Tourismus
Neues 25Hours Hotel an der Langstrasse: Warum man bewusst auf die Sterne verzichtet

In der Stadt Zürich und in Flughafennähe werden in diesem und in den nächsten beiden Jahren etliche neue Hotels eröffnet. Soeben nahm das Hotel 25hours an der Langstrasse den Betrieb auf.

Philipp Lenherr
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In der Stadt Zürich und in Flughafennähe werden in diesem und in den nächsten beiden Jahren etliche neue Hotels eröffnet.
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Soeben nahm das Hotel 25hours an der Langstrasse den Betrieb auf.
Neu eröffnetes 25hours-Hotel

In der Stadt Zürich und in Flughafennähe werden in diesem und in den nächsten beiden Jahren etliche neue Hotels eröffnet.

Zur Verfügung gestellt

Die Business- und Tourismusdestination Zürich boomt. Während andere, vor allem ländliche Schweizer Tourismusregionen mit einem Rückgang der Gästezahlen zu kämpfen haben, ist die Zahl der Logiernächte in Zürcher Hotels in den vergangenen Jahren stetig gestiegen.

Das lockt natürlich auch neue Anbieter an, die sich ein Stück vom wachsenden Kuchen abschneiden wollen. Vor allem in der Stadt Zürich und in Flughafennähe werden in den kommenden Jahren verschiedene neue Hotels eröffnet. Das starke Wachstum des Angebots wird den Konkurrenzkampf verschärfen.

mia

Die Atmosphäre muss stimmen

Am Samstag wurde das 25hours-Hotel an der Ecke Langstrasse/Europaallee eröffnet. Mit 170 Zimmern ist es etwas grösser als das bereits seit 2012 existierende 25hours-Hotel Zürich West an der Pfingstweidstrasse. «Wir haben keine Angst davor, dass sich die beiden Häuser zu stark konkurrenzieren werden», sagt Anita Vogler, die als General Managerin für beide Hotels verantwortlich ist.

Steigende Übernachtungszahlen locken neue Hotels an

In der Tourismusregion Zürich ist die Zahl der Logiernächte von 2007 bis 2016 um rund einen Fünftel gestiegen. Der wachsende Markt zieht neue Anbieter an. In und um die Stadt Zürich werden in den nächsten Jahren einige neue Hotels gebaut. Bis Ende 2019 dürften so rund 1700 zusätzliche Hotelzimmer auf den Markt kommen.
Die neue Konkurrenz beschäftigt die Betreiber der bereits vorhandenen Hotels. «Damit die Hotels ihre bisherige Belegung halten könnten, müsste die Nachfrage in den kommenden Jahren enorm steigen.

Das ist nicht realistisch. Der Kuchen wird also neu verteilt», sagt Martin von Moos, Präsident des Zürcher Hotelier-Vereins. Die Gefahr dabei sei, dass sich der Preiskampf, der an einigen Orten bereits eingesetzt habe, weiter verschärfe. Positiv sei aber, dass gerade die Neueröffnungen von deutschen Hotelketten in Zürich ein Gästesegment zurückbringen könnten, welches infolge der Frankenstärke in den vergangenen Jahren rückläufig gewesen sei. «Wenn wieder mehr deutsche Gäste nach Zürich kommen, profitieren auch bestehende Betriebe davon», sagt von Moos. (ple)

Während die Zimmer einige Tage vor Eröffnung schon fertiggestellt und weitgehend eingerichtet waren, glich das Erdgeschoss, wo sich mit Rezeption, Bar und Restaurant das Herzstück des Hotels befindet, noch einer Baustelle. Die Folgen eines Wasserschadens mussten beseitigt werden, auch in den Bereichen Inneneinrichtung und Technik gab es noch zu tun.

«Die Steuerung des Lichts wird der CEO persönlich abnehmen. Auch bei der Auswahl der Musiktitel, die gespielt werden, redet er mit», sagt Vogler. Das Ambiente soll schliesslich stimmen, denn die öffentlichen Bereiche hätten bei 25hours generell einen hohen Stellenwert.

Viel zur Atmosphäre beitragen werden zahlreiche, teils verspielte Details, die ein Hotel aus rein betrieblichen Gründen nicht unbedingt bräuchte. So befördert ein kleiner Paternoster in der Bar Kunstwerke auf und ab. In der ersten Etage wird eine Spielecke mit Flipperkasten und weiteren Automaten eingerichtet. In der Bar hängt ein grosses Bild, welches aus dem richtigen Blickwinkel betrachtet einen sexuellen Akt zeigt. «Eine Prise Humor gehört bei uns zum Konzept.»

Der Empfang ist dem Thema Leihhaus gewidmet. «Man kann beispielsweise seine Uhr verpfänden, um die Hotelrechnung zu bezahlen.» Ein wichtiges Thema ist laut Vogler auch die Kunst. Im Erdgeschoss wurde ein kleines Atelier eingerichtet, das jeweils zusammen mit einem Zimmer einem Künstler eine Zeit lang zur Verfügung gestellt wird. «Bestandteil des Deals ist, dass das, was in dieser Zeit entsteht, bei uns im Haus bleibt. Als Erstes kommt der Soundkünstler Lukatoyboy aus Belgrad. Wie wir seine Arbeit anschliessend präsentieren wollen, müssen wir aber noch herausfinden.»

Die Bar und das Restaurant sind grosszügig angelegt, weil das Hotel auch auf zahlreiche Gäste hofft, die nicht im Haus übernachten. Im September eröffnet zudem das gleich neben dem Hotel gelegene Kulturhaus Kosmos. «Aus unserer Sicht eine tolle Ergänzung, wir werden voneinander profitieren können», sagt Vogler. «Unter unseren Gästen haben wir hauptsächlich urbane, dynamische, abenteuerlustige Leute», sagt sie. Mehrheitlich seien es Geschäftsreisende.

Auf Sterne verzichtet das Hotel

Sterne haben die 25hours-Hotels keine, die Hotelkette verzichtet bewusst darauf. Rein preislich – die regulären Zimmerpreise beginnen bei 270 Franken – und mit Blick auf den gebotenen Standard wären 4 Sterne aber nicht unrealistisch.

«Wir verzichten auf die Sternebewertung, weil sie mit zahlreichen Auflagen verbunden ist, von denen wir nicht alle erfüllen wollen», sagt Vogler. «Wir haben aber andere Angebote, welche in die Sternebewertung nicht einfliessen würden, beispielsweise liegt in jedem Zimmer eine Freitag-Tasche, welche benutzt werden kann, und wir leihen unseren Gästen Fahrräder und sogar einen Mini Cooper aus. Ohne zusätzliche Kosten.» Für regelmässig wiederkehrende Gäste gibt es zudem die Möglichkeit, einige Kleinigkeiten gleich im Hotel zu deponieren.