Gesundheitsversorgung
Neues Zürcher Kinderspital auf Kurs: Baugesuch eingereicht

Der Ersatzneubau für das aus allen Nähten platzende Zürcher Kinderspital ist einen grossen Schritt weiter. Die Eleonorenstiftung hat bei der Stadt Zürich das Baugesuch eingereicht. Weder Rekurse noch kurzfristig nötige archäologische Notgrabungen sollen den Baustart des Projekts der Stararchitekten Herzog & de Meuron verzögern.

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Das Kinderspital Zürich. Die Bauarbeiten für den Ersatzneubau sollen 2018 beginnen.

Das Kinderspital Zürich. Die Bauarbeiten für den Ersatzneubau sollen 2018 beginnen.

Keystone

"Nach 30 Jahren Planung sind wir nun auf der Zielgeraden", sagte Martin Vollenwyder, Präsident der Eleonorenstiftung, Trägerin des Kinderspitals, am Freitag vor den Medien. "Die Profile für die zwei Neubauten im Quartier Balgrist stehen, die Rekurse sind vom Tisch, das Baugesuch ist eingereicht." Anfang 2018 soll mit dem Bau begonnen werden.

Gegen die Baubewilligung, die noch dieses Jahr rechtskräftig werden soll, erwarten die Verantwortlichen eigentlich keine Einwände mehr. Mit den beiden Rekurrenten aus der Nachbarschaft, die gegen den Gestaltungsplan vorgegangen waren, hat man eine Vereinbarung getroffen. Ihre Beschwerden waren vom Baurekursgericht abgewiesen worden.

Vereinbarung mit Nachbarn

"Sie haben versprochen, diesen Entscheid nicht weiterzuziehen und nicht gegen die Baubewilligung zu rekurrieren", sagte Françoise de Vries, Präsidentin des Steuerungsausschusses. Dafür wird im Sinne der Nachbarn die Einfahrt zur Anlieferung überdacht. Sie hatten ihre Beschwerde vor allem auch mit der Angst vor Mehrverkehr begründet.

Wie dringend notwendig der Neubau in der Lengg ist, betonte der ärztliche Leiter des Kinderspitals, Felix Sennhauser. "Zu wenig Betten, keine optimale Raumnutzung, fehlende Arbeitsplätze, erschwerte Abläufe", nannte er nur einige der Probleme. "Und wir haben jedes Jahr ein grosses Wachstum in allen Bereichen."

Der Neubau sei wegweisend für die hochspezialisierte Kindermedizin. Multiprofessionelle Teams und die bestmögliche Umgebung sollen eine noch bessere Behandlungskontinuität sicherstellen. "Zudem stärkt auch das geplante Gebäude für Labor, Lehre und Forschung die heute schon renommierte interdisziplinäre Forschung", sagte Sennhauser.

Viel Holz und Licht

Das Projekt von Herzog & de Meuron sieht zwei sehr unterschiedliche Bauten vor. Das Akutspital ist ein flaches, feingliedriges, dreigeschossiges Gebäude vorwiegend aus Holz, das um zahlreiche lichtspendende Innenhöfe organisiert ist. "Holz ist ein wichtiger Faktor für das Wohlbefinden", sagte Architektin Christine Binswanger.

Viel Platz, Pflanzen und ein hohes Mass an Tageslicht sollen auch einen Einfluss auf die Heilung der kleinen Patienten haben. "Das Spital wird eine Art kleine Stadt mit eigenen Quartieren", sagte die Herzog-&-de-Meuron-Architektin. Aus Beton und Glas ist dagegen der kreisrunde siebenstöckige Neubau für Lehre und Forschung.

De Vries bezeichnete das Projekt als "den komplexesten Bau, der derzeit im Kanton entsteht". Der Kostenrahmen von 600 Millionen Franken könne erfreulicherweise eingehalten werden. Durch die Grösse und Komplexität verzögere sich aber der lang ersehnte Bezug bis 2022 statt 2021, sagte die Präsidentin des Steuerungsausschusses.

Keinen Einfluss auf den Baustart dürften die erst kürzlich entdeckten archäologischen Funde auf dem Areal haben, wie de Vries sagte. Derzeit finden Baggersondierungen und Notgrabungen statt. Die Archäologen waren im Mai auf Siedlungsreste aus der Bronzezeit gestossen. Steinsetzungen oder Keramik wurden etwa gefunden.