Um die Rettung von Forstpersonal und Waldbesuchern effizienter zu gestalten, wurden im Raum Thalwil auffällige grüne Rettungstafeln im Wald montiert. Auf dem ganzen Gebiet des Forstreviers Thalwil-Oberrieden-Langnau errichteten Mitarbeiter des Forstbetriebs insgesamt 34 solche Tafeln: 18 in Thalwil, 6 in Oberrieden, 4 in Langnau und 6 in Horgen.

Die Rettungspunkte sind laut dem Revierförster Roger Bolliger definierte Orte im Wald, die für Rettungswagen problemlos anzufahren sind. Auf den Tafeln sind alle wichtigen Notfallnummern aufgeführt sowie der jeweilige Flurname und die Koordinaten des Ortes. «Die Geschwindigkeit einer Rettung kann dank der Punkte wesentlich erhöht werden», erklärt Bolliger. Der Revierförster weiss aus eigener Erfahrung, wie lange es dauern kann, bis Rettung naht, wenn der Rettungsdienst den Unfallort nicht finden kann: Bolliger war einst selbst schwer verunfallt.

Die Koordinaten auf der Tafel helfen vor allem ortsunkundigen Waldbesuchern bei der Orientierung. So können sie den Standort besser beschreiben. Das Forstrevier ist eines der ersten der Schweiz, welches solche Tafeln errichten lässt. Die Neuerung gibt aber zu reden.
So steht zum Beispiel der Kreisforstmeister Res Guggisberg vom kantonalen Amt für Landschaft und Kultur den Rettungstafeln skeptisch gegenüber. Einerseits befürworte er selbstredend alle Projekte, welche die Sicherheit im Wald erhöhen. Andererseits sei er nicht davon überzeugt, dass ein solcher «Tafelwald» die Zukunft sei.

Die Rega-App als Konkurrenz

Vor allem in Anbetracht dessen, dass es heute modernere Alarmierungs- und Ortungsoptionen gebe – wie etwa die Rega-App. Die Rega-App übermittelt bei einer Alarmierung direkt die Standortangaben des Anrufers an die Rega. Guggisberg kann sich aber vorstellen, dass technisch weniger versierte Leute solche Tafeln willkommen heissen. Nicht jeder Mensch hat ein Smartphone.

«Vor lauter Tafeln Wald nicht sehen»

Trotz dieses Vorteils würde Guggisberg die Tafeln aber nur zurückhaltend anderen Forstrevieren empfehlen: «Der Wald soll Wald bleiben – nicht, dass man ihn vor lauter Tafeln nicht mehr sieht.» Inzwischen werde ja jeder Yoga-Trail dominant beschriftet.
Tatsächlich fallen die grünen Rettungstafeln inmitten der zahlreichen anderen Tafeln wie Wegweisern, Verbots- und Infotafeln laut Bolliger gar nicht auf. Der Thalwiler Förster führt aus, dass die Rettungssignale, wo möglich, an bestehenden Pfosten oder Hüttenfassaden montiert wurden.

Die forstlichen Rettungstafeln sind in Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst des See-Spitals Horgen entstanden. Aber auch andere Blaulichtorganisationen sollen gemäss Projektdokumentation davon profitieren.

Die Medienstelle von Schutz & Rettung Zürich windet sich allerdings um eine Beurteilung des Projektes. Nur so viel: «Wir begrüssen, dass die Notfallnummern mit den Tafeln noch bekannter werden», gibt Mediensprecherin Monika Keller zu Protokoll.