Heizpilze
Neue Ratsmehrheit für Heizpilze-Verbot

Der Kantonsrat könnte die Erlaubnis für Heizpilze aus dem Energiegesetz kippen: Die CVP hat nämlich ihre Meinung geändert.

Anna Wepfer
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Eine Ratsmehrheit ist jetzt für das Heizpilz-Verbot (Symbolbild)

Eine Ratsmehrheit ist jetzt für das Heizpilz-Verbot (Symbolbild)

Keystone

Die Wirte in Winterthur und Zürich haben sich wohl zu früh gefreut. Noch Anfang Juni hat der Kantonsrat ins Energiegesetz geschrieben, es sei erlaubt, im Sommerhalbjahr Heizungen im Freien zu betreiben. In den Städten sind solche gasbetriebenen Heizpilze derzeit verboten. Viele Wirte würden sie aber gerne aufstellen, um Gäste an der frischen Luft warmzuhalten.

Doch die Gastrobetriebe haben ihre Rechnung ohne die CVP gemacht. Hat sie in der ersten Lesung des Gesetzes noch mit den Bürgerlichen gegen Energiesparmassnahmen gestimmt, will sie sich übermorgen in der zweiten Lesung eher Links-Grün anschliessen, wie Fraktionspräsident Philipp Kutter sagt. «Die Energiedebatte hat sich in letzter Zeit stark verändert. Das hat bei uns einen Meinungsumschwung ausgelöst.»

Konkret geht es um einen Rückkommensantrag von SP, Grünen und Grünliberalen. Vier eigentlich erledigte Punkte sollen noch einmal zur Abstimmung kommen. Nebst den Heizpilzen will Links-Grün auch verbieten, dass alte, energieintensive Elektroheizungen durch neue ersetzt werden. Bei Neubauten sollen mindestens 40 Prozent der Energie mit erneuerbarer Energie gedeckt werden (heute: 20 Prozent). Und für das Heizen von Freiluftbädern soll ausschliesslich erneuerbare Energie erlaubt sein.

Im ersten Anlauf gescheitert

Mit all diesen Anträgen sind SP, Grüne und GLP zusammen mit der EVP im ersten Anlauf gescheitert. Die vier Parteien kommen nur auf 83 von 180 Stimmen. Wechselt die neunköpfige CVP das Lager, hätten die Energiesparer mit 92 Stimmen jedoch eine knappe Mehrheit – unter der Bedingung, dass alle Mitglieder anwesend sind.

Derzeit sieht es gut aus. In allen fünf Fraktionen zeichnen sich keine Absenzen ab. Ein Mitglied der EVP ist derzeit zwar noch «ein bisschen krank», sollte aber nach Angaben von Fraktionspräsident Peter Reinhard am Montag wieder auf den Beinen sein. Die Grüne Esther Guyer hat in ihrer Fraktion den Tarif durchgegeben: «Es ist eine sehr wichtige Sitzung, Anwesenheit ist Pflicht.» Sollte jemand gesundheitlich nicht auf der Höhe sein, rät die Pharma-Assistentin: «Lieber eine Tablette einwerfen, als zu Hause im Bett bleiben.»

Unterstützen will die CVP laut Kutter die Verbote von Heizpilzen und Elektroheizungen. Die anderen beiden Anträge seien hingegen nicht überzeugend. Eine Wundertüte ist die BDP. Auch sie stimmte in der ersten Lesung bürgerlich, geht nun aber noch einmal über die Bücher. «Ich habe Sympathien für die Anträge», sagt Fraktionspräsident Lothar Ziörjen. Entschieden sei aber noch nichts.