Zürich
Neue Park-App: Stadt verärgert potenzielle Anbieter mit öffentlicher Ausschreibung

Künftig soll es auch bei Zürcher Parkuhren möglich sein, per App zu bezahlen. Die Stadt hat den Auftrag zur Entwicklung eines entsprechenden Systems öffentlich ausgeschrieben. Zu spezifische Voraussetzungen sorgen jedoch für Frust bei den potenziellen Anbietern – nicht aber bei der Dietiker Firma Digitalparking.

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Künftig soll man auch bei Zürcher Parkuhren bargeldlos bezahlen können. (Themenbild)

Künftig soll man auch bei Zürcher Parkuhren bargeldlos bezahlen können. (Themenbild)

Keystone

Wer in Zürich mit dem Auto parkieren will, braucht ein schweres Portemonnaie. Auch 2018 akzeptieren die meisten Parkuhren der Stadt ausschliesslich Kleingeld. Nun soll sich dies gemäss eines Berichts des "Tages-Anzeigers" ändern und eine Bezahl-App fürs Smartphone installiert werden. "Wenn alles nach Plan läuft, dann werden wir ab letztem Quartal 2018 eine entsprechende Lösung anbieten können", sagt Heiko Ciceri, Sprecher der Dienstabteilung Verkehr (DAV) zur Zeitung. Dann soll es den Parkierenden möglich sein, via App zu bezahlen und die Parkdauer auch aus der Ferne zu verlängern. Zudem soll mindestens die Bezahlung mit den Kreditkarten Visa und Mastercard ermöglicht werden.

Am 3. November publizierte die Dienstabteilung Verkehr eine öffentliche Ausschreibung. Die Siegerfirma wird von der Stadtpolizei Zürich beauftragt, eine zentrale Datenbank mit "sämtlichen Parkvorgängen" anzulegen. Man rechnet damit, dass im ersten Jahr rund 2,4 Millionen Franken über die App bezahlt werden. Für die Anbieter ist dies ein lukrativer Auftrag.

"Liebling der Stadt"

In der Branche ist man dennoch frustriert. Der Grund: Die Stadt hat die Anforderungen für eine Bewerbung so hoch gelegt, dass vielen potenziellen Anbietern eine Teilnahme verwehrt bleibt. So gilt beispielsweise ein jährlicher Mindestumsatz von einer halben Million Franken als Voraussetzung. Weiter müssen die Bewerber mehrere Referenzen mit vergleichbaren, bereits durchgeführten Aufträgen vorweisen, davon einer mit einem Auftragsvolumen von mindestens 100'000 Franken.

«Die Stadt hat offensichtlich eine klare Vorstellung davon, wer diesen Auftrag erhalten soll», sagt Stefan Forster von Hectronic zum "Tages-Anzeiger". Die Firma gehört zwar europaweit zu den führenden Anbietern von Systemlösungen im Parkraummanagement und würde die Umsatzvorgaben erfüllen, doch sind die Vorgaben der Stadt zu spezifisch und die Eingabefrist zu kurzfristig für ein Mitbieten. Ursprünglich galt der 20. Dezember als Stichtag. Auf mehrfachen Wunsch potenzieller Bewerber verlängerte die Stadt die Frist bis morgen um 15 Uhr.

Auch bei anderen Branchenvertretern klingt es ähnlich wie bei Hectronic. Die Stadt wünsche sich ein System, dass eine Firma so bereits anbiete. Dabei handelt es sich gemäss dem Bericht um das System Digitalparking aus Dietikon, offenbar der "Liebling der Stadt". Geschäftsleiter Reto Schläpfer ist denn auch optimistisch: "Wir rechnen uns gute Chancen aus, dass wir für das Projekt ausgewählt werden." Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft der Firma Taxomex, deren Chef der Vater von Reto Schläpfer ist und welche der Stadt Zürich seit Jahrzehnten die Parkuhren liefert.

Start-ups ausgeschlossen

Start-ups werden vom Auftrag komplett ausgeschlossen. Zu unrecht findet der Gründer eines ETH-Spin-offs: "Wir könnten der Stadt eine gute Lösung bieten – wenn sie uns mitbieten liesse." Die Ausschreibung ergebe keinen Sinn, da nicht der Beste, sondern jener mit dem dicksten Portemonnaie oder den besten Beziehungen gewinne.

Die Dienstabteilung Verkehr verzichtet allerdings ganz bewusst auf die Jungunternehmen. "Wir wollen der Bevölkerung Lösungen bieten, die auch noch in mehreren Jahren Bestand haben", sagt Sprecher Ciceri zum "Tages-Anzeiger". Das Risiko bei Start-ups sei zu gross.