Herr Neukom, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie die ersten Hochrechnungen sahen und realisierten, dass es reichen könnte?

Martin Neukom: Ich stand auf dem Sechseläutenplatz und habe auf mein Handy gestarrt. Ich wollte mich noch nicht zu früh freuen und dachte, dass sich die Statistiker vielleicht verrechnet haben. Erst, als das Resultat so geblieben ist, begann ich zu realisieren, was das heisst. Es ist überwältigend.

Warum wurden Sie als relativ unbekannter Newcomer gleich in den Regierungsrat gewählt?

Ich konnte als Kandidat zeigen, dass ich mich schon seit zehn Jahren für den Klimaschutz einsetze. Das hat eine gewisse Glaubwürdigkeit gebracht. Es ist ein deutliches Zeichen, dass die Bevölkerung eine Politik will, die sich mehr um die Ökologie kümmert.

Sind diese Stimmung und die Schülerstreiks für das Klima nicht nur eine Modeerscheinung?

Das ist ja ein weltweites Phänomen und sicher kein temporärer Effekt. Nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Land hat es eine Verschiebung gegeben hin zu ökologischen Themen. Die Grünen und die GLP haben jetzt zusammen einen Viertel der Stimmen im Parlament. Das wird etwas bewegen. Das ist ein Auftrag der Bevölkerung, mehr Klimaschutz zu machen und im ökologischen Bereich mehr zu tun.

Sie haben sogar Natalie Rickli (SVP) hinter sich gelassen, die ja einiges bekannter ist als Sie. Überrascht Sie das?

Ja, das überrascht mich schon. Es zeigt aber auch, dass Bekanntheit nicht alles ist.

Mit 32 sind Sie einer der jüngsten Regierungsräte, die es je gab. Ist das etwas Spezielles für Sie?

Auf jeden Fall. Auch wenn das kein grosses Thema war in der Bevölkerung. Ich bin nie darauf angesprochen worden. Auch in meiner Kantonsratstätigkeit habe ich nie den Eindruck gehabt, dass ich aufgrund meines Alters nicht ernst genommen werde.

Mit Ihnen hat nun die Stadt Winterthur drei Vertreter im Regierungsrat. Was bedeutet das für Winterthur?

Es ist interessant, weil Winterthur kaum je so stark vertreten war. Mir ist das aber nicht so wichtig.