Volksschule
Neues Besoldungsmodell: Lehrerboni ersetzen Fixzulagen

Jahrgangsdurchmischte Schulklassen sind im Trend. Was einst vor allem zur Anwendung kam, wenn in einer Schule zu wenige Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs vorhanden waren, um eine Klasse zu bilden, gilt heute vielfach als pädagogisch wertvoll.

Matthias Scharrer
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In jahrgangsdurchmischten Schulklassen profitieren nicht nur die jüngeren von den älteren Mitschülern. (Symbolbild)

In jahrgangsdurchmischten Schulklassen profitieren nicht nur die jüngeren von den älteren Mitschülern. (Symbolbild)

Keystone

Das geht ins Geld. Denn noch gilt im Kanton Zürich: Lehrerinnen und Lehrer, die sogenannte Mehrklassen – gemeint sind altersdurchmischte Klassen – unterrichten, haben Anspruch auf eine Mehrklassenzulage. Ihr regulärer Lohn wird damit um mehrere tausend Franken pro Jahr aufgestockt. Doch damit ist bald Schluss.

«Falsche Anreize»

Gestern beschloss nämlich der Kantonsrat, die Mehrklassenzulage durch eine Einmalzulage zu ersetzen. Diese funktioniert ähnlich wie ein Bonus in der Privatwirtschaft: Die Vorgesetzten – in diesem Falle die Schulpflege – entscheiden, welche Angestellten aufgrund ihrer Leistung den einmaligen Zustupf erhalten. Infrage kommen dafür sowohl Lehrpersonen als auch Schulleiterinnen und Schulleiter. Die neue Regelung tritt nach den Sommerferien 2014 in Kraft.

Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (ZLV), ist alles andere als begeistert von der Änderung: «Mehrklassenlehrer haben einen grösseren Aufwand, das steht fest», sagt sie. Und fügt an: «Letztlich wird nun das Geld einfach auf mehr Leute verteilt.»

Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) erklärte im Kantonsrat, die Mehrklassenzulage habe «zum Teil falsche Anreize» geschaffen, weshalb nun ein Plafond eingeführt werden solle. Für die Einmalzulagen werden pro Jahr 3,5 Millionen Franken aus dem bisherigen Mehrklassentopf eingesetzt.

Der Regierungsrat argumentierte aber nicht in erster Linie finanzpolitisch: Mehrklassenlehrer hätten nicht unbedingt mehr Aufwand als andere Lehrer, begründete er den angestrebten Systemwandel. Wer besonders grosse Klassen unterrichte, habe unter Umständen mehr zu tun als Mehrklassenlehrer. Daher sei es ungerecht, nur diesen eine Zulage zuzusichern.

Im ersten Anlauf zeigte sich schnell, dass der vom Regierungsrat angestrebte Systemwandel scheitern würde. Das war 2011. Im zweiten Anlauf hielt die Regierung nun fest, dass bei der Gewährung der Einmalzulage «insbesondere die Tätigkeit an mehrklassigen Klassen und an überdurchschnittlich grossen Klassen» zu berücksichtigen sei, wie es im entsprechenden Verordnungstext heisst.

Und diesmal klappte es: Das Parlament stimmte dem Systemwandel klar zu. Nur einige SVP-Vertreter sowie die Fraktionschefin der Grünen, Esther Guyer (Zürich),stimmten dagegen.

«Das Problem ist die Goodie-Kultur», sagte Guyer – und stellte die Frage in den Raum: «Muss man in Zukunft den Vorgesetzten gefallen? Mir gefällt das nicht.» Matthias Hauser (SVP, Hüntwangen), von Beruf Lehrer, monierte, die Kriterien für die Einmalzulage seien nicht transparent. «Dies schadet den Schulen mehr, als es nützt.» Besser als eine Einmalzulage wäre aus seiner Sicht die Beschränkung von Mehrklassenzulagen auf Fälle, in denen Mehrklassen wegen zu kleiner Jahrgänge nötig wären.

Doch die Ratsmehrheit sah es anders. «Mir gefällt, dass vor Ort über die Zulagen entschieden wird – dort, wo man die Situation kennt», sagte Karin Maeder (SP, Rüti). Corine Thomet (CVP, Kloten) lobte, dass die Regierung mit der Erwähnung von Mehrklassen und grossen Klassen im Verordnungstext nun Kriterien für die Lehrerboni definiert habe.

«Grosser Aufwand»

Bleibt die Frage, ob Mehrklassenunterricht tatsächlich pädagogisch besonders wertvoll ist. «Lehrpersonen suchen nach neuen Formen, um erfolgreich zu unterrichten», erklärt ZLV-Präsidentin Lätzsch den Boom. Persönlich zeigt sie sich skeptisch – und verweist dabei auch auf Erkenntnisse des Bildungsforschers Urs Moser von der Universität Zürich. «Der Aufwand für Mehrklassenunterricht ist gross», so Lätzsch. Was dabei an Lernerfolgen herausschaue, rechtfertige aber den Aufwand nicht unbedingt. Fest stehe, dass soziale Aspekte im Mehrklassenunterricht mehr Gewicht erhielten.