Kantonsrat Zürich
«Nicht nur Freiheiten, sondern auch Pflichten» - Künstler müssen auch in Zukunft selber fürs Alter vorsorgen

Selbstständige Kulturschaffende aus dem Kanton Zürich müssen sich auch in Zukunft selber um ihre Altersvorsorge kümmern. Der Kantonsrat hat es am Montag mit 118 zu 54 Stimmen abgelehnt, dass der Staat einen Teil ihrer Vorsorge übernimmt. Gefordert hatte dies die SP mit einer Motion.

Merken
Drucken
Teilen
Die Pflicht, für die Altersversorgung aufzukommen, schliesst auch selbstständige Künstler nicht aus. (Symbolbild)

Die Pflicht, für die Altersversorgung aufzukommen, schliesst auch selbstständige Künstler nicht aus. (Symbolbild)

"Kulturschaffende sind zwar selbstständig, aber selten erwerbend", fasste SP-Kantonsrat Andrew Katumba (Zürich) das Problem vieler selbstständigerwerbender Künstler zusammen. Oft reiche das Geld nicht, um in die Pensionkasse oder die dritte Säule einzuzahlen. Da nütze es auch nichts, auf Eigenverantwortung zu pochen.

Im Alter seien Künstler oft auf Ergänzungsleistungen angewiesen. Katumba forderte deshalb, dass der Staat einen Teil der Vorsorge übernimmt. Zahlen müsse der Staat ja so oder so, entweder früher oder später in Form von Ergänzungsleistungen.

Ausser auf der linksgrünen Ratsseite und bei der EVP erntete der Vorstoss allerdings bei allen Fraktionen ein Nein. Als Selbstständiger habe man nicht nur Freiheiten, sondern auch Pflichten, sagte Sabine Wettstein (FDP, Uster). Das gelte auch für Künstler.

Gemäss FDP wäre es aber eine Möglichkeit, dass die Vergabe von öffentlichen Geldern oder Aufträgen davon abhängig gemacht werden könnte, ob der Künstler fürs Alter vorsorgt.

Auch ein Gärtner muss vorsorgen

Die BDP wiederum befürchtete eine Bevorzugung der Künstler, wenn der Staat ihnen einen Teil der Vorsorge bezahlen würde. "Ein Gärtner muss für seine Vorsorge schliesslich auch aufkommen."

Die EDU formulierte es ganz direkt. "Wenn ich mir den Luxus brotloser Kunst erlaube, dann muss ich mir halt einen Sponsor suchen, oder eine hauptberufliche Tätigkeit, von der ich leben kann", sagte der Landwirt Hans Egli (Steinmaur). Am Schluss müsse man doch irgendwie nachfrageorientiert produzieren.

Nationale Lösung in Arbeit

Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) lehnte den Vorstoss ebenfalls ab. Allerdings nicht aus inhaltlichen Gründen, sondern weil das Problem auf nationaler Ebene bereits erkannt ist. Es werde von den Kantonen gegenwärtig abgeklärt, wie die soziale Sicherheit für Kulturschaffende verbessert werden könne.

Im Zuge der Rentenreform soll zudem eine Lösung für alle Selbstständigen gefunden werden, egal ob diese als Künstler arbeiten oder Gärten pflegen. Weil das Problem national bereits erkannt ist, sagte auch die AL nein zum SP-Vorstoss.