Imposant thront es inmitten der Zürcher Innenstadt: Das Grossmünster, welches mit dem etwas kleineren, aber nicht weniger beeindruckenden Kloster Fraumünster seit Jahrhunderten zu den Wahrzeichen Zürichs zählt. Im Kontrast dazu tragen zum modernen Stadtbild auch zwei Hochhäuser massgeblich bei: Der wegen seiner eintönig grauen Fassade öfters kritisierte Swissmillturm sowie der Prime Tower, welcher mit 126 Meter das höchste Gebäude in ganz Zürich ist.

Mit dem am Dienstag bekannt gegebenen Hardturmprojekt "Ensemble" könnte sich das jedoch bald ändern. Denn das Konzept beinhaltet auch zwei Zwillingstürme, welche das jetzige höchste Gebäude mit 137 Metern noch um 11 Meter übertreffen würde.

Und es wird fleissig weitergebaut: 500 Meter entfernt vom Andreasturm, dessen Spatenstich am Mittwoch fiel, plant die SBB bereits das nächste Hochhaus mit ebenfalls 80 Metern. Die seit Jahren angestrebte Verdichtung von Städten und Agglomerationen hat zu einer Kehrtwende seit den 60er Jahren geführt und beschert den Himmelsbauten ein Comeback.

Hochhaus-Boom in Zürich

Hochhaus-Boom in Zürich

Immer mehr und immer höher: Bereits heute prägen zwei hohe Türme die Skyline. In einigen Jahren bestimmen Wolkenkratzer das gesamte Zürcher Stadtbild.

Stefan Kurath, Professor für Städtebau an der ZHAW in Winterthur, spricht sogar von einem regelrechten Hochhaustrend nach Vorbild der Amerikaner. "Natürlich sind wir noch weit davon entfernt", räumt er gegenüber "TeleZüri" ein, "aber der Trend verläuft in eine Richtung, mit welcher auch die Hochhäuser das Stadtbild immer entscheidender mitbestimmen."

Kritik an Hochhäusern

Doch nicht alle erfreuen sich an den hohen Bauten, die seit ein paar Jahren wie Pilze aus dem Boden zu schiessen scheinen. So hat auch das Projekt der Hardturm-Zwillingstürme kritische Reaktionen hervorgerufen. Die Skepsis gegenüber Hochhäusern, welche sich von der sonst ebenen Gebäudelandschaft in der Schweiz abheben, ist nicht nur in Zürich verbreitet.

Auch in Luzern führte das dortige Stadion-Siegerprojekt, welches ebenfalls zwei Hochhäuser vorsah, vor neun Jahren zu Kritik. Eine Höhe von 134 Metern - also nur drei Meter weniger als die Hardturm-Türme - befand die Luzerner Jury schliesslich als zu hoch. Das Projekt erhielt erst Zustimmung, nachdem die Höhe der beiden Gebäude auf 77 und 88 Meter begrenzt wurde. 

Als "emotional" bezeichnet der damalige Luzerner Stadtachitekt Jean-Pierre Deville die Debatten und Podien gegenüber "20 Minuten". In Zürich könnte das Projekt ebenfalls zu konfliktgeladenen Diskussionen führen, spätestens, wenn "Ensemble" an die Urne kommt.