ETH Zürich
Neuer ETH-Rektor will kritisches Denken und Kreativität fördern

Am traditionellen ETH-Tag am Samstag in Zürich hat der neue Rektor Lino Guzzella für mehr Engagement und Kreativität in der Lehre geworben. Neben der Vermittlung von Faktenwissen müsse die Hochschule auch kritisches Denken fördern.

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ETH-Ehrendoktoren

ETH-Ehrendoktoren

ETH Zürich/Oliver Bartenschlager

Guzzella nahm den ETH-Tag zum Anlass, auf seine ersten 100 Tage im Amt zurückzublicken, wie die ETH mitteilte. Es würden sehr hohe Erwartungen an ihn herangetragen, stellte der neue Rektor fest. Er sei aber erfreut über die Offenheit, die er in der Wirtschaft und in der Politik für die Anliegen der ETH antreffe.

Als zentrale Werte der Lehre an der Technischen Hochschule nannte Guzzella Vertrauen, Engagement und Kreativität. Gute Lehre könne dann entstehen, wenn alle Beteiligten die Möglichkeit hätten, selbständig und eigenverantwortlich zu handeln.

Als Beispiel für einen vertrauensvollen Umgang miteinander nannte er die Benotung von Prüfungen. Auch wenn heutige technische Möglichkeiten eine Auswertung bei grossen Studierendenzahlen erlaubten, sei der unmittelbare Dialog zwischen Lernenden und Lehrenden durch nichts zu ersetzen. Erste Schritte zur Verbesserung der Prüfungswesens seien bereits unternommen worden.

Fragen im Hörsaal via iPhone stellen

Laut Guzzella ist die ETH gut darin, Fakten- und Methodenwissen zu vermitteln. Es sei aber auch wichtig, genügend Wert auf die Schulung des kritischen Denkens zu legen. Er zähle dabei auf das Engagement aller Dozierenden.

Eine weitere unverzichtbare Komponente ist für Guzzella die Kreativität. Neuartige Hilfsmittel der Informations- und Kommunikationstechnologie könnten helfen, auch mit einer immer grösser werdenden Anzahl Studierender im Hörsaal zu kommunizieren.

So teste er derzeit zusammen mit Studierenden die Funktionalität einer an der ETH entwickelten EduApp, sagte Guzzella. Die Studierenden könnten dabei während der Lektion kurze Nachrichten mit Fragen zum Stoff absetzen, die er dann am Ende der Vorlesung zu beantworten versuche.

Versprechen einhalten

Der Zürcher FDP-Ständerat Felix Gutzwiller forderte in seiner Festansprache mehr Verbindlichkeit der Politik gegenüber der Wissenschaft. Damit die Schweiz als wissensbasierte Nation auch in Zukunft erfolgreich bleiben könne, müsse die Partnerschaft zwischen Wissenschaft und Politik erneuert werden.

In der Politik sei man sich zwar über alle Parteien hinweg einig, dass Bildung in der Schweiz von grösster Bedeutung ist. In der Realität blieben die politischen Sonntagsreden jedoch oft Lippenbekenntnisse, denen keine Taten folgen.

Bildung, Forschung und Innovation gehörten zwar zu den wenigen privilegierten Sektoren mit steigenden Investitionen. Der Enthusiasmus der Politik, in Bildung und Forschung zu investieren, habe sich aber gelegt. Gerade im ETH-Bereich müsse für die letzte Förderperiode von einem "Quasi-Stagnationsbudget" gesprochen werden.

Zwei neue Ehrendoktoren

Am Festakt erhielten zudem der Astrophysiker Marin J. Rees und der Aerodynamiker Hans G. Hornung die Ehrendoktorwürde verliehen. Rees, seit 1995 Hofastronom der britischen Königin, wurde für seine Erklärungen kosmischer Phänomene ausgezeichnet.

Hornung erhielt den Ehrendoktortitel für seine Forschungsbeiträge zur Gasdynamik von Hochgeschwindigkeitsströmungen, die beim starten und landen von Raumfahrzeugen entstehen. Hornung leitete von 1987 bis 2003 das Forschungs- und Ausbildungszentrum für Luft- und Raumfahrt im US-Staat Pasadena.