das Einhausungsprojekt immer wieder verändert. In einer 1999 eingereichten kantonalen Volksinitiative wurde eine etwa 900 Meter lange Glas-/Stahlkonstruktion um die sechsspurige Autobahn vorgeschlagen. Damals ging es gemäss Attenhofer darum, eine möglichst kostengünstige Lösung zu finden.

Die Baufachleute entwickelten dann eine Variante, die der Quartierbevölkerung viel besser gefiel: Eine mit Erdreich überdeckte Beton-Einhausung mit einem Park auf dem Dach und begrünte Böschungen auf der Seite. Sie hätte eine echte Quartierverbindung gebracht.

Im aktuellen Projekt wurden die Böschungen aus Platzgründen gestrichen. Entlang der Strasse der nun über 7 Meter hohe Betonwände vorgesehen. An einigen Stellen sollen Rampen, Treppen und Lifte für den Zugang zur Parkanlage auf dem Dach sorgen.

Budgetrahmen unverändert 393 Millionen Franken

Vor zwei Jahren hatte das ASTRA mitgeteilt, das Projekt sei "punktuell gezielt weiterentwickelt und verbessert" worden, was ergänzende öffentliche Auflage nötig gemacht habe. Die geplanten Kosten und der Terminplan haben sich laut ASTRA-Sprecherin Karin Unkrig seither nicht geändert.

Der Budgetrahmen beträgt unverändert 393 Millionen Franken. Die Hauptarbeiten könnten 2017 in Angriff genommen werden, in den zwei Jahren zuvor seien Vorbereitungsarbeiten möglich, so Unkrig.

Archäologische Grabungen

Nächsten Dienstag beginnt die Zürcher Kantonsarchäologie im Auftrag des ASTRA mit Sondierungsgrabungen an verschiedenen Standorten. Sie soll klären, ob weitere Massnahmen nötig sind. Allenfalls muss bei der Einrichtung des vorübergehenden Installationsplatzes für die Bauarbeiten auf archäologisch interessante Überreste früherer Zeiten im Boden Rücksicht genommen werden.

Der Kanton Zürich hatte damit gerechnet, dass die Plangenehmigung des UVEK, also quasi die Baubewilligung, bis in diesem Sommer vorliegt. Weil dem nicht so ist, hat die kantonale Baudirektion die für das Gebiet der Einhausung festgesetzte Planungszone um zwei Jahre bis August 2016 verlängert, wie dem letzten kantonalen Amtsblatt zu entnehmen ist.

Zum Stand des Verfahrens zur Plangenehmigung wollte das UVEK auf Anfrage keine Angaben machen. Nur soviel: Die am Verfahren beteiligten Personen können die Verfügung dann noch beim Bundesverwaltungsgericht anfechten.

Attenhofer: Bewusste Verzögerung

Der frühere Kantonsratspräsident Hartmuth Attenhofer glaubt, dass "gewisse Leute in Bern" das Projekt bewusst verzögerten. Das Geld von Stadt, Kanton und Bund sei zwar bewilligt, doch irgendwann werde dann wohl festgestellt, dass es nicht reiche und neue Kredite notwendig würden. So könne der Bau dann schliesslich doch noch scheitern.

Und viele Anwohner, die sich vor zehn Jahren stark für die Strassenüberdeckung engagiert hätten, seien wohl inzwischen weggezogen oder hätten ihre Interessen verlagert. Dadurch sei der Druck aus dem Quartier gesunken. "Ich bin erstaunt, wie still es geworden ist", sagt Attenhofer. Er meint damit allerdings nicht den Verkehrslärm.

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