Wenn in diesen Tagen Mozarts «Zauberflöte» im Opernhaus Zürich erklingt, so tut sie dies vor fast ausverkauften Rängen. Ein Werk wie geschaffen, um über die Festtage neues Publikum in die Oper zu locken. Während die Kritik voll des Lobes war, liessen einzelne Buhrufe an der Premiere indes vermuten, dass die moderne Inszenierung – ein sich drehendes Haus dient als Kulisse – nicht jeden zu begeistern vermag, so musikalisch raffiniert die «neue» «Zauberflöte» auch sein mag.

Die Sehnsucht nach dem klassischen Musiktheater stillt nun die Volksoper Zürich. «Oper darf Spass machen und das Herz berühren», so Andreas Dick, Präsident der Volksoper Zürich. Zusammen mit Freunden fand er, dass der traditionellen Inszenierung in Zürich wieder ein Platz gebührt. «Wir möchten Werke aufführen, die verständlich und unterhaltsam sind», sagt auch Peter Scollar, Vorstandsmitglied der Volksoper Zürich.

«Früher wurden nach den Premieren die beliebtesten Melodien von der ganzen Stadt gesungen. In unserer Vision möchten wir dies erneut aufleben lassen.» Peter Scollar zitiert zur Gründung auch die britische Operndiva Dame Gwyneth Jones, welche moderne Inszenierungen alter Werke mit den Worten rügte, dass sie weder einen «Tannhäuser» in Gaskammern noch einen «Fliegender Holländer» im Grossraumbüro sehen will.

Dies können die Initianten und die Mitglieder der Volksoper nachvollziehen. Die Gründung des Vereins Volksoper Zürich bedeutete zwar organisatorische Fleissarbeit, aber die Initianten mussten kaum Überzeugungsarbeit leisten. Von Beginn an waren alle Involvierten sehr motiviert, so Peter Scollar. Finanziert wird die Volksoper Zürich in erster Line von den Mitglieder- und Gönnerbeiträgen als auch von Sponsoring und Förderern wie etwa der Stadt Zürich, dem Kanton Zürich sowie Stiftungen und Privatpersonen. Und nicht zu vergessen die Einnahmen aus den Kartenverkäufen.

Das ideale Debüt für die Volksoper war schnell gefunden: die «Martha» von Friedrich von Flotow, einst eine der beliebtesten Opern der Welt. «Das Werk ist heiter, romantisch und beschwingt, die Menschen liebten das Stück», so Peter Scollar. Ideal war «Martha» auch, weil sie seit mehr als 40 Jahren nicht mehr in Zürich gespielt wurde.

Dabei sind einige der Melodien bis heute echte Ohrwürmer und der Text des Librettisten Friedrich Wilhelm Riese ist humorvoll. Ein geeignetes Werk für das professionelle Solistenensemble, angeführt von Michelle Chang und Charne Rochford, das von einem zwölfköpfigen Berufsorchester unter der Leitung von Kelly Thomas unterstützt wird. Als Regisseurin wirkte Monika Wild, die die «Martha» ganz den Vorstellungen entsprechend umsetzen konnte.

Das Bühnenbild wurde von Kunstmaler Marcus Vallböhmer gestaltet, die opulenten Kostüme stammen aus der Hand von Vittoria Michel.
Bereits im Herbst fanden erste Testvorführungen statt. Die eigentliche Premiere ging Ende November im Theater im Seefeld über die Bühne, dem Zuhause der Volksoper.

Die anschliessenden sechs Vorstellungen waren mit 1240 Zuschauern ein Erfolg, auch wenn die Berichterstattung im Vorfeld gering war. «Oft herrscht in den Medien eine gewisse Zurückhaltung, ganz nach dem Motto: die sollen sich zuerst beweisen». Tosender Applaus und Standing Ovations dürften dies nun zur Genüge getan haben.

Im neuen Jahr folgt eine Tournee, denn die «Martha» soll auch ausserhalb von Zürich gezeigt werden. «Finanziell ist das ein Risiko sowie ein logistischer Aufwand», räumt Peter Scollar ein. Doch man wolle viele Zuschauer aus breiteren Schichten ansprechen. Es stehen Gastspiele in Aarau oder Baden auf dem Programm. Eine Konkurrenz für das Opernhaus Zürich wolle man aber nicht werden. «Die Volksoper versteht sich als Komplettierung des Angebots», hält Peter Scollar fest.