Freizeit
Neue Strecke am Uetliberg: Die Stadt Zürich will das Angebot für Biker ausbauen

Die Stadt Zürich will Mountainbiker in geregelte Bahnen lenken - und baut dafür beim Höckler eine weitere Bike-Strecke. Spaziergänger, Wanderer und Wildtiere sollen damit im Rest des Waldes vermehrt ihre Ruhe haben.

Matthias Scharrer
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Nebst dem Biketrail Triemli (im Bild) soll künftig eine zweite Route vom Üetliberg hinunter zur Stadt Zürich führen.

Nebst dem Biketrail Triemli (im Bild) soll künftig eine zweite Route vom Üetliberg hinunter zur Stadt Zürich führen.

Keystone

Zürich ist eine vielseitige Stadt. Ihre Regierenden preisen sie je nach Anlass gerne als Filmstadt, Kulturstadt, Hochschulstandort und dergleichen. Der Begriff Velostadt fällt eher selten. Im Gegenteil: Die Organisation Pro Velo kritisierte den verkehrspolitisch federführenden FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger kürzlich scharf, weil er längst angekündigte Velowege noch immer nicht umgesetzt habe.

Drei Tage vor den Stadtzürcher Wahlen setzte Leutenegger gestern zur Gegenoffensive an: Er präsentierte ein Mountainbike-Konzept – und sich als Freund der sportlichen Zweiradfahrer. Eigentlich hätte auch der scheidende Schul- und Sport-Stadtrat Gerold Lauber (CVP) bei der Medienorientierung dabei sein sollen. Doch der hatte sich beim Langlaufen das Bein gebrochen.

Bestehender Biketrail wird ausgebaut

Inhaltlich lässt sich das Mountainbike-Konzept so zusammenfassen: Die Stadt bietet schon viel – und plant noch etwas mehr. So soll auf dem Üetliberg vom bestehenden Biketrail Höckler aus eine neue Route bis in die Ebene der Allmend Brunau gebaut werden. Dort befindet sich bereits der 2013 eröffnete Bike-Park.

«Wenn ich drei Jahre sage und es dauert fünf Jahre, kriege ich sonst wieder Haue.» Filippo Leutenegger, Zürcher Stadtrat

«Wenn ich drei Jahre sage und es dauert fünf Jahre, kriege ich sonst wieder Haue.» Filippo Leutenegger, Zürcher Stadtrat

Severin Bigler

Der Üetliberg erhielte damit nebst dem Biketrail Triemli eine zweite Downhill-Route bis hinunter ins Zürcher Stadtgebiet. Dabei soll die neue Höckler-Route noch anspruchsvoller werden als jene, die von der Fernsehantenne kurz unterhalb des Gipfels zum Triemli führt. Im Gebiet Höckler/Allmend ist zudem ein schmaler Übungspfad für Mountainbike-Anfänger geplant.

Als Zeithorizont für die Realisierung der neuen Route nannte Leutenegger vorsichtig fünf Jahre. «Wenn ich drei Jahre sage und es dauert fünf Jahre, kriege ich sonst wieder Haue», sagte er in Anspielung auf die Kritik von Pro Velo.

Entflechten statt verbieten

Der städtische Biketrail-Verantwortliche Reto Moor erklärte, wie die neue Route geführt werden soll. Nämlich so, dass sich Mountainbiker und Fussgänger möglichst wenig in die Quere kommen. Dies gelte bereits für die bestehenden Biketrails auf dem Üetliberg und Adlisberg. «Und wenn es sich nicht vermeiden lässt, dass ein Biketrail einen Fussweg kreuzt, bauen wir Schikanen ein, sodass die Biker praktisch auf Null abbremsen müssen.» Moor weiter: «Entweder man verbietet oder man entflechtet.» Das Konzept der Stadt Zürich ziele darauf ab, Fussgänger- und Mountainbikerverkehr zu entflechten.

Nebst der neuen Downhill-Route, deren Zielpublikum eher Jugendliche und Erwachsene sind, stellt Leutenegger auch für Kinder und Kleinkinder neue Angebote in Aussicht. Namentlich erwähnte er die Quartiere Zürich-West, City, Seefeld, Witikon und Seebach, in denen es noch keine Bike-Anlagen gebe. «Bei ausgewiesenem Bedarf sollen in diesen Quartieren im Rahmen der bestehenden räumlichen und finanziellen Möglichkeiten Anlagen realisiert werden», so Leuteneggers vages Versprechen.

Vereine zufrieden

Valentin Bamert, Präsident des Mountainbiker-Vereins Züritrails, zeigte sich zufrieden: «Mountainbiken ist ein Breitensport. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich eine Stadt so intensiv mit dem Thema befasst.»

Auch beim auf ruhige und naturnahe Erholungsgebiete bedachten Verein Pro Üetliberg stösst das Konzept der Stadt Zürich auf Anklang: «Dass man den Mountainbike-Verkehr kanalisiert, finde ich richtig», sagte Pro-Üetliberg-Vizepräsident Hannes Zürrer. Und fügte an: «Das weiterhin ungelöste Problem ist: Ein kleiner Teil der Biker hält sich nicht an die Regeln und fährt neben den Trails.»

Die Stadt Zürich begegnet dem mit einem Verhaltenskodex auf Tafeln bei den Biketrails. Dort steht unter anderem: «Respektiere die Umwelt und bleibe auf dem Weg.»
Laut Angaben der Stadt fahren rund 50'000 Zürcherinnen und Zürcher in ihrer Freizeit Mountainbike. Etwa 8000 davon seien «Hardcore-Mountainbikende», so Leutenegger. Zürichs meistgenutzte Mountainbike-Infrastruktur ist der 3,5 Kilometer lange Biketrail Triemli mit jährlich gegen 40'000 Abfahrten.