Jazz-Club Oetwil
Neuer Präsident zum Vereinssterben: "Der Nachwuchs muss gefördert werden"

Mit vier neuen Vorstandsmitgliedern wagt der Verein den Schritt in eine sorgenfreie Zukunft.

Daniel Diriwächter (text und Foto)
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Urs Landis ist der neue Präsident des Jazz-Clubs in Oetwil

Urs Landis ist der neue Präsident des Jazz-Clubs in Oetwil

Die Katze ist aus dem Sack: Die Mitglieder des Jazz-Clubs Oetwil wählten an der Generalversammlung vom Mittwoch Urs Landis zu ihrem neuen Präsidenten. Es war ein offenes Geheimnis, dass sich der ehemalige Gemeinderat für das Amt interessiert, nur Schlagzeilen sollte das im Vorfeld keine machen. Jetzt, nach der erfolgreichen Wahl, kann sich Landis, der bereits Vereinsmitglied war, offen auf die neue Aufgabe freuen: «Ich habe grosse Lust, meinen Teil beizusteuern, damit der Verein bestehen bleibt.»

Die Anfrage, den Vorsitz zu übernehmen, erhielt der 49-Jährige vom bisherigen Präsidenten Hans Schweizer, der den Jazz-Club seit 2015 leitete und ihn vor dem sicheren Aus bewahrte. Damals erklärten beinahe alle Vorstandsmitglieder ihren Rücktritt. Das Weiterbestehen des Jazz-Clubs, der 1985 gegründet wurde, ist heute aber wieder gesichert, sagte Schweizer im März gegenüber der Limmattaler Zeitung. Zwar trat mit Fredi Frei eine tragende Persönlichkeit nicht zur Wiederwahl an, doch die Generalversammlung wählte neben Landis auch Hermann Trümpy, Daniel Tilly und Furio Molteni in den Vorstand. Immer noch dabei sind Ingrid Werffeli, Ernst Grädel und Hans Ruedi Stüssi. «Ich bin überzeugt, dass wir uns alle perfekt ergänzen», so Landis.

Ein Auftritt am Kellerfest

Grosse Veränderungen will der neue Präsident vorerst nicht herbeiführen. Die drei Anlässe, für die sich der Jazz-Club verantwortlich zeichnet, sprich der Fiirabig-Jazz auf dem Dorfplatz, die Dixie-Metzgete sowie der Jazz-Brunch in der Gemeindescheune, sollen weiterhin über die Bühne gehen. «Wir wollen aber gewisse Abläufe in der Organisation optimieren», sagt Landis. Dennoch hat er ein bestimmtes Ziel vor Augen: «Unser Verein ist einer der wenigen, die nicht am Oetwiler Kellerfest vertreten sind. Ein Auftritt dort wäre natürlich toll.»

Nachwuchs ist gefragt

Ein schon lange bestehendes Ziel des Vereins sei weiter, jüngere Mitglieder zu gewinnen. «Der Nachwuchs muss gefördert werden, damit wir dem Vereinssterben entgegenwirken können», sagt Landis. Das werde aber immer schwieriger, da man heute weniger an den Wohnort gebunden sei und ein gewaltiges Überangebot an Freizeitaktivitäten herrsche.

«Ich habe grosse Lust, meinen Teil beizusteuern, damit der Verein bestehen bleibt.»

Urs Landis, Präsident Jazz-Club Oetwil

Landis weiss aus Erfahrung, dass Jazz auch junge Menschen erreichen kann. Als er 1980 auf einer Amerika-Reise die Stadt New Orleans besuchte, packte ihn der Jazz und liess ihn nie mehr los. «Ich war beeindruckt von der Lebensfreude, welche der Jazz vermitteln kann, aber auch von der Qualität der Bands, die an jeder Ecke Musik machten.» Wenn es dem Jazz-Club nun gelingt, diesen Funken auch auf andere zu übertragen, könnte sich die aktuelle Mitgliederzahl von rund 170 durchaus vergrössern.

Zwischen Musik und Wasser

Der neue Präsident lebt aber nicht nur für Jazz, sondern auch für Wassertiere: Seit vier Jahren führt er ein Aquaristik-Geschäft in Oetwil. Was mit einem Online-Shop begann, ist heute ein Fachhandel, der mit stolzen Aquarien oder weissen Clownfischen aufwartet. Er sei eben ein Macher, so Landis. «Ich will zupacken und etwas erreichen», betont er. Die Frage, ob auch eine Rückkehr in die Politik möglich sei, verneint er zunächst. «Man soll aber niemals nie sagen», meint er lächelnd.