Zürich

Neuster Retter kann fliegen: Schutz und Rettung setzen Drohnen ein

Sechs Kilogramm wiegt eine Drohne von Schutz und Rettung Zürich.

Sechs Kilogramm wiegt eine Drohne von Schutz und Rettung Zürich.

Schutz und Rettung Zürich stehen neu zwei Drohnen zur Verfügung. Ein Pikettdienst aus neun Piloten ist rund um die Uhr einsatzbereit.

Dichter Rauch stieg auf, eine Lagerhalle stand in Flammen. Der Grossbrand vergangene Woche in Dietikon beeinträchtigte auch die Bahngleise neben der Industrie. Für die Rettungskräfte war die Lage unübersichtlich.

Abhilfe verschafft neu Schutz und Rettung Zürich. Die grösste Rettungsorganisation der Schweiz rückte unterstützend nach Dietikon aus. In einem Fahrzeug befand sich eine Drohne. Sie ist mit einer optischen Kamera und einer Wärmebildkamera ausgestattet und liefert Bilder aus der Luft – und damit einen Überblick über das Ausmass des Brandes.

Es ist nicht das erste Mal in der Schweiz, dass Drohnen bei einem Rettungseinsatz in die Luft stiegen. Vereinzelt sind sie schon von kleineren Korps verwendet worden. Neu ist aber, dass Schutz und Rettung Zürich einen Pikettdienst auf die Beine gestellt hat, der rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr einsatzfähig ist. Seit einigen Monaten ist er aktiv. «Unseres Wissens nach sind wir das erste Rettungskorps in der Schweiz, das einen dauerhaften Pikettdienst sicherstellt», sagte Peter Wullschleger, Kommandant Feuerwehr und Zivilschutz, am Donnerstag an einer Medienkonferenz.

«Es brauchte viel Ausbildung»

Erstaunen mag es, dass dies so lange gedauert hat, lassen doch Hobbypiloten schon seit Jahren Drohnen in die Luft. Wullschleger: «Wir wollten es professionell aufziehen und da brauchte es umfassendere Abklärungen und viel Ausbildung.»

Rechtlich musste geklärt werden, wann und wo Drohnen fliegen dürfen, denn es gibt viele Flugverbotszonen im Kanton, etwa in Flughafennähe. Schutz und Rettung Zürich musste deshalb mit sämtlichen Flugplätzen und Heliports ein eigenes Abkommen abschliessen. Nun kann das Korps schon während der Fahrt zu einem Einsatz bei den zuständigen Stellen eine Sonderbewilligung anfordern.

Aufwendig ist auch die Ausbildung der neun Drohnenpiloten, die Pikettdienst leisten und innert einer halben Stunde an einem Unglücksort sein müssen. Das Training ist noch nicht fertig. Fliegen bei Nacht, zwischen Gebäuden hindurch und unter anderen erschwerten Bedingungen – etwa, wenn Tramleitungen im Weg sind – muss ständig geübt werden.

Zum Einsatz kommen die beiden für 25000 Franken angeschafften Drohnen in den unterschiedlichsten Situationen. «Sie sind für uns ein zusätzliches Hilfsmittel: ein Auge aus der dritten Dimension», sagt Basil Brühlmann, Abteilungsleiter Einsatzplanung und Konzeption. Die Informationen würden helfen, schnelle Entscheide zu treffen. Es ist nicht nur wie in Dietikon wichtig, zu erkennen, wie gross das Ausmass eines Brandes ist. Dank der Videoaufnahmen lassen sich auch Glutnester und Brandherde lokalisieren. Das war der Fall, als es im vergangenen November auf dem Dach der Sihlpost in Zürich brannte. Damals wurde die Drohne erstmals aufgeboten. Dank ihr war rasch klar, dass der Rauch und die Flammen aus einem Kamin im Lüftungsschacht emporstiegen.

Bei 29 Einsatztypen wird sie automatisch aufgeboten

Drohnenbilder können auch zeigen, wie gross der Ölteppich bei einer Gewässerverschmutzung ist und wo die Einsatz­kräfte Bach- oder Flusssperren errichten müssen. Bei Zugunfällen wiederum kann die Information aus der Luft, wie Feuerwehr und Sanität zum Unglücksort gelangen, entscheidend sein. Schutz und Rettung Zürich hat deshalb 29 Typen von Einsätzen definiert, bei denen automatisch ein Drohnenpilot aufgeboten wird.

Der Einsatz der Drohnen soll sich nicht aufs Zürcher Stadtgebiet beschränken. Schutz und Rettung Zürich will wie in Dietikon auch andere Gemeinden unterstützen. Sie können Hilfe aus Zürich anfordern. Das gelte auch für weiter entfernte Orte wie etwa Bauma, sagt Wullschleger. Dort ist am Montag ein ganzer Weiler abgebrannt. In diesem Fall hätte die Drohne aber nicht fliegen können: Zu stark waren die Windböen.

Wind sei eine der grössten Herausforderungen, sagt Drohnenpilot Yannick Herger, der zur Vorführung eine der sechs Kilo schweren und laut surrenden Drohnen abheben lässt. Schwierig sei es auch, wenn bei einem grossen Brand viel warme Luft aufsteige. «Dann besteht die Gefahr, dass die Drohne durch die Thermik abtreibt.»

Für den Fall, dass es zu ­Turbulenzen kommt, ist die Drohne mit einem Fallschirm ausgestattet. Auch verfügt sie über ein Blitzlicht und einen Sender, damit Flugzeuge und Helikopter sie orten ­können. Immerhin kann die Drohne bis zu 120 Meter hoch fliegen.

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