Im ehemaligen Thai-Thai-Club an der Limmatstrasse 195 will ein neuer Club mit den Zürcher Ausgangsgewohnheiten brechen. Das im September als «ÜberGang» eröffnete Lokal heisst mittlerweile «Gang» und hat grosse Pläne: Neben den Clubräumen in Erdgeschoss und Keller soll bis im Frühling auf vier Stockwerken und rund 750 Quadratmetern eine Art Kreativhaus entstehen, das Menschen aus den verschiedensten Bereichen einen Freiraum zum Schaffen und Verweilen bieten soll. 

Benutzer sollen Aktionäre werden

Damit dieses Konzept nicht aus dem Ruder läuft, haben sich die Clubbetreiber, die die Liegenschaften für zehn Jahre gepachtet haben, etwas Besonderes ausgedacht: Die zukünftigen Benutzer sollen die einzelnen Räume nicht individuell mieten können, sondern Aktionäre werden. Dafür haben die Pächter die Suite Gastro AG gegründet, bei der sich Interessierte mit Nutzungsvorschlägen bewerben können. Wer Aktionär wird, soll einen Schlüssel zum Gebäude erhalten, sich in den Räumen frei bewegen können und diese nach Möglichkeit mitgestalten.

Der Name «Gang» ist Wortspiel und Konzept in einem: Einerseits spielt er auf den langen, verwundenen Korridor an, der in den Katakomben des Gebäudes die Räume verbindet. Im Vordergrund steht aber der Gemeinschaftsgedanke im Sinn des englischen Wortes für Gruppe. Da ist es passend, dass der Name des Clubs durch eine Abstimmung auf Facebook ausgewählt wurde.

Als Gemeinschaftsprojekt will sich der Club vom herkömmlichen Ausgangsangebot abheben. «Der Ausgang in Zürich wird immer langweiliger», sagt Geschäftsführer Sergio Rigert. «Überall findet dasselbe statt. Wir wollen etwas Neues schaffen, an dem verschiedene Leute – Junge, Alte, Arme, Reiche, Schwarze, Weisse, Alternative, Banker – aktiv beteiligt sind.» 

Eine Idee, die den Clubräumen bereits jetzt anzusehen ist: Wo man hinschaut, findet man kleine Kunstwerke vor – von Graffitis über Kleinstinstallationen bis Klebecollagen. «Der Club soll Künstlern Freiraum zum Gestalten bieten», sagt Rigert. Auch von aussen fällt der «Gang» durch seine eigenwillige Gestaltung auf: die wöchentlich bis monatlich wechselnden Graffiti an den Aussenfassaden weisen auf kommende Veranstaltungen hin. Sogar eine Bewohnerin des gegenüberliegenden Altersheims hat sich schon dafür bedankt: «Endlich mal etwas Buntes und Lebendiges in der Stadt.»

Noch müssen die Pächter darauf warten, dass die letzten Mieter aus der Wohnung im 2. Stock ausziehen – was im März der Fall sein dürfte. Da die oberen Stockwerke bereits komplett renoviert sind, könnte danach alles sehr schnell gehen. Bis dann sollen auch die Details des Aktiengangs geklärt sein: Heute ist noch unklar, wie viele Aktionäre aufgenommen werden und wie teuer eine Aktie werden soll. 

100 bekommen einen Schlüssel

An Interessenten fehlt es jedoch nicht: Bereits über 200 Anmeldungen seien bis jetzt eingegangen und mit ihnen Vorschläge, wie die Zimmer genutzt werden könnten: «Tonstudio, Pokerraum, Minicafé, Spielraum, Kleinkino, Kunstgalerie – es wurden uns bereits unzählige Ideen unterbreitet», freut sich Rigert. Und dies, noch bevor die Betreiber aktiv die Werbetrommel gerührt haben. Im Frühjahr sollen die Aktienanwärter genauer unter die Lupe genommen werden, «um herauszufinden, wer passt», sagt der Geschäftsführer. Rund hundert von ihnen sollen dann einen Schlüssel erhalten. 

Kein rechtsfreier Raum

Dass ein Mischkonzept aus Club- und Kreativräumen bewilligungstechnisch zu Schwierigkeiten führen könnte, weiss Rigert: «Natürlich betritt man mit damit schnell einmal eine rechtliche Grauzone. Doch solange alles klar organisiert ist, sollte das nicht zum Problem werden.» Er hebt hervor, dass den Aktionären zwar eine grosse Gestaltungsfreiheit gegeben wird, dass die Liegenschaft aber kein rechtsfreier Raum ist. «Es ist wichtig, dass die Aktionäre verstehen, dass zum Gelingen des Konzepts auch gewisse Regeln eingehalten werden müssen.»

Unter dieser Adresse kann man sich als Aktionär bewerben: www.facebook.com/GangClub.ch