«Nicht eindeutig und schlüssig» – so beurteilt der Stadtzürcher sowie der kantonale Heimatschutz das Vorhaben des Stadtrates, das Schauspielhaus am Pfauen zu modernisieren, am Dienstag in einer Mitteilung. Die Stadt will nämlich den Theatersaal aus dem Denkmalschutz entlassen, abreissen und neubauen sowie den Blockrandbau komplett auskernen. Dazu kommt es aber nur, wenn der Gemeinderat dem Projektierungskredit zustimmt und das Stimmvolk die Vorlage annimmt.

Dass das städtische Vorhaben erst diese beiden Hürden überwinden muss, um realisiert werden zu können, reicht dem Heimatschutz nicht: «Dem Wert und der kulturhistorischen wie auch architektonischen Bedeutung des Theatersaals hat die Stadt in ihrer Machbarkeitsstudie nicht genügend Rechnung getragen», sagt Barbara Truog, Präsidentin des Stadtzürcher Heimatschutzes. Deshalb hat die Zürcher Sektion gegen das Vorhaben nun Rekurs eingelegt, wie der Heimatschutz gestern mitteilte.

Historisch bedeutender Saal

Der Theatersaal des Schauspielhauses sei ein Symbol für den Übergang vom üppigen, mit Dekorelementen versehenen historischen Baustil hin zum Neuen Bauen. Als Beispiele nennt der Heimatschutz die Balkonbrüstung sowie der sparsame Einsatz von dekorativen Elementen und Farbe. Entsprechend wird der Saal – auch in Fachkreisen – als einer der wenigen in der Zwischenkriegszeit erbauten und noch erhaltenen Theatersäle in der Schweiz bezeichnet. Auch die städtische Denkmalpflegekommission attestiert dem Theatersaal bau-, theatergeschichtlichen wie auch sozialhistorischen Erinnerungswert. Er wurde 1926 von den Architekten Otto Pfleghard und Max Haefeli umgebaut und ist der einzige Theatersaal, den das Architektenduo gebaut hat.

Die Stadt präsentierte im Juli ihre Idee zur Modernisierung des Pfauen. Sie will den mittleren Gebäudeteil neu bauen. Entstehen soll eine Innenhofüberbauung, ein neuer Zuschauersaal, eine grössere Bühne mit einer Hinterbühne sowie zwei Nebenbühnen. Neben besserem Sitzkomfort für das Publikum soll auch das Foyer grosszügiger gestaltet werden. Gemäss Hochbaudepartementschef André Odermatt (SP) basiert der Vorschlag eines Theatersaalneubaus auf einer Güterabwägung zwischen öffentlichem Interesse und denkmalpflegerischem Wert, wobei ersteres stärker gewichtet wird: «Damals wie heute wünscht Zürich sich ein lebendiges und zeitgemässes Theater», sagte Odermatt im Juli. Für die Massnahmen zum Erhalt des Schauspielhauses rechnet die Stadt mit Kosten von 67 Millionen Franken, wie die «NZZ» publik machte. Für den vom Stadtrat angestrebte Neubau allerdings wurden bislang keine Zahlen veröffentlicht.

Dass beim Theatersaal Sanierungsbedarf besteht ist laut dem Zürcher Heimatschutz ausgewiesen. Aber: «Wir wollen, dass seriös geprüft wird, wie der Theatersaal erhalten und saniert werden kann», so Truog. Die Machbarkeitsstudie, welche die Stadt durchführen liess, setze am falschen Ort an: «Die Bedürfniserhebung wurde nicht sauber durchgeführt», kritisiert Truog.

Zwar seien alternative Strategien in der Studie erwähnt, aber nicht weiter vertieft worden. Namentlich gehe es um den fehlenden Einbezug weiterer Fläche im Besitz der Stadt, wozu auch das Haus an der Ecke mit dem derzeitigen Restaurant gehöre – oder eine mögliche Kombination von Liegenschaftszukauf beziehungsweise Miete. Eine Saalerweiterung ist laut Heimatschutz auch durch die Aufstockung des Bühnenteils möglich.

Die Stadt hält derweil an ihren Plänen fest: «Der Rekurs ist nun Sache der Gerichte», sagt Lucas Bally, Sprecher des Hochbaudepartementes der Stadt Zürich, auf Anfrage. Auch geht man bei der Stadt zum jetzigen Zeitpunkt nicht von einer Verzögerung des Modernisierungsvorhabens aus: «Der entsprechende Stadtratsbeschluss wurde absichtlich zu einem sehr frühen Zeitpunkt gefällt», so Bally. Der Gemeinderat und die Zürcher Stimmbevölkerung werden auf jeden Fall noch über das Vorhaben befinden können. Es hänge vom weiteren Verlauf des Verfahrens ab, wann dies sein werde.