Zürich
Niemand will Schuld sein am Niedergang des Niederdorfs

Immer mehr Gewerbe verlassen das Niederdorf, weil der Standort nicht mehr rentabel ist. Die Verantwortlichen behaupten, sie würden alles in ihrer Macht stehende tun, um das "Dörfli" wieder aufleben zu lassen.

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Das Niederdorf durchlebt schwere Zeiten: Ausbleibende Kunden und horrende Mieten treiben den Gewerblern die Sorgenfalten auf die Stirn. Peter Rothenhäusler, Präsident des Quartiervereins "Zürich 1 rechts der Limmat" hat sich in seiner Kritik an die Stadt Zürich gewandt, welche verantwortlich sei, das "Dörfli" wieder in einen Hotspot für Ausgang und Shopping zu verwandeln. "Zürich müsste seine Läden und Liegenschaften zu attraktiven Preisen vermieten, sodass junge, innovative Unternehmen angezogen werden", sagte er.

Hingegen behauptet die Stadt, alles in ihrer Macht stehende bereits zu tun. So erklärt Kuno Gurtner, Sprecher der Liegenschaftsverwaltung Zürich, gegenüber "TeleZüri": "Die Stadt besitzt durchaus Spielraum, sie muss nicht aus jeder ihrer Liegenschaften den Maximalbetrag herausholen." Dies werde insbesondere zugunsten von Geschäften und Mietern genutzt, welche weniger umsatzstark seien oder eine längere Anlaufzeit benötigen. Aktuell würden allerdings gar keine Liegenschaften im Niederdorf leerstehen, welche im Besitz der Stadt sind.

Gewerbler legen selbst Hand an

Neben den horrenden Mieten sind die ausbleibenden Kunden ebenfalls ein Problem, wofür Rothenhäusler Zürich Tourismus verantwortlich macht. Das Destinationsmarketing müsse sich mehr auf die Bewerbung der attraktiven Altstadt konzentrieren, so der Präsident des Quartiervereins. Doch auch die wollen nicht Schuld sein am sinkenden Interesse. "Wir machen genug Werbung fürs Niederdorf", lassen sie gemäss "TeleZüri" in einer knappen Stellungnahme verlauten.

Um das "Dörfli" wieder aufblühen zu lassen, versuchen die Gewerbler selbst Hand anzulegen, zum Beispiel, in dem sie ihren Ladenmix fördern. So erklärt Christian Brugger, Präsident der Geschäftsvereinigung Limmatquai Dörfli: "Mit einzelnen Liegenschaftenbesitzer, welche wir persönlich kennen, schauen wir gemeinsam, dass diese auch Mieter haben, die für das Niederdorf einen Nutzen haben."

Häufig sind ihnen jedoch die Hände gebunden, denn es gebe auch viele Liegenschaftsbesitzer, welche ihnen fremd seien. In solchen Fällen sei es schwierig, etwas zu erreichen. Allerdings gebe es in dieser bedrückenden Situation auch positive Signale: In Kürze zieht ein Denner im Niederdorf ein.