Der Blick von der Terrasse des Zürcher Cityhauses reicht weit über die Stadt hinaus. Im Sonnenlicht glitzert der See, leuchten die schneebedeckten Hügel und strahlen die Gesichter der fünf bürgerlichen Regierungsratskandidaten. Ihre Zuversicht vor den Wahlen vom 24. März ist sichtlich gross. Dass der Medientermin in der 13. Etage stattfindet, wertet niemand als schlechtes Omen.

Sie können es sich leisten. Die Wiederwahl von Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP), Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) und Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) zweifeln nur wenige an. Skandale blieben aus, politische Schlappen ebenso. Und auch die zwei Neuen, SVP-Nationalrätin Natalie Rickli und FDP-Kantonsrat Thomas Vogel, sehen viele schon als gewählt. Sie sollen die Sitze von Baudirektor Markus Kägi (SVP) und Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP) verteidigen. Beide wollen nach drei Amtszeiten nicht mehr antreten. Auf Regierungsebene droht der Wahlkampf somit langweilig zu werden. CVP, FDP und SVP halten an ihrem bewährten Fünferticket fest. Nur dass sie sich nicht mehr «Top 5», sondern «Bürgerliches Bündnis» nennen. Genauso unaufgeregt tönt der gemeinsame Slogan: «Zürich geht es gut. Wir arbeiten weiter daran.»

Wie, erläutern die Kandidaten im Cityhaus schön der Reihe nach. Stocker verspricht, sich weiterhin für einen finanziell gesunden Haushalt einzusetzen, damit im boomenden Kanton in die nötige Infrastruktur investiert werden könne. Rickli will sich vor allem für die öffentliche Sicherheit und die Rechtssicherheit für Unternehmen starkmachen.

Steiner wiederum hat sich zum Ziel gesetzt, mit Tagesschulen bessere Rahmenbedingungen für Familien zu schaffen. Und als Walker Späh an der Reihe ist und wenig überraschend erklärt, dass sie die Projekte im öffentlichen und motorisierten Verkehr vorantreiben werde, kann Ernst Stocker an seinem Fensterplatz die Aussicht geniessen und Natalie Rickli auf ihrem Handy die neusten Nachrichten checken.

Für ein wenig Aufregung sorgt einzig Thomas Vogel, der sich zunächst wegen seiner breiten Dossierkenntnisse als multifunktionalen Kandidaten bezeichnet und sich in der Fragerunde dazu hinreissen lässt, die Aufstockung des Polizeikorps zu befürworten. Stocker ergreift darauf umgehend das Wort und hält fest, dass ein Ausbau derzeit nicht angezeigt sei.

Nie ganz harmonisch

Die letztlich harmlose Szene zeigt, dass sich das bürgerliche Fünferteam eigentlich nur selber schlagen kann. Silvia Steiner mahnt denn auch: «Wir dürfen einfach keine Fehler machen und sollten uns weder zu sicher fühlen noch überheblich werden.» Die Herausforderung eines solchen Bündnisses wurde 2011 und 2015 deutlich. FDP und SVP schafften es weder als «4 gewinnt» (2011) noch als «Top 5» (2015 mit der CVP) ohne gegenseitige Vorwürfe durch den gemeinsamen Wahlkampf.

Solche Nebengeräusche würden wohl auch diesmal nicht zu verhindern sein, sagt Robert E. Gubler, Vorsitzender des Forums Zürich. Die Organisation vertritt die wichtigsten Zürcher Wirtschaftsverbände und unterstützt erneut das bürgerliche Quintett. «Natürlich haben die drei Parteien in gewissen Sachfragen Differenzen», sagt Gubler. «Aber in den wichtigen Dossiers gibt es einen grossen gemeinsamen Nenner.» Sorgen dürften ihm eher die Kantonsratswahlen bereiten. Nach den Verlusten der SVP und CVP bei den Kommunalwahlen 2018 ist die bürgerliche Mehrheit im Parlament kein Selbstläufer mehr. Laut Gubler muss man deshalb einen grossen Teil der Mittel in den Kantonsrats-Wahlkampf stecken. In welcher Höhe sich die Wirtschaft beteiligt, sagt er nicht.

Doch auch im linken Lager verläuft nicht alles harmonisch. Grüne und AL haben Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) die Unterstützung verweigert. Letztlich dürfte aber auch er problemlos wiedergewählt werden. Wenig Chancen gibt man dem Bündnis, das die Mitteparteien BDP, EVP und GLP erstmals für die Regierungsratswahlen eingegangen sind.