Dietikon
Nicht mehr im Limmattal: Die Hanfmesse dampft nach Oerlikon ab

Die Cannatrade, die drei Mal in der Stadthalle gastierte, sagt dem Limmattal adieu. Nächstes Jahr schlägt sie ihre Zelte in der Stadt Zürich auf.

Sophie Rüesch
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2018 findet die internationale Hanfmesse Cannatrade in der Halle 622 in Oerlikon statt. (Symbolbild)

2018 findet die internationale Hanfmesse Cannatrade in der Halle 622 in Oerlikon statt. (Symbolbild)

LUKAS LEHMANN

Die Hanffreunde ziehen weiter: 2018 findet die internationale Hanfmesse Cannatrade in der Halle 622 in Oerlikon statt. Laut Messeleiter Ben Arn erfolge der Wechsel vor allem aus Platzgründen. Bei der letzten Durchführung in Dietikon vor einem Jahr wurden 120 Aussteller gezählt. «Und wir gehen davon aus, dass es nächstes Jahr noch einmal mehr sein werden», sagt Arn. Dies nicht zuletzt, weil das Thema seit dem Aufkommen des legalen Cannabis CBD einen regelrechten Boom erfahren habe. Auch die Besucherzahlen sind gestiegen, zuletzt waren es über 7500.

Die Veranstalter wollten die Messe zudem an einem zentraleren Ort durchführen. Zwar hatten sie in den vergangenen Jahren auch an der Dietiker Stadthalle stets die gute Lage gelobt. Doch mit der Halle direkt hinter dem Bahnhof Oerlikon konnte sie nicht mithalten. Läuft 2018 alles rund, stünden die Chancen gut, dass man auch in Zukunft in der Eventhalle in Oerlikon gastiert.

In Dietikon habe man sich aber immer sehr wohlgefühlt, sagt Arn. Von den Vermietern, den Behörden und der lokalen Wirtschaft sei man wohlwollend empfangen worden. Von der Messe hätten letztere auch profitieren können – «von den Taxis über den lokalen Beck bis hin zu den Hotels, die während der Messetage immer so gut wie ausgebucht waren», sagt Arn.
Als die Cannatrade 2012 zum ersten Mal in Dietikon stattfand, sorgte sie für Aufsehen. So führte sie etwa Gemeinderat Martin Romer (damals FDP, heute parteilos) in einem Vorstoss als Negativbeispiel für die Vermietungspraxis der Stadthalle an. Die Vereinigung «Eltern ohne Drogen», welche die Messe seit ihren Anfängen im Jahr 2001 bekämpft hatte, verlangte vom Stadtrat in einem offenen Brief, die Durchführung in Dietikon zu verhindern.

«Nicht unglücklich» über Wegzug

Doch der Stadtrat stand zur Messe. Zwar hatte Stadtrat Roger Brunner (SVP), der zusammen mit seinem Kollegen Heinz Illi (EVP) im Vorstand der Stadthallengenossenschaft die Stadt vertritt, damals eingeräumt, dass er zuerst alarmiert gewesen sei, als er von der Anfrage der Messenorganisatoren hörte. Bis er erfahren hatte, dass dort nur legale Ware verkauft wird: etwa Geräte und Anleitungen für die Hanfzucht, Raucherutensilien oder Esswaren und Kleidungsstücke aus oder mit Hanf.

Sicherheitsvorstand Heinz Illi zeigt aber bis heute Verständnis für die Kritik: «Auch wenn man dort nichts Illegales kaufen kann: Es ist nicht wegzureden, dass es an der Messe Ware angeboten wird, mit der man dann Illegales anstellen kann.» Er sei deshalb nicht unglücklich, dass die Cannatrade nun nach Zürich weiterzieht. «Meiner Meinung nach passt eine solche Messe nicht zu einer aufstrebenden Stadt wie Dietikon.» Dies habe er auch immer wieder mal von Einwohnern gehört.

Illi betont aber auch, dass sich die Veranstalter stets sehr korrekt verhalten hätten. Die Vorgaben der Stadthalle und der Polizei hätten sie eingehalten. Auch die Kantonspolizei, die während den Messetagen Präsenz markierte, konnte jeweils keine nennenswerten Vorfälle vermelden.

Der Verein «Eltern gegen Drogen» versuchte im ersten Jahr zwar noch, die Händler mit Testkäufen aufs Glatteis zu führen, doch sie scheiterten dabei, illegale Ware zu ergattern.
Die Kritiker, so Messeleiter Arn, seien von Jahr zu Jahr leiser geworden. «Das Thema wird wohl noch eine Weile kontrovers bleiben», sagt er. «Doch vieles entwickelt sich in die richtige Richtung.» Damit dürfte unter anderem die vergangene Woche erfolgte Praxisänderung der Stadtrichterämter Zürich und Winterthur sowie der Polizeien im Kanton Zürich gemeint sein. Nachdem das Bundesgericht entschieden hatte, dass der Besitz geringfügiger Mengen Cannabis bei Erwachsenen straffrei sei, hatten die Stadtrichterämter beschlossen, solche Verfahren einzustellen oder nicht mehr anzugehen. Die Kantonspolizei erklärte darauf, dass die aktuelle Verzeigungspraxis bis auf weiteres eingestellt werde.