Läuft alles nach Plan, wird das Kinderspital im Jahr 2022 den 600 Millionen Franken teuren Neubau von Herzog/de Meuron in Zürich Lengg beziehen. Ein halbes Jahr nach Inbetriebnahme des neuen Standorts werden die Grundstücke auf dem Kinderspital-Areal in Zürich Hottingen für eine neue Nutzung frei.

Gestern hat der Regierungsrat seinen Grundsatzentscheid für die Nachfolgenutzung des Kispi-Areals Hottingen publiziert. Er will das Zentrum für Zahnmedizin (ZZM), das sich heute an der Plattenstrasse unmittelbar neben einer Tramhaltestelle befindet, auf dem heutigen Kispi-Areal unterbringen. Laut Regierungsrat sind die Immobilien des ZZM bezüglich Infrastruktur teilweise stark veraltet und müssten grundlegend saniert werden. Da käme ein Umzug gerade recht.

Bettenhaus müsste abgerissen werden

Es gibt allerdings ein grosses Aber: Der Flächenbedarf des ZZM könnte in Zürich Hottingen nur abgedeckt werden, wenn man das Bettenhaus abreissen und durch einen Neubau ersetzen könnte (im Plan rot). Nun hat die kantonale Denkmalpflegekommission aber dieses Bettenhaus in einem Gutachten zur Aufnahme ins kommunale Inventar empfohlen. Wie dem Entscheid des Regierungsrats zu entnehmen ist, müsste diese Inventarisation durch den Zürcher Stadtrat unmittelbar bevorstehen.

Das Areal des Kinderspitals in Hottingen.

Das Areal des Kinderspitals in Hottingen.

Der Knackpunkt wird also sein, ob das Bettenhaus tatsächlich abgerissen werden darf. Um dies zu entscheiden, wird eine Interessenabwägung nötig sein. Im Entscheid ist von Provisorien die Rede, die offenbar auch abgerissen werden sollen. Welche dies genau sind, ist im Moment noch nicht klar. Sicher ist hingegen, dass sowohl das Gebäude der Poliklinik als auch das Gebäude «Oberes Haus 1» erhalten bleiben. Sie sind als kantonale Denkmalschutzobjekte ausgewiesen.

Einen weiteren Vorteil an dieser Lösung sieht der Regierungsrat in der künftigen Nutzung des ZZM-Areals an der Plattenstrasse. Dort soll die ambulante Medizin des Universitätsspitals (USZ) untergebracht werden. So werde das USZ-Kernareal baulich und flächenmässig entlastet. Ausserdem werde die Bauzeit für die Erneuerung des USZ verkürzt und aufwendige Rochadeplanungen können vermieden werden.

Absage ans Wohnen

Der Regierungsrat hat eine weitere Idee für die öffentliche Nutzung des Kispi-Areals untersucht: Während der Sanierungen könnte es als Rochadestandort für Mittelschulen dienen. Diese Variante hat man am Beispiel der Kantonsschule Rämibühl durchgerechnet – sie wäre aber nicht umsetzbar.

In Zürich existiert schon länger die Forderung, das Kispi-Areal in eine Wohnzone umzuzonen und zahlbaren Wohnraum zu realisieren. Der Regierungsrat hat in seinem Entscheid die Umnutzung zu Wohnzwecken aufgegriffen und – wie schon bei früheren Gelegenheiten – verworfen. Hauptargument ist, dass sich der Landwert durch eine Umzonung von der Zone für öffentliche Nutzungen zu einer Wohnzone verdoppeln würde. Die Umzonung würde durch die Stadt Zürich erfolgen.

Der Regierungsrat gibt zu bedenken, dass der Kanton keinen Einfluss nehmen könnte. Es sei schwer abschätzbar, unter welchen Bedingungen der Zürcher Gemeinderat einem Umzonungsbegehren entsprechen würde. Die Stadt würde aber wohl einen Mehrwertausgleich fordern. Was den Abbruch des Bettenhauses für eine Wohnnutzung angeht, liessen sich laut Regierungsrat «keine genügenden Interessen geltend machen».

Grüne und SP nicht begeistert

Grüne und SP, die sich mit einer Petition und einer Motion im Kantonsrat für günstige Wohnungen auf dem Kispi-Areal einsetzen, sind nicht begeistert von den Plänen des Regierungsrates. «Das Zentrum für Zahnmedizin zieht viel Publikumsverkehr an», sagt Kantonsrätin Kathy Steiner (Grüne). Das Kispi-Areal sei für eine solche Nutzung nicht geeignet. Das ZZM müsse zudem im riesigen Volumen Platz haben, das fürs Hochschulquartier vorgesehen sei.

Steiner und Ivo Bieri, Vizepräsident der SP Kreis 7/8, bedauern, dass der Regierungsrat das grosse Bedürfnis nach günstigem Wohnraum so einfach wegwischt. Sie wollen das Thema spätestens dann aufs Tapet bringen, wenn der Kantonsrat über die Änderung des Richtplans befindet.