Ginge es nach ihm und seiner Partei, würde er im Kanton schon bald mitregieren.

Die Chance, dass es dazu kommen wird, ist minim. Der 44-jährige Gugger hat zwölf Jahre im Winterthurer Gemeinderat gewirkt. 2010 wählten ihn die Winterthurer in den Stadtrat, er schied aber überzählig aus. In Winterthur gut verankert, ist er im übrigen Kanton wenig bekannt. Vor fünf Monaten ist er in den Zürcher Kantonsrat nachgerutscht. Dort ist der EVP-Politiker in der kurzen Zeit noch nicht aufgefallen.

Als die EVP seine Kandidatur lancierte, erweckte Gugger kurz Aufmerksamkeit. Gefragt, wo er zum Beispiel als Bildungsdirektor sparen würde, nannte er die Löhne, explizit jene der Fachlehrkräfte. EVP-Geschäftsführer ¬Peter Reinhard, er ist gleichzeitig Präsident der Vereinigten Personalverbände des Kantons Zürich, fand keinen Gefallen an dieser Aus¬sage. Die Parteileitung bezeichnete Gugger als «ungeschliffenen Diamanten». Dieser konterte flugs, dass die «Silberrücken» in der Partei in einigen Fragen eben ¬eine andere Meinung hätten.

Doch wer ist dieser Nik Gugger? Ein Mensch, der es versteht, Werbung in eigener Sache zu machen. Das zeigt sich schon kurz nach Beginn des Treffens im Restaurant Concordia, zu dem er auf dem Fahrrad und gerade noch pünktlich erscheint. Kaum hat er den Journalisten begrüsst, will er ihm scherzhaft schon einen Stapel Flyer in die Hand drücken.

In der guten Stube des Concordia fällt die imposante Schinken-Schneidmaschine der Marke Berkel auf, der Rolls-Royce unter den Schneidmaschinen. Der EVP-Politiker outet sich als Fan. «Statt eines Sportwagens besitze ich diese Maschine», sagt er schmunzelnd. Die Atmosphäre ist gemütlich. Der Gastgeber serviert zunächst einen Espresso. Stolz holt er sodann eine Handvoll seines ¬eigens kreierten Werbemittels hervor: ein Zuckerstick mit der Aufschrift «Jetzt Nik ...». Sie sind in leuchtend Gelb und Blau, den Farben der EVP, gehalten.

Gugger und die Farben sind ein Thema für sich. Im letzten Sommer rauschten Geschichten über sein orangefarben gestrichenes Haus Concordia durch den Blätterwald. Der Politiker freut sich, dass die Zustimmung zur gewagten Farbe in der Online-Umfrage des «Landboten» bei weit über ¬80 Prozent lag. «Farbe ist mein Leben», sagt er. Es gebe mehr ¬als schwarz-weiss. Orange drücke Lebensfreude aus. Er habe Mut zur Farbe bewiesen.

Der Mut, etwas zu tun, scheint Gugger anzutreiben. Mutig war seine Arbeit als Schulsozialarbeiter in Winterthur, in einer Zeit, als noch niemand von Schulsozialarbeit sprach. Mutig der Schritt vom Sozialarbeiter zum Sozialunternehmer. Mit der Fabrikkirche bezieht er nicht nur Geld von der Kirchgemeinde, sondern er generiert Jobs für Randständige. Der Mut beginnt bereits im Kleinen. Etwa bei den Zuckersticks. «Da hatte der Gugger den Mut, 40 000 zu produzieren. Dabei wusste er gar nicht, ob er sie überhaupt losbringt», sagt der EVP-Kandidat und offenbart eine etwas schrullige Angewohnheit. Er spricht von sich gerne in der dritten Person. Wenn Gugger sagt, er sei bereit zu gestalten, ¬zu prägen und zu führen, wenn ¬er von «Fördern, Formen, Fordern» spricht, dann tönt das wie aus einem Management-Seminar. Gugger, der Schlagwortapparat, könnten böse Zungen behaupten.

Gugger sieht sich als Menschenfreund, der die Tischgemeinschaft schätzt. Das grösste Lob ist für ihn, dass seine Frau nach über 20 Jahren sagte: «Ich würde dich morgen sofort wieder heiraten.» Er schätze es, wenn er als verlässlicher Partner gesehen werde. Auf dem politischen Parkett scheint gerade dies umstritten. Daniel Oswald, der Fraktionschef der SVP im grossen Gemeinderat Winterthur, sagt: «Gugger lehnte sich einmal bei einer bürgerlichen, ein andermal bei einer linken Partei an. Ob er opportunistisch ist oder ob es ihm an politischen Zielen mangelt, kann ich nicht beurteilen.»

Ein positives Bild des Kandidaten vermittelt Silvio Stierli. Als Fraktionschef der SP kennt auch er Gugger aus dem Winterthurer Gemeinderat. Stierli engagiert sich im Unterstützungskomitee des EVP-Kandidaten. Ihm sei wichtig, dass auch die Mitteparteien im Regierungsrat vertreten seien. «Gugger ist ein Brückenbauer, der konstruktiv politisiert und sich durch strategisches Denken und Weitsicht auszeichnet.»

Den Wählern präsentiert sich Gugger als blockunabhängig. «Es braucht Familienväter im Gremium, die bereit sind, Bildungs-, Sozialpolitik, Ökologie und Ökonomie unter einen Hut zu bringen.» Als Regierungsrat würde ¬er versuchen, den Menschen die kantonale Politik näherzubringen.

Nahbarer wird der Winterthurer, wenn er sagt: «Ich bin kein Strahlemann. Ich kenne auch die Schattenseiten des Lebens.» 2012 hat er sich vor dem zweiten Wahlgang für den Winterthurer Stadtrat zurückgezogen. Sein zweijähriger Sohn war krank und brauchte eine Herzoperation. Der Vater verbrachte Wochen im Kinderspital. «Diese Zeit hat die Familie zusammen¬geschweisst und geprägt», sagt Gugger und: «Der Entscheid zum Rückzug war ein einsamer. Aber der einzig Richtige.» Er sei nicht der Typ, der mit dem Schicksal hadere. «Man muss sagen können, es ist gut so, wie es ist.»