Abstimmungskampf
Neues ZSC-Stadion würde 122 Familiengärten verdrängen

Die Debatte über Zürichs kühlstes Bauvorhaben ist in der heissen Phase.

Matthias Scharrer
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Gegner ZSC-Stadion
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122 Familiengärten in Zürich Altstetten sollen dem geplanten ZSC-Stadion weichen
Die Gegner des Projekts vor dem Vereinslokal Vulkan des Familiengartenvereins Altstetten-Albisried. Von links: Dominique Feuillet (alt Gemeinderat SP), Niklaus Scherr (Gemeinderat AL)
Die Gegner des Projekts an einer Medienkonferenz im Vereinslokal Vulkan des Familiengartenvereins Altstetten-Albisried. Von links: Robert Kümin (FGVAA-Vizepräsident), Dominique Feuillet (alt Gemeinderat SP), Niklaus Scherr (Gemeinderat AL), Adolf Gloor (Präsident FGVAA), Markus Knauss (Gemeinderat Grüne) und Walter Schaffner (Schweizer Familiengärtner Verband)
SCHWEIZ EISHOCKEY SPORTARENA ZSC Der Zuercher Stadtrat Daniel Leupi, links, und Peter Zahner, rechts, CEO ZLE Betriebs AG ZSC Lions an einer Medienkonferenz des Komitees ''JA zur Eishockey- und Sportarena der ZSC Lions'' in Zuerich am Freitag, 26. August 2016. Am 25. September 2016 findet dazu in der Stadt Zuerich die Volksabstimmung statt. (KEYSTONE/Walter Bieri)
SCHWEIZ EISHOCKEY SPORTARENA ZSC Der Zuercher Stadtrat Daniel Leupi an einer Medienkonferenz des Komitee ''JA zur Eishockey- und Sportarena der ZSC Lions'' in Zuerich am Freitag, 26. August 2016. Am 25. September 2016 findet dazu in der Stadt Zuerich die Volksabstimmung statt. (KEYSTONE/Walter Bieri)
Werbematerial an einer Medienkonferenz des Komitee ''JA zur Eishockey- und Sportarena der ZSC Lions'' in Zuerich.
So soll das geplante ZSC-Stadion einmal aussehen. Das geplante ZSC-Stadion Theatre of Dreams

Gegner ZSC-Stadion

Matthias Scharrer

Die Gegner und Befürworter des neuen Zürcher Eishockeystadions haben sich formiert. Gestern traten sie vor die Medien, um ihre Argumente für und wider das Projekt zu präsentieren, über das am 25. September abgestimmt wird. Und grösser könnten die Gegensätze kaum sein: Hier die Befürworter, in deren «Komitee pro Eishockeyarena» fast alles vertreten ist, was in der Zürcher Polit- und Sportszene Rang und Namen hat. Da ein Grüppchen um den Familiengartenverein Altstetten-Albisrieden (FGVAA), verstärkt durch Gemeinderäte der Grünen und der Alternativen Liste sowie Alt-Gemeinderäte von SP und SVP.
Es ist heiss im Vereinslokal des FGVAA, einer Blockhütte inmitten der Schrebergärten nahe beim Bahnhof Zürich-Altstetten. «Hier sehen Kinder, wie Obst und Gemüse wächst», sagt FGVAA-Präsident Adolf Gloor. Und: «Es wird immer mehr zubetoniert. Bald gibt es keine zusammenhängenden Grünflächen mehr.»

122 Familiengärten des Schrebergartenareals am Stadtrand sollen der neuen Eishockeyarena für die ZSC Lions weichen. Dabei sei die Biodiversität in Familiengärten grösser als in Parkanlagen, gibt Walter Schaffner vom Schweizer Familiengärten-Verband zu bedenken. Für Ärger sorgt unter den Gärtnern auch, dass die Stadt nur einem Teil der Betroffenen Ersatz in Form von Gemeinschaftsgärten verspricht. Doch es sind nicht nur die Interessen der Parzellengärtner, die aus Sicht der Gegner gegen das Projekt sprechen: Zur Sorge um den Grünflächenverlust kommen auch finanzpolitische Vorbehalte.

Günstiges Land und gutes Geld

169 Millionen Franken soll das ZSC-Stadion kosten. Es bietet Platz für 11 600 Zuschauer, zudem gehören eine Trainingshalle, Restaurants und Büroräume dazu. Letztlich wird die Arena grossteils privat durch den ZSC und seine Sponsoren finanziert. Dennoch sind die Beiträge der Stadt, über die Zürichs Stimmvolk nun entscheidet, beträchtlich.

Das Wichtigste in Kürze:

So erhielte die ZSC Lions Arena Immobilien AG ein verzinstes Darlehen von 120 Millionen Franken, rückzahlbar innert 65 Jahren. Für die gleiche Laufzeit überliesse die Stadt dem ZSC das 28 000 Quadratmeter grosse Areal an der Vulkanstrasse zu einem Baurechtszins von jährlich 35 000 Franken. Zudem würde sie ab der für 2022 geplanten Eröffnung pro Jahr maximal 2 Millionen Franken Betriebsbeiträge zahlen. Und nicht zuletzt steuert sie 2,8 Millionen für Altlastensanierungen und 1,9 Millionen für die Erschliessung des Areals bei, falls das Stimmvolk zustimmt.

Niklaus Scherr, AL-Gemeinderat und früher Geschäftsführer des Zürcher Mieterverbands, hat nachgerechnet. Er kommt zum Schluss, dass die Stadt den Landwert massiv tiefer veranschlagt als bei einem Wohnbaugenossenschaftsprojekt gleicher Grösse. Auch das zinsgünstige 120-Millionen-Darlehen verschaffe der Bauherschaft Vorteile in Millionenhöhe. «In einer wachsenden Stadt müssen wir uns fragen, welche Mittel wir wofür zur Verfügung stellen. Für 120 Millionen Franken kann man zwei Schulhäuser bauen», so Scherr. Ausserdem habe die Stadt 2003 ihren Beitrag zur Hallenstadion-Sanierung damit begründet, dass die Halle in Zürich-Oerlikon die Heimat des ZSC sei.

Szenenwechsel: In einem kühl klimatisierten Konferenzsaal des Hotels Spirgarten präsentieren die Stadion-Befürworter ihre Argumente, angeführt von ZSC-CEO Peter Zahner und Stadtrat Daniel Leupi (Grüne). Die Arena diene auch dem Breitensport, sagt Zahner, und verweist auf die 1250 ZSC-Spielerinnen und Spieler, die sich auf 65 Teams verteilen. Heute müssten sie häufig weit reisen, um trainieren zu können, etwa nach Romanshorn oder Bäretswil. «Ökologisch ist das ein totaler Unsinn», so Zahner. Und an Spieltagen komme es immer wieder zu Terminkonflikten mit der Hallenstadion AG. Zudem fehlten dem ZSC im Hallenstadion die Einnahmen aus Gastronomie und Hallen-Vermarktung. Ohne diese sei die langfristige Existenz des Vereins bedroht. In der neuen Halle könnten dem ZSC nahestehende Firmen Generalversammlungen abhalten. Auch die Vergabe des Hallennamens an einen Sponsor brächte dem Verein Geld.

Stadtrat Leupi (Grüne), dessen Partei das ZSC-Stadion ablehnt, verteidigt das Projekt, dem mit SP, GLP, CVP, FDP und SVP fast alle Parteien zustimmen: «Die privaten finanziellen Beiträge sind überdurchschnittlich hoch», so der Finanzvorsteher. Die Betriebsbeiträge der Stadt seien gerechtfertigt, da sie auch dem Breitensport zugutekämen. Ganz ohne Defizit lasse sich so eine Anlage nicht betreiben. Was ökologische Aspekte betrifft, meint der Stadtrat der Grünen: «Jede Bodenversiegelung tut mir weh.» Weitere solche Fälle gelte es zu vermeiden. Und auf mögliche Konflikte mit Zürichs energiepolitischen Zielen angesprochen, sagt Leupi: «Natürlich braucht es Energie, um Eis zu machen. Aber Eishockey gehört zum Leben in einer Stadt.» Entscheidend sei, dass die Arena energetisch optimal gebaut werde. Sein Fazit: «Ich stehe mit Überzeugung hinter diesem Geschäft.»