Zürich
Neuer Ombudsmann Jürg Trachsel: «Manche Züge fahren nur einmal im Leben vorbei»

Jürg Trachsel von der SVP hat die Wahl zum neuen Zürcher Ombudsmann knapp gewonnen. Er habe bis zum Schluss gezittert, sagt er im Interview.

Heinz Zürcher
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Der SVP-Kantonsrat Jürg Trachsel wurde gestern im zweiten Wahlgang mit 90 Stimmen zum Ombudsmann gewählt.

Der SVP-Kantonsrat Jürg Trachsel wurde gestern im zweiten Wahlgang mit 90 Stimmen zum Ombudsmann gewählt.

KEYSTONE

Herr Trachsel, wie geht es Ihnen nach der gewonnen Wahl?

Jürg Trachsel: Blendend. Die vergangenen Monate waren ein Marathon, der Druck wurde immer stärker, die Nervosität grösser. Nun fällt eine riesige Last ab.

Was gab den Ausschlag für Sie?

Ich kann vermitteln, gut zuhören, arbeite lösungsorientiert und bin gut vernetzt. Das sieht man auch daran, dass ich weit über die Parteigrenzen hinaus Stimmen erhalten habe. Vielleicht war es für manche auch ein Dankeschön für meine bisher geleistete Arbeit.

Wie entscheidend war es, dass Sie SVP-Fraktionschef sind?

Kaum. Der Ombudsmann übt ja kein politisches Amt aus. Es war eine Personenwahl.

Allzu klar war das Resultat am Ende nicht.

Ich habe bis zum Schluss gezittert. Aber das ist bei den Ombudswahlen meistens so. Ich habe schon erlebt, dass zwei Stimmen den Ausschlag gaben.

Was reizt Sie am neuen Amt?

Hauptsächlich die Freude am Vermitteln. Ich suche gerne nach Lösungen – bevor Richter entscheiden müssen.

Mit 260 000 Franken pro Jahr ist Ihr neuer Job gut bezahlt.

Der Lohn war kein Kriterium für meine Ambitionen.

Wo wollen Sie als Ombudsmann Schwerpunkte setzen?

Ich will die Funktion besser bekannt machen: Raus zu den Leuten gehen, zu den Gemeinden und Schulen. Da sehe ich Potenzial. Viele Leute wissen gar nicht, wer der Ombudsmann ist und was er macht.

Die Zahl der Beschwerden steigt jährlich.

Vielleicht liessen sich einige davon mit guter Kommunikation verhindern. Ich denke da zum Beispiel an die vielen Beschwerden im Zusammenhang mit dem Zürcher Verkehrsverbund.

Wenn die Arbeitslast steigt, braucht es allenfalls mehr Personal. Die SVP ist jedoch stets kritisch, wenn es darum geht, die Verwaltung auszubauen.

Die SVP ist nicht a Apriori gegen mehr Personal. Dort wo es nötig ist, bietet sie Hand. Und wenn ich davon überzeugt bin, dass wir mehr Leute brauchen, werde ich mich dafür einsetzen. Es ist ja nicht so, dass ich kein Ohr für Verwaltungsangestellte hätte. Ich war immerhin sieben Jahre lang Stellvertreter des Gemeindeschreibers in Richterswil.

Sie hätten auch Chancen gehabt, für die SVP als Zürcher Regierungsrat zu kandidieren. Wieso haben Sie auf die Wahl zum Ombudsmann gesetzt?

Manche Züge fahren nur einmal im Leben vorbei. Und dann muss man aufspringen. Die Wahl zum Ombudsmann war so ein Zug.

Was heisst das nun für Ihre berufliche Tätigkeit als Anwalt?

Formell bleibe ich Anwalt. Aber mit meiner neuen Funktion kann ich den Beruf wohl nicht mehr ausüben und werde dem Anwaltsverband als Passivmitglied beitreten. Es wird erwartet, dass ich mich zu 150 Prozent für das neue Amt einsetze. Es wäre unseriös, als Ombudsmann nebenbei als Anwalt tätig zu sein.

Mit der Wahl müssen Sie aus dem Kantonsrat austreten: Nach 23 Jahren, die letzten sechs Jahre als SVP-Fraktionspräsident.

Ich habe das noch gar nicht richtig realisiert. Es tut schon weh. Ich war mit Leib und Seele Kantonalpolitiker.

Was heisst das für Sie privat?

Meine Tage werden wahrscheinlich strukturierter: Gleichzeitig Anwalt und Politiker zu sein, dazu die vielen Abendveranstaltungen – das war schon intensiv.

Was werden Sie vermissen?

Dass ich nun nicht mehr politisieren kann. Aber ich bin auch froh, nicht mehr so oft streiten zu müssen. Ich habe mir oft einen lösungsorientierteren Umgang gewünscht.