Martin Neukom
Newcomer (32) schafft Sprung in den Regierungsrat: «Das ist ein Auftrag, mehr Klimaschutz zu machen»

Martin Neukom, der 32-jährige Kantonsrat der Grünen ist als Sechstplatzierter neu in den Zürcher Regierungsrat gewählt.

Matthias Scharrer und Katrin Oller
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Herr Neukom, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie die ersten Hochrechnungen sahen und realisierten, dass es reichen könnte?

Martin Neukom: Ich stand auf dem Sechseläutenplatz und habe auf mein Handy gestarrt. Ich wollte mich noch nicht zu früh freuen und dachte, dass sich die Statistiker vielleicht verrechnet haben. Erst, als das Resultat so geblieben ist, begann ich zu realisieren, was das heisst. Es ist überwältigend.

Warum wurden Sie als relativ unbekannter Newcomer gleich in den Regierungsrat gewählt?

Ich konnte als Kandidat zeigen, dass ich mich schon seit zehn Jahren für den Klimaschutz einsetze. Das hat eine gewisse Glaubwürdigkeit gebracht. Es ist ein deutliches Zeichen, dass die Bevölkerung eine Politik will, die sich mehr um die Ökologie kümmert.

Sind diese Stimmung und die Schülerstreiks für das Klima nicht nur eine Modeerscheinung?

Das ist ja ein weltweites Phänomen und sicher kein temporärer Effekt. Nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Land hat es eine Verschiebung gegeben hin zu ökologischen Themen. Die Grünen und die GLP haben jetzt zusammen einen Viertel der Stimmen im Parlament. Das wird etwas bewegen. Das ist ein Auftrag der Bevölkerung, mehr Klimaschutz zu machen und im ökologischen Bereich mehr zu tun.

Sie haben sogar Natalie Rickli (SVP) hinter sich gelassen, die ja einiges bekannter ist als Sie. Überrascht Sie das?

Ja, das überrascht mich schon. Es zeigt aber auch, dass Bekanntheit nicht alles ist.

Der neu gewählte Regierungsrat von links nach rechts: Jacqueline Fehr (SP), Martin Neukom (Grüne), Natalie Rickli (SVP), Mario Fehr (SP), Silvia Steiner (CVP), Ernst Stocker (SVP) und Carmen Walker Spaeh (FDP)
14 Bilder
Ein sichtlich enttäuschter Thomas Vogel: Der FDP-Mann erreichte bei den Regierungsratswahlen zwar das absolute Mehr, schied allerdings als überzählig aus.
Die neu gewählten Regierungsräte: Natalie Rickli (SVP) und Martin Neukom (Grüne).
Bedrängt von den Medien: Der neu gewählte Regierungsrat Martin Neukom (Grüne).
Martin Neukom, (Grüne) strahlt im Mediencenter bei den kantonalen Wahlen
Wahlen Kanton Zürich
Ernste Gesichter bei SVP-Präsident Konrad Langhart (links) und Kantonsrat Hans-Peter Amrein (SVP). Die SVP gehört bei den Zürcher Kantonsratswahlen zu den Verlierinnen.
Auch die FDP verliert gemäss erster Hochrechnung leicht. In der Mitte: Hans-Jakob Boesch, Präsident der kantonalen FDP
Im Parlament verliert die SP leicht, die beiden Regierungsratssitze sind der Partei aber sicher. Im Bild: Priska Seiler, Co-Präsidentin der SP Kanton Zürich.
Hat Grund zum Strahlen: Nicola Forster, Co-Präsident glp Kanton Zürich.
Auch sie freut sich über die Wahlerfolge: Marionna Schlatter-Schmid, Präsidentin Grüne Kanton Zürich.
Wahlplakate für den Regierungs- und Kantonsrat.
Die FDP schwenkt auf Klimaschutz ein. Zürcher Partei wirbt für ihre Anliegen.
Wahlplakate für den Regierungs- und Kantonsrat.

Der neu gewählte Regierungsrat von links nach rechts: Jacqueline Fehr (SP), Martin Neukom (Grüne), Natalie Rickli (SVP), Mario Fehr (SP), Silvia Steiner (CVP), Ernst Stocker (SVP) und Carmen Walker Spaeh (FDP)

WALTER BIERI

Mit 32 sind Sie einer der jüngsten Regierungsräte, die es je gab. Ist das etwas Spezielles für Sie?

Auf jeden Fall. Auch wenn das kein grosses Thema war in der Bevölkerung. Ich bin nie darauf angesprochen worden. Auch in meiner Kantonsratstätigkeit habe ich nie den Eindruck gehabt, dass ich aufgrund meines Alters nicht ernst genommen werde.

Mit Ihnen hat nun die Stadt Winterthur drei Vertreter im Regierungsrat. Was bedeutet das für Winterthur?

Es ist interessant, weil Winterthur kaum je so stark vertreten war. Mir ist das aber nicht so wichtig.