Zügeln und zentralisieren – seit 30 Jahren ist das ein Diskussionsthema bei der Verkehrsabteilung Zürich (VAZ) der Kantonspolizei. Begreiflich, denn diese Abteilung, die sich mit allen Spezialfragen zum Thema Verkehr befasst, war bisher in sieben verschiedenen Liegenschaften rund um die alte Kaserne beim Hauptbahnhof untergebracht. Seit dem 1. Juli ist das nicht mehr so: Im Stettbacherhof in Dübendorf hat man ein neues Domizil gefunden.

In dem grossen Gewerbegebäude, wo zuvor ein Teil der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) eingemietet war, verfügt die VAZ nun über einen Teil der Tiefgarage sowie über drei Etagen mit Büros. Die Garage bietet Platz für 40 zivile und angeschriebene Fahrzeuge, 12 Anhänger mit semistationären Geschwindigkeitsüberwachungsgeräten – die gefürchteten, grauen «Kästen», die man immer zu spät am Strassenrand entdeckt – und 5 Motorräder.

Zum Arbeiten stehen den Polizisten in den Obergeschossen moderne, helle Büros zur Verfügung, wie ein Augenschein zeigte. Arbeitsplätze unter anderem in einem Grossraumbüro, wo sich gegen 50 Mitarbeiter 16 Pulte teilen. Das Zahlen-Verhältnis tönt ungewöhnlich, geht aber auf, weil wegen des 24-Stunden-Betriebs einerseits in Schichten gearbeitet wird, andererseits niemand einen fix zugeteilten Platz hat, sondern bei Dienstantritt einfach seinen persönlichen Bürotrolley fasst und sich an ein freies Pult setzt.

Eine Viertelmillion Bussen

In diesem Büro geht es zu, wie in jedem anderen Büro – ganz im Gegensatz zu den Räumen, in denen die in Dübendorf tätigen Spezialisten aktiv sind. Beispielsweise die Angehörigen des Unfallfotodienstes, die hier unter anderem 3-D-Laserscans auswerten. Diese Aufnahmen, angefertigt mit Hightech-Geräten am Ort schwerer Unfälle, erlauben eine genaue Spurenzuordnung, Rekonstruktion und damit Aufklärung der Ereignisse, wie sie sonst schlicht nicht möglich wäre.

Ausgewertet wird auch in denjenigen Büros, wo alle mit dem Verkehr im Zusammenhang stehenden Ordnungsbussen der Kantonspolizei bearbeitet werden. 250 000 dieser Bussen im Betrag zwischen 40 und 250 Franken stellt die Verkehrsabteilung pro Jahr Auto- und Töfffahrern zu. Rund die Hälfte der Empfänger seien Temposünder, sagt VAZ-Chef Stefan Schiesser. Und, so lobt er, in der Regel dann «sehr zahlungsfreudige Kunden».

Ebenfalls zum Aufgabengebiet der 100 Mitarbeiter der Verkehrsabteilung Zürich, die im ganzen Kanton tätig ist, gehören unter anderem technische Fahrzeugkontrollen, die über 700-mal pro Jahr nötige Begleitung von Schwertransporten, die Koordination der Verkehrsregelung bei Grossanlässen, das Durchführen von jährlich mehr als 2700 Kontrollen (vor allem zum Erfassen von Schnellfahrern) und die Bearbeitung von Rechtshilfegesuchen bei Gesetzesübertretungen im Strassenverkehr.

Was die Abteilung in Dübendorf allerdings nicht ist, ist ein «normaler» Polizeiposten. Das heisst, die jüngste Kapo-Filiale ist nicht für den Publikumsverkehr zugänglich.

Am Puls des Verkehrs

VAZ-Chef Stefan Schiesser ist glücklich mit dem neuen Domizil in Dübendorf. Der Standort sei «optimal». Dies nicht zuletzt, weil er «im bewegungsintensivsten Raum der Agglomeration Zürich» liege, wo man «am Puls» des Verkehrs sei. Das heisst unter anderem, dass man von der Glattal-Metropole aus schnell auf der Autobahn ist und so alle Teile des Kantons relativ rasch erreichen kann – ein grosser Vorteil für die Polizisten der Verkehrsabteilung, die pro Jahr über 500 000 Kilometer auf den Strassen unterwegs sind.